Regine Marxen

Journalistin & Bierexpertin

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Drei für Bier: Landgang Brauerei

Biervielfalt erlebbar machen
1. Oktober 2021

Der ehemalige Reemtsma-Manager Lars Großkurth, Gastronom Tim Becker und Brauer Sascha Bruns schlossen sich 2015 zusammen, um die Hamburger Biervielfalt anzukurbeln. Damals noch unter dem Namen „Hopper Bräu“ errichteten sie in einer umgebauten Druckereihalle in Bahrenfeld ihre Brauerei. Inzwischen heißen sie Landgang. Es ist einiges passiert in den letzten Jahren. 

©Landgang

Hopfen, Malz und Muskelschmalz

„Unser erfolgreichstes Standardbier ist unser Pils, gefolgt von unserem India Pale Ale ›Amerikanischer Traum‹ und unserem Lager ›Helle Aufregung‹“, sagt Sascha Bruns. Und fügt grinsend hinzu: „Natürlich alle kein Standard.“ Sascha ist der Mann an der Front, der Headbrewer. Gelernt hat der Bremer sein Handwerk bei Schoppe Bräu in Berlin. Dort lautete das Motto: „Hopfen, Malz und Muskelschmalz“. All das kann er auch in Hamburg brauchen. Zusammen mit seinen Mitgründern Lars Großkurth und Tim Becker feilt er in der rund 1000 Quadratmeter großen Halle unweit der Hamburger Stresemannstraße an der gemeinsamen Vision einer gläsernen Brauerei. „Bier“, sagt er, „ist kein lieblos hergestelltes Industrieprodukt. Das wollen wir den Leuten zeigen.“ Vieles hat sich getan seit Brauereigründung 2015, eines aber ist geblieben: der Wille, Bier in seiner Vielfalt erlebbar zu machen. Mit diesem Ziel startete das Trio 2016 eine Crowdfunding-Kampagne, die ihnen immerhin rund 30.000 Euro einbrachte. Natürlich längst nicht genug, um eine Brauerei aufzubauen, aber beim Crowdfunding geht es sowieso weniger ums Geld als um den Aufbau besagter Crowd. Und das hat funktioniert. Denn die ehrliche Art, mit der die drei Gründer das Thema Bierbrauen angingen, kam an. Von Anfang an dachten sie die Gastronomie mit und integrierten in die Halle einen zur Bar umgewandelten Seecontainer. Hier genießt der Gast mit einem Hot Dog in der Hand die Haus- oder Gastbiere, die Gärtanks fest im Blick. Frischer kann man handwerklich gefertigte, sprich Craft-Biere, kaum trinken. Parallel arbeitete die Crew an einem funktionalen Vertrieb über den Lebensmittelhandel bis hin zur Gastronomie. Das Konzept ging auf: Rund 5000 Hektoliter Bier wurden 2020 in Bahrenfeld gebraut. Die Brauanlage wurde inzwischen um drei 90-Hektoliter-Tanks erweitert, Pläne, auch das Sudhaus zu vergrößern, stehen. 13 Mitarbeiter beschäftigt das Unternehmen derzeit. Man kann sagen: Es läuft. Es war wohl neben den schmackhaften Bieren die unkomplizierte Attitüde, mit der die Jungs die Herzen der Bierfans eroberten. Die blieben auch treu, als aus Hopper Bräu Landgang wurde. 2017 war das, in der lokalen Craft-Beer-Szene ist diese Historie inzwischen eine lieb gewordene Anekdote. Bereits 2013 hatte Markus Hoppe im bayerischen Waakirchen sein Bierlabel Hoppebräu ins Leben gerufen. „Hoppe“ und „Hopper“? Ziemlich ähnlich. Das begeisterte den süddeutschen Braukollegen nicht wirklich. Lars, Sascha und Tim sattelten schließlich auf den Namen Landgang um und zelebrierten dieses mit einem Freundschaftssud. Sie brauten mit Markus Hoppe die „§Hoppe(r) Gose“. Bier verbindet eben. Für die Zukunft hat sich das Team rund um Headbrewer Sascha einiges vorgenommen. Das Alsterwasser „Schwanensee“ wird Teil des Kernportfolios, die Gastronomie ausgeweitet. Die Mannschaft behält die Mission im Blick: die gläserne Brauerei. 

Sascha Bruns © Landgang

Von Tutti Frutti bis Senatsbock

Hier schlägt das Herz von Landgang, hier entstehen neben den Standards saisonale Spezialbiere wie das Sauerbier „Tutti Frutti“ oder das fassgelagerte „Hop the Barrel“. Einige von ihnen sind preisgekrönt. Ihr „Senatsbock 2020“ beispielsweise war Bier des Jahres beim Meininger’s International Craft Beer Award. Das rauchige Porter „Dunkle Macht“ erhielt 2016 die Goldmedaille beim Internationalen Craft Beer Award. Wer Bier braut, muss furchtlos sein und sich auch an schwierige Bierstile heranwagen. Das hat Sascha bei seinem Ausbilder Thorsten Schoppe gelernt. Inzwischen weiß er: So richtig mutig muss man sein, wenn man selber eine Brauerei aufmacht. Aber dieser Mut zahlt sich am Ende aus.


Landgang Brauerei 

Beerenweg 12 

22761 Hamburg 

www.landgang-brauerei.de

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