Ingvar Ambjørnsen zählte zu den wichtigsten Autoren Norwegens und lebte rund 40 Jahre in Hamburg. Am 19. Juli verstarb der Schriftsteller im Alter von 69 Jahren.
„Norwegen hat einen großen Schriftsteller und einen einzigartigen Menschen verloren“, teilte sein norwegischer Verlag Cappelen mit.

Ambjørnsen zählt zu den größten Autoren Norwegens. Zahlreiche seiner Werke erschienen bei verschiedenen Verlagen auch in Deutschland, darunter „Sarons Haut“ sowie Romanreihen wie „Peter und der Prof“ und „Elling“. Erst vor einigen Wochen hatte Ambjørnsen angekündigt, Ende Juli sein letztes neues Werk herauszubringen, eine Kurzgeschichtensammlung mit dem Titel „Sorgen i St. Peter Ording“ (Sorgen in Sankt Peter-Ording).
„Elling“ auch im Film und auf der Bühne zu sehen
Der Schriftsteller wurde am 20. Mai1956 in Tønsberg geboren und wuchs in Larvik auf. Ambjørnsen hatte nach einer Setzerlehre als Gärtner und als Pfleger für psychisch Kranke gearbeitet und etablierte sich dennoch, fast „nebenbei“, in kurzer Zeit als einer der wichtigsten Autoren Norwegens.
Ab Mitte der 1980er-Jahre lebte Ambjørnsen rund 40 Jahre lang in Hamburg. Er war wegen seiner Frau, die Autorin und bekannte Übersetzerin Gabriele Haefs, dorthin gezogen. In ihrer gemeinsamen Wohnung entstanden viele seiner erfolgreichen und ausgezeichneten Werke.
Erst Anfang des Jahres war der Schriftsteller wegen seiner Krankheit aus Hamburg zurück in seine norwegische Heimat gezogen. Viele von Ambjørnsens Arbeiten wurden verfilmt, zudem wurde „Elling“ in mehreren Ländern, darunter Deutschland, als Theaterstück aufgeführt.
Besonders bekannt wurde Ambjørnsen mit seiner „Elling“-Reihe über einen schüchternen und fantasievollen Außenseiter, der sich nach einem Psychiatrie-Aufenthalt in der Welt zurechtfinden muss. Die Romane lieferten die Vorlage für die Filmkomödie „Elling“ (2001), die bei der Oscar-Verleihung 2002 als bester fremdsprachiger Film nominiert war. Zahlreiche Werke des Norwegers erschienen bei verschiedenen Verlagen auch in Deutschland, darunter „Sarons Haut“ und die Jugendbuchreihe „Peter und der Prof“.

„Ingvar war einer der ganz Großen“, schreibt der Hamburger Nautilus Verlag, bei dem ein großer Teil seines Werks in Deutschland erschien, darunter „Die mechanische Frau“ und „Der Mann im Schrank“. 1988 erschienen bei Nautilus die Titel „Weiße Nigger“ (Neuausgabe 2006), 1989 „Stalins Augen“ (Neuausgabe 2003), 1990 „San Sebastian Blues“, 1991 „Die mechanische Frau“, 1992 „Der Mann im Schrank“, 1993 „Das goldene Vakuum“ und 1995 „Der letzte Deal“. Alle übersetzt von seiner Frau Gabriele Haefs.
„Es war so schön, damals bei Nautilus zu landen, mit meinen frühen Büchern“, hatte Ingvar Ambjørnsen Nautilus noch im letzten Dezember dem Verlag geschrieben, „und es gab lustige Abende mit Lutz und Hanna und viel Wein. Aber dann war Schluss, weil den beiden „Elling“ nicht gefiel, und ich musste weiterwandern.“
Bei Nautilus ging es dennoch weiter: 2012 erschien dort mit „Den Oridongo hinauf“ erneut ein Roman. 2014 folgte „Die Nacht träumt vom Tag“, 2016 „Aus dem Feuer“ und 2019 „Echo eines Freundes“. Am 31. Juli erschien mit „Sorgen i St. Peter Ording“ sein neues Buch in Norwegen. „Wir sind froh, vor einigen Wochen entschieden zu haben, es im Frühjahr 2026 in unser Programm zu nehmen“, so der Nautilus Verlag.
Unter „Mit Elling zu Tisch“ hatte Ingvar Ambjørnsen auch immer wieder feine kleine Texte für unser Magazin beigesteuert. Kongenial übersetzt von seiner Frau, unserer Autorin Gabriele Haefs.
Ambjørnsen war langjähriger Raucher. 2009 wurde bei ihm die chronische Lungenerkrankung COPD festgestellt. Er verstarb am 19.Juli mit 69 Jahren in Norwegen. Ingvar und sein besonderer Blick für die Alltagsdinge des Lebens, auch ihre Skurrilitäten, und sein emphatischer Blick für die Außenseiter der Gesellschaft wird nicht nur uns fehlen!
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