Jens Schlünzen

Whiskyexperte, Autor

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Whiskykolumne – Ballindalloch

27. Februar 2026
© Jens Schlünzen

Heute geht es in die Speyside, direkt in die Nähe des Flusses Spey zur Ballindalloch Distillery. Die Brennerei ist seit 2014 in Betrieb und wurde am 16. April 2015 royal eröffnet durch den Herzog und die Herzogin von Rothesay (damals noch Prinz Charles und seine Frau Camilla). Die Destille ist in Besitz der Macpherson-Grant Familie. Das Anwesen gehört der Familie schon seit 1546 und Sir George Macpherson-Grant etablierte dort bereits in den frühen 1820er Jahren die Destillation. Zudem war er Mitbegründer der Cragganmore Destillerie 1869 und Freund von Robert Hay von Glenfarclas. Seine letzte direkte Beteiligung war der Bau der Speyside Destillerie 1896. Somit stellt der Bau der neuen Ballindalloch Destillerie für die Macpherson-Grant Familie eine Rückkehr zur schottischen Whiskydestillation da. 2011 entstand die Idee für eine Brennerei, da die aktuellen Besitzer Clare und Oliver Russell den Bauernhof des Anwesens als nicht repräsentativ empfanden, und eine von vielen Möglichkeiten eine Destille war. Der Bauernhof wurde in den nächsten zwei Jahren entsprechend renoviert und zu einer traditionellen Destillerie umgebaut. Die neue Brennerei ist eine Single Estate Distillery, d.h. alle Herstellungsschritte werden vor Ort oder in der Umgebung erledigt. Das Getreide wird vor Ort angebaut und zum Mälzen nach Inverness gefahren. Der Rest findet in der Destille statt. Der Treber wird an die eigenen Rinder verfüttert. Übrigens ist die Aberdeen Black Angus Herde auf dem Anwesen der Ursprung aller Rinder dieser Art.

© Jens Schlünzen

Eine lange Fermentationszeit von 94 oder 140 Stunden sorgt dafür, dass der Whisky eine schöne Fruchtigkeit besitzt, die von den beiden kleinen Pot Stills (5000 Liter Wash Still, 3600 Liter Spirit Still) elegant betont wird. Um die 75000 Liter Alkohol produziert die Destille pro Jahr.

Ich habe für die Kolumne zwei Abfüllungen zur Verkostung ausgesucht. Eine Abfüllung ist, der nur für den Deutschen Importeur abgefüllte 2015 Vintage Release mit 49,5% Alkohol. Er ist auf 1200 Flasche reduziert und wurde 2024 abgefüllt. Es ist eine Kombination aus Bourbon- und Sherryfässern. Jedes Land bekommt eine eigene Abfüllung, die der Importeur nach seinen Vorstellungen kreieren lassen kann. Es gibt keinen Standard für alle. Die Zweite Abfüllung ist The Castle, der mit 50% Alkohol abgefüllt und weltweit auf 2400 Flaschen begrenzt wurde. Diese Abfüllung wird zusammen mit dem gleichnamigen Roman von John Sutherland verkauft. The Castle ist aus Bourbonfässern von 2015 der ersten und zweiten Belegung zusammengestellt worden und ist auch die erste leicht torfige Variante von Ballindalloch.

Vintage 2015

Der Vintage 2015 bietet in der Nase frische, fruchtige Aromen von Birne und Apfel, begleitet von Vanille, Honig, hellen Wiesenblumen, Biskuit, Butterkeks und hellem Toffee. Am Gaumen ist er süßlich mit Malz, Kakao, Vanille, Birne, weißem Pfirsich und Weinbeeren. Der Nachklang ist angenehm lang mit feiner Süße, Frucht und Cerealien und wird leicht trocken.

© Jens Schlünzen

The Castle

The Castleträgt Aromen heller Früchte, wie Birnen Pfirsichen und Weinbeeren, Vanille und etwas Eiche, alles schön auf einem leichten Untergrund von Torfrauch serviert. Am Gaumen kommt eine feine Würze hinzu, die den Rauch noch etwas betont, und von Malz und Butterkeks begleitet wird. Der Nachklang ist anhaltend und bringt alles vorher Erfahrene noch einmal zum Vorschein, bevor er leicht rauchig endet.

Beide Whiskys sind sehr gelungen und laden ein, weitere Abfüllungen wie Einzelfässer Bourbon und Sherry zu verkosten. Weiter so!

Der Vintage 2015 kostet in der 0,7l Flasche 96 Euro und The Castle mit Roman 119 Euro.

Ballindalloch Distillery
Ballindalloch
Banffshire
Scotland
AB37 9AX
Welcome to Ballindalloch Single Malt Distillery