Jens Schlünzen

Whiskyexperte, Autor

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Whiskykolumne – Stauning Danish Whisky

18. März 2022

Jens Schlünzen, unser Whiskyexperte, kennt fast alle Destillerien auf den britischen Inseln, in Skandinavien und Norddeutschland. Im März begibt er sich an die Westküste Dänemarks und testet drei Stauning Whiskys.

Stauning Trio © Jens Schlünzen

Ehrlich, gradlinig, regional verbunden, authentisch 

Heute begeben wir uns weiter nach Norden, nach Dänemark, genauer gesagt nach Skjern an der Westküste nahe dem Rinkøbing Fjord. Hier hatten 2005 neun Freunde (ein Arzt, ein Schlachter, ein Lehrer, ein Hubschrauberpilot und vier Ingenieure) die Idee und den Willen dänischen Whisky herzustellen. Der Whisky sollte seinen eigenen Stil haben und doch nicht zu weit entfernt vom Vorbild Schottland sein. Sie fingen an zu experimentieren und besorgten sich alles, was benötigt wurde aus der Region. Getreide wurde von benachbarten Bauern besorgt und zu Malz verarbeitet auf dem Fußboden des Kühlraums der ehemaligen Schlachterei und getrocknet mit dem Torf aus einem Museum. Eine Getreidemühle für das Malz gab es auch nicht und so musste dafür der Fleischwolf herhalten. Als dann im August 2006 der erste Tropfen Rohdestillat aus der zweiten Pot Still lief war klar, dass es kein Zurück mehr geben würde. Zuerst lag die Produktion zwischen 200 und 400 Litern pro Jahr und die Whiskywelt wurde mit dem Wenigen schon mal aufmerksam gemacht. Die Resonanz war großartig und ein alter Hof wurde zur Destillerie umgebaut. Trotz des neuen Gebäudes und der neuen Brennanlage blieb alles klein und traditionell wie vorher. 2001 kamen die ersten Flaschen zum Verkauf auf den Markt. Es gab aber so gut wie nichts, wenn man sich mal nach einer Flasche umgesehen hatte, weder in Geschäften noch in der Destillerie. Es gab einfach zu wenig Stoff davon. Der große Konzern DIAGEO wurde aufmerksam und Fan der kleinen Brennerei und finanzierte den Umbau zu einer deutlich größeren Destillerie. Zwar waren die Brennblasen genau so klein wie vorher, nur gab es jetzt 24 davon. Gemälzt wird jetzt auf einer Fläche von 1000m² und die Jahresproduktion beträgt nun 900.000 Liter. Whiskys aus Gerstenmalz und Roggen werden hergestellt und die werde ich jetzt vorstellen.

Ich habe drei verschiedene Whiskys zur Verkostung bekommen, den RYE mit 48%, den SMOKE mit 47% und den KAOS mit 46% Alkohol. Ich habe alle Whiskys wieder in jeweils einem Nosingglas ohne Wasser verkostet.


RYE

Der RYE wurde aus 70% Roggenmalz und 30% Gerstenmalz hergestellt und ist in frischer amerikanischer Eiche gereift. Es ist das Batch 1-2022.

In der Nase kommen die Aromen von würzigem Roggen durch, allerdings nicht so intensiv wie beim Rogg aus Dollerup aus der letzten Kolumne. Begleitet wird das Roggenaroma von Vanille und einer leichten Frucht, die etwas an Orange und gelber Pflaume erinnert. Alles aber nicht zu intensiv.

Am Gaumen kommt die Süße durch und wird durch würzige und fruchtige Noten abgerundet. Im Nachklang kommt wieder die Vanille durch, aber etwas trockener als in der Nase angedeutet und die frische Eiche ist jetzt wahrnehmbar.

©Jens Schlünzen


SMOKE

Der SMOKE besteht aus einer Maische aus 100% Gerste, die über dem Rauch des Feuers aus Torf und Heidekraut gemälzt wurde. Gereift ist der Whisky in First Fill Bourbon-, Madeira- und Jamaikarumfässern und in neuen, amerikanischen Eichenfässern. Es ist das Batch 3-2021.

Dieser intensive Rauch ist in der Nase auch spürbar, aber nicht übermächtig. Die Heidekrautaromen kommen sehr schön zum Vorschein und werden dezent von Zitrusfrische und etwas Tabak begleitet. Am Gaumen wird er süßer, die Heide bleibt und Vanille mit einer feinen Würze vervollständigen das vollmundige Erlebnis. Der Nachklang ist lang, süß und anregend mit etwas Citrus und Menthol begleitet.


KAOS

Der KAOS ist eine Mischung aus Gerstenmalz, rauchigem Gerstenmalz und Roggenmalz und reifte in stark ausgebrannten Fässern aus amerikanischer Eiche und in frischen Bourbonfässern. Es ist das Batch 2-2021.

In der Nase kommt der leichte Rauch auch durch und harmonisiert gut mit weißem Pfeffer, feiner Frucht und süßlicher Würze. Am Gaumen kommt neben dem Rauch etwas Vanille mit würzigen Eichennoten, die jedoch nicht die leicht cremige Struktur und die Süße zerstören. Im Nachklang wird er etwas trockener, die malzigen Komponenten sind vorhanden und Lakritz spielt auch noch mit. 

Insgesamt sind alle drei Whiskys sehr gut gemachte Exemplare ihrer Zunft, die in einen Stil passen, den die Destillerie verfolgt. Ehrlich, gradlinig, regional verbunden und authentisch. 

Alle Whiskys sind in 0,7l Flaschen erhältlich. Der RYE kostet ca. 62,- €, der KAOS ca. 67,- € und der SMOKE ca. 80,- €.


Stauning Whisky

Stauningvej 38

6900 Skjern

Denmark

https://stauningwhisky.com


Mehr über Stauning

www.nordische-esskultur.de/daenischer-westkuestenwhisky/