
Heute fahre ich nach Islay, um bei der Laphroaig Distillery meine Pacht abzuholen. Dies ist ein Service, den ausschließlich die Friends of Laphroaig genießen. Die Gemeinschaft der FOL wurde 1994 vom damaligen Distillery Manager Iain Henderson ins Leben gerufen.
Im selben Jahr besuchte auch King Charles, damals noch Prinz, die Destillerie seines Lieblingswhiskys. Er flog selbst nach Islay und verfehlte die Landebahn, so dass er seine Landeerlaubnis verlor. Er kann sich aber wohl einen Piloten leisten…

FOL kann man durch den Erwerb einer Flasche Laphroaig werden oder, wie ich es tat, durch den Besuch der Destille. Im Juni 2005 besuchte ich die Brennerei zum ersten Mal. Seitdem gehört mir ein square foot Islay, den ich aufgrund der Koordinaten selbst abschreiten und besuchen kann. Natürlich habe ich das auch schon mal gemacht. Die Pacht besteht in einem Dram (eine nicht genaue Maßeinheit, eher eine Übereinkunft der austeilenden Person und der empfangenen) oder einer Miniatur Whisky. Ich werde heute zwei Drams Laphroaig verkosten, aber dazu später.
Destille mit Tradition
Die Destillerie wurde 1815 von den Gebrüdern Johnston gegründet und blieb lange Zeit in Familienbesitz. 1938 erlitt der damalige Besitzer Ian Hunter (Sohn von Isabella Johnston und William Hunter) einen Schlaganfall und übergab die Geschäfte seiner Büromanagerin Bessie Williamson, die, seit einem Ferienjob vier Jahre zuvor, geblieben war, wegen ihrer Liebe zur Destille, dem Whisky und der Insel. Nach Hunters Tod 1954 wurde Bessie neue Besitzerin und führte Laphroaig zu weiterem Ruhm, bis sie 1972 in Rente ging. Im Laufe der Zeit war die Destillerie in Besitz von Franzosen, Amerikanern und seit 2014 dem japanischen Konzern Suntory.
Laphroaig (zu Deutsch: Senke an der breiten Bucht) produziert über 3 Millionen Liter Spirit im Jahr mit 7 kleinen Pot Stills, die in Zweifachdestillation das Destillat des kraftvollen, torfigen Single Malts produzieren. Etwa 20% des benötigten Malzes produziert die Brennerei in ihren eigenen Floor Maltings. Der Torfgehalt des Malzes beträgt 50 bis 60 ppm (parts per million) und wird mit weniger stark getorftem Malz vom Festland gemischt, so dass der Wert dann bei ca. 40 ppm liegt. Diesem torfigen Malz werde ich mich jetzt gerne wieder einmal sensorisch nähern.
Im Glas
Dazu habe ich mir die beiden unterschiedlichen Abfüllungen des 10jährigen Whiskys ausgesucht. Zum einen ist es der Standard mit 40% Alkohol, zum anderen die limitierte Fassstärke, die in diesem Fall 56,5% Alkohol aufweist. Zum Start nehme ich die leichtere Variante.
In der Nase sind würziger Torfrauch, Jod, Seetang, Vanille und Malz zu erkennen, die von erdigen und medizinischen Noten getragen werden. Am Gaumen ist er leicht salzig, rauchig, erdig, aber auch cremig und lässt Platz für Vanille, Malz und Karamell. Der Nachklang ist lang und ich bekomme den Eindruck, ich stünde auf dem Darrboden der Destille mit dem fertigen Malz zu meinen Füßen.
Bei der Fassstärke ist die Würze etwas süßlicher, und der Torfrauch trägt etwas Frucht von reifen Äpfeln, Seeluft, Ozon, Vanille, schwarzem Pfeffer, Seetang und Teer. Am Gaumen ist er kraftvoll und warm mit würzigem, erdigen Torfrauch, herben Lakritz mit pfeffrigen Noten. Der Nachklang ist deutlich länger als bei der 40% Variante und bringt die erdigen, würzig-herben Aromen von Torf, Heidekraut und Seetang deutlich zum Vorschein.
Beide Whiskys sind sehr gelungen und zeigen die Seele von Laphroaig. In ehemaligen Bourbonfässern gereift unterscheiden sie sich allein durch den Alkoholgehalt. Der leichtere ist gut geeignet, um bei Laphroaig einzusteigen. Mit der Fassstärke, in diesem Fall ist es Batch 015, kann man tief eintauchen in die Welt des Laphroaigs.
Der 10yo 40% kostet in der 0,7l Flasche ca. 39 Euro und Batch 015 der Fassstärke ca. 80 Euro.
Laphroaig Distillery
Laphroaig
Isle of Islay PA42 7DU
United Kingdom



