Jens Schlünzen

Whiskyexperte, Autor

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Destillerie Isarnhoe

Gut Ding braucht Weile
13. August 2021

Die Abfahrt Schnellmark der B76 an der Eckernförder Bucht hat seit einigen Jahren für die Genießer des Nordens neben dem landschaftlichen auch einen kulinarischen Aspekt hinzugewonnen. Die Isarnhoe Destillerie, in der Gemeinde Altenhof direkt am Schnellmarker Gehölz gelegen, befindet sich fußläufig nur wenige Minuten von der waldgesäumten Steilküste entfernt und somit in erholsamer Abgeschiedenheit. Ein ideales Fleckchen, um Spirituosen in Ruhe und Gelassenheit reifen zu lassen.

Ladenansicht
Ladenansicht © Isarnhoe


Vom Schmied zum Brenner

Foto
© Isarnhoe

Ralf Stelzer, Jahrgang 1963, gelernter und langjähriger Schmied, war schon immer von der Produktion von Lebensmitteln fasziniert. Nachdem sein Interesse auch an Spirituosen gewachsen war, über die er sich in Eigenrecherche und durch Besuch von Verkostungen mehr Wissen aneignete, ergriff er 2009 die Chance, selbst in die Produktion einzusteigen. Sein Traum war es, Whisky herzustellen. Da es zu Beginn nur möglich war, eine offene Brennerei, das heißt ohne Zollverschluss, zu betreiben, konnten nur Produkte hergestellt werden, bei denen schon versteuerter Alkohol genutzt wurde. Die logische Konsequenz war, dass Ralf seine Brennanlage als alter Schmied nach seinen Vorstellungen selbst fertigte. Das Portfolio startete mit Gin, Aquavit und Obstbränden, die alle mit regionalen Zutaten gefertigt wurden. Die Produkte erfreuten sich hoher Beliebtheit, und es wurden auch verschiedene Ginrezepturen benutzt, um kleine Chargen von Sondereditionen und Eigenabfüllungen für Kunden zu gestalten. 2012 bekam Ralf Stelzer die Genehmigung für eine Verschlussbrennerei. Wieder kam ihm sein »Vorleben« als Schmied zugute, da er kurzerhand den dafür erforderlichen Zollverschluss selbst anfertigte. Der Traum vom eigenen Whisky war in greifbare Nähe gerückt. Das hauptsächlich durch den Gin eingenommene Geld wurde in Fässer und Getreide investiert. Auch beim Getreide wurde auf die Herkunft aus der Region geachtet. Die Fässer kommen zwar nicht aus der Region, aber die meist ehemaligen Weinbarriques werden in der Regel für ein Jahr mit Honigmet belegt, bevor die Whiskydestillate Einzug in die Fässer halten. Damit wird auch bei den Fässern ein norddeutscher und bisher weltweit einzigartiger Aspekt der Geschmacksgestaltung hinzugefügt.


Die Region in der Flasche

Haifischkutterraum
Haifischkutterraum © Isarnhoe

Der erste Whisky wurde aus Roggen gebrannt und erhielt den Namen »Stella Nova«. Dieser dreijährige Whisky bekam gleich einen Partner, der aus Dinkel produziert wurde. Das Feedback auf beide Whiskys bestärkte Ralf, diesen Weg weiterzugehen. Zusätzlich zu Whisky wurde jetzt auch Getreide benutzt, um den ersten eigenen Kornbrand zu kreieren, der, wie es früher üblich war, auch in Fässern reifte, und nicht, wie in der Großindustrie, nur in Stahltanks gelagert wird. Hier bei Isarnhoe wird halt ein eigener sympathischer Stil geprägt und nicht versucht, andere Produkte zu kopieren oder mit schottischem Single Malt Whisky zu konkurrieren. Sehr erfrischend und belebend für die Whisky- und Spirituosenwelt. Ein immer vielfältigeres Interesse der Konsumenten spielt Ralf Stelzer in die Hände und sorgt dafür, dass auch regional neue Produkte hergestellt werden, die aus anderen Ländern und Kulturen schon bekannt sind. So wird in Altenhof zum Beispiel seit einigen Jahren mit Melasse gearbeitet und Rum destilliert. Dabei werden ebenfalls schon benutzte Fässer wiederverwendet. Ein ehemaliges Whiskyfass aus Schottland hat dabei den wohl bisher spektakulärsten Weg beschritten. Zuerst mit Gin gefüllt, hatte es den »Küfers Gin« zur Folge, der leicht torfige Aromen des schottischen Whiskys beinhaltet, wurde dann mit Rumdestillat belegt, um eine Sonderabfüllung zur Erhaltung des Haikutters »Lisa« auf den Markt zu bringen. Das dann entleerte Fass könnte nur kurz verschnaufen und wurde mit Roggenwhisky der Destillerie gefüllt, der schon in anderen Whiskyfässern reifte. Das Ergebnis dieser Vermählung wird dann im Herbst 2021 auf die Welt kommen. Seit dem Erwerb einer neuen, größeren zusätzlichen Brennanlage im ersten Quartal 2020 kann Ralf Stelzer die Ginproduktion von der Getreidebrand- und Rumproduktion trennen. Die alte Anlage dient dabei weiterhin für Gin, den eigenen »Sereh« genauso wie für Fremdprodukte, die in Auftrag hergestellt werden. Nach jetzt doch einer Weile fruchtiger Enthaltsamkeit sollen auch wieder Obstbrände destilliert werden. Man sieht, es dreht sich viel in dem kleinen beschaulichen Schnellmark. Und das ganz ohne Hast in aller Ruhe, denn gut Ding braucht Weile!

Produkte
Produkte © Isarnhoe

Isarnhoe Destillerie
Schnellmark 16
24340 Altenhof
http://www.destillerie-altenhof.de

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