Jens Schlünzen

Whiskyexperte, Autor

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Whiskykolumne – Arran 14yo

27. Juli 2026
© Jens Schlünzen

Anregendes Spiel von Salzkaramell mit süßem Biskuit

Wir begeben uns heute auf die schottische Insel Arran, westlich von Kintyre im Firth of Clyde gelegen. Die Isle of Arran gilt als Schottland in Miniaturausgabe. Der Highland Boundary Fault – Trennlinie zwischen Highlands und Lowlands verläuft diagonal über die Insel. Man findet raue Küsten und flaches Land mit Stränden und Golfplätzen und auch das ein oder andere Schloss, teilweise als Ruine, wie das Lochranza Castle, das seit 1994 unter Denkmalschutz steht.

Als ich 2005 die Insel zum ersten Mal besuchte, war mein Ziel die damals einzige Destillerie der Insel in Lochranza, einem kleinen Ort im Norden. Angereist bin ich von Lübeck nach Prestwick mit Ryan Air für damals noch 42 € hin und zurück. Von dort ging es weiter mit dem Zug nach Ardrossan und der Fähre nach Brodick , dem Haupthafen der Insel. Es war meine erste Whiskydestillerie, die ich besuchte. Nicht nur deshalb, sondern auch weil Arran eine Brennerei ist, die ich seit den Anfängen 1993 mitbekommen habe, hat sie einen besonderen Platz in meinem Whiskyherzen. Sie ging erst 1995 in Produktion, und nicht 1994, wie geplant, da sich ein Adlerpaar eingenistet hatte. An manchen Tagen, so wurde mir erzählt, fliegen die Adler über die Brennerei und grüßen. Gesehen habe ich sie nicht, aber ihre Abbildungen zieren jedenfalls die Flaschen der Destille. Wichtig war natürlich, dass der Whisky mir zusagt, sonst hätte all die Nostalgie nicht geholfen. Ich mochte fast alle der zahlreichen Abfüllungen, die mich in den fast dreißig Jahren begleitet haben, doch besonders beeindruckt war ich vom ersten 14 Jahre alten Single Malt. Den gab es bis 2018, und nach der Eröffnung der im Süden der Insel gelegenen zweiten Brennerei Lagg 2019, wurde das Sortiment nicht nur optisch umgestellt. Arran hat die Produktion mit den beiden Destillen geteilt. Zuvor wurde in Lochranza, wie jetzt auch die Alte Destillerie offiziell seit 2020 heißt ungetorfter Arran und torfiger Machrie Moor hergestellt. Die torfige Produktion wurde dort beendet und findet nur noch in Lagg statt. Es hieß der 14-jährige Arran sollte im neuen Sortiment wiederkommen, aber es passierte lange nichts, bis ich ihn dieses Jahr entdeckte. Jetzt galt es für mich zu überprüfen, ob es immer noch einer meiner Favoriten ist.

© Jens Schlünzen

Im Glas

Der neue 14-jährige ist eine Kombination aus überwiegend Bourbon Barrels mit etwas Unterstützung aus Palo Cortado Sherry Fässern. Ungefärbt und nicht kalt filtriert und mit 46% Alkohol.

In der Nase kommen vertraute und für Arran typische Aromen von reifen Äpfeln und Birnen mit etwas Hefegebäck. Hinzu kommen Noten von Malz, Mandarinen, Aprikosen, Süßkirschen, gelben Pflaumen und etwas Haselnuss. Im Geschmack ist er vollmundig und lebendig, aber auch cremig mit ähnlicher Frucht wie in der Nase, aber malziger. Der Nachklang ist lang und wärmend mit anregendem Spiel von Salzkaramell und süßem Biskuit. Traumhaft!

Welch ein Whisky, schön, dass er wieder da ist!

Der Arran 14yo kostet in der 0,7l Flasche zwischen 65 und 70 Euro.

Lochranza Distillery
Lochranza
Isle of Arran KA27 8HJ
Vereinigtes Königreich
https://www.arranwhisky.com

© Jens Schlünzen