Jens Schlünzen

Whiskyexperte, Autor

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Whiskykolumne – Lagavulin 16yo

21. September 2025
© Jens Schlünzen

Ein schottischer Klassiker

Heute beschäftigen wir uns mit einem Whisky, den jeder Freund des torfigen Single Malts kennen sollte. Im Süden der Insel Islay, an den Ruinen des Dunyveg Castle gelegen, finden wir die Lagavulin Distillery. Das Schloss diente den MacDonads, um ihr Reich des Lord of the Isles nach Süden zu sichern. 1816 von John Jonhston gegründet und von Peter Mackie seit 1889 als feste Größe etabliert, wuchs Lagavulin zu dem Hauptwhisky von White Horse Distillers, in dessen Blended Whisky er immer noch zu finden ist. Die Firma wurde 1927 von DCL (Distillers Company Limited) übernommen und hatte bis 1974 noch eigene Floor Maltings. United Distillers übernahm 1987 und der 16jährige Single Malt erlangte Aufmerksamkeit als einer der sechs Classic Malts des Unternehmens. Whiskys aus verschiedenen Regionen sollten Schottland geschmacklich abbilden. Die andern fünf waren, Talisker 10yo (Isle of Skye), Oban 14yo (Western Highlands), Dalwhinnie 15yo (Central Highlands), Cragganmore 12yo (Speyside) und Glenkinchie 10yo (Lowlands). Der Lagavulin (Senke mit der Mühle) war ein würdiger Vertreter der Insel Islay und auch schnell ein Benchmark für die torfigen Malts Schottlands. Neben dem 16järigen gibt es seit 1989 eine Distillers Edition, die in Pedro Ximènez Sherry Fässern nachreift. Das Alter dieser Abfüllung wurde von zuerst 18 über 16 Jahre weiter reduziert zu einer Abfüllung ohne Altersangabe. Der Preis hingegen stieg immer weiter. Genauso wie bei den Sonderabfüllungen 12yo Cask Strength und anderen Special Releases. 2016 ist zum 200järigen Jubiläum ein 8 Jahre alter Single Malt herausgekommen. Viele dachten, dass dieser für ein so bedeutendes Ereignis doch sehr jung ist. Tatsächlich sollte der Whisky an den ersten und vielleicht auch besten schriftlichen Beleg von Alfred Barnard in seinem Buch Whisky Distilleries oft he United Kingdom von 1887 erinnern, der damals einen 8-jährigen Whisky in der Destille vorfand. Es wird immer wieder behauptet, dass der 16yo zum Teil in Sherryfässern reifte, aber tatsächlich wird die Zusammensetzung der Fässer nie preisgegeben. Er ist definitiv dunkler als die anderen Classic Malts, kann aber auch nur bedeuten, dass er stärker mit Zuckerkulör nachgefärbt wurde als diese. Das torfige Malz stammt ausschließlich von den firmeneigenen Maltings in Port Ellen des jetzigen Besitzers Diageo.

Im Glas

Der Lagavulin 16yo ist mit 43 % Alkohol abgefüllt. In der Nase kommen Aromen von würzigem Torfrauch, Jod, gebranntem Zucker, Teer, Seetang, geräuchertem Speck und Trockenobst zum Vorschein. Diese fruchtige Komponente könnte eventuell der Hinweis sein, dass doch das eine oder andere Sherryfass den Weg in die Abfüllung gefunden hat. Am Gaumen ist der Whisky vollmundig und rund mit dem allgegenwärtigen Torfrauch, einem süß-salzigen Spiel und etwas Lakritz. Im Nachklang wird der Whisky etwas trocken mit einem herb-salzigen Spiel und Noten von Rauchmalz. Das ist ein Geschmack, als ob man auf dem Darrboden steht, mitten im fertigen Malz. Toll!

Diageo hat zwar immer wieder Ideen den Gewinn zu maximieren, kann aber trotzdem nicht verhindern, dass die Leute vor Ort in der Destillerie es schaffen, den Lagavulin als Referenz für Islay Whisky herzustellen. Ein Klassiker, aller Ehren wert!

Der Lagavulin 16yo kostet in der 0,7l Flasche um die 90 Euro.

Lagavulin Distillery
Lagavulin
Isle of Islay
PA42 7DZ
United Kingdom
https://www.malts.com/en-gb/distilleries/lagavulin

© Jens Schlünzen