Jens Mecklenburg

Herausgeber & Autor

Zum Portrait

Irish Restaurant Awards – Gut essen im irischen Pub

10. Juli 2026
(c) Clare

Es ist einer der Lieblings-Fakten der Irinnen und Iren, dass es eigentlich kaum irgendwo auf der Welt einen Ort gibt, an dem man nicht im Radius von wenigen Kilometern ein Irish Pub findet. Tatsache ist aber auch, dass die Pubkultur auf der Insel selbst etwas ganz Besonderes ist. Das macht sich nicht nur durch die vielen Traditionsgetränke von Stout bis Whiskey bemerkbar, sondern auch durch diverse kulinarische Klassiker. Die sorgen zwischen uriger Tradition und Spitzenküche inzwischen nicht selten dafür, dass die irische Insel unter Europas Foodie-Destinationen problemlos mithalten kann.

Das demonstrieren besonders auch die Pubs, die sich jedes Frühjahr bei den Irish Restaurant Awards durchsetzen. Dabei wird für jede der vier Provinzen (Ulster im Norden, Munster im Süden, Leinster im Osten und Connacht im Westen) der Insel ein Sieger gekürt, wobei die Auszeichnung für Pubs in gleich zwei Kategorien vergeben wird. Neben den Gastropubs des Jahres werden auch Pubs ohne Küche ausgezeichnet, etwa wegen einer besonderen Bierauswahl oder herausragendem Ambiente.

(c) Clare

Unter den für 2026 für ihr Pubfood ausgezeichneten Häusern hat sich als inselweiter Sieger in diesem Jahr Coyne’s Gastropub & Pantry in Kilkieran in Connemara (County Galway) durchgesetzt. Die Besonderheit hier ist nicht nur die Lage in einem kleinen Ort, sondern auch ein angeschlossener Lebensmittelladen, in dem man auch regionale Produkte für zu Hause kaufen kann. Als bester Pub der Provinz Leinster im Osten der Insel führt in diesem Jahr das Left Bank in Kilkenny das Ranking an, dazu erhielt auch für Dublin Ryan’s Victorian Bar eine Auszeichnung für seine Küche. Für den Südosten und Nordirland wurden in diesem Jahr Pubs in direkter Nähe zu Großstädten ausgezeichnet. Der Gewinner in der Provinz Munster ist Merrys Gastro Pub in Dungarvan bei Waterford. Der laut Ranking beliebteste Gastropub in Ulster liegt mit The Dirty Duck knapp außerhalb von Belfast im Vorort Holywood.

Dass das typisch irische Pubfood deutlich besser ist als sein Ruf, beweisen nicht nur diese Adressen, sondern auch etliche weitere Pubs auf der Insel, in größeren Städten genau wie auf dem Land. Einem Klischee entspricht die klassisch irische Küche dann aber doch. Ihre Klassiker greifen nicht nur häufig auf Kartoffeln als eine der Hauptzutaten zurück, sondern auch auf viel frisches Fleisch und Fisch von der Insel. So ziemlich auf jeder Speisekarte zu finden sind etwa Beef Pies oder Stews oder Lammgerichte, die traditionell meist mit Kartoffelpüree serviert werden. Dazu kommen je nach Region auch noch weitere Spezialitäten wie der für Dublin typische Eintopf Coddle mit Schweinswürsten dazu. Ebenfalls beliebter Pub-Klassiker ist Colcannon, eine besondere Kartoffelzubereitung mit Weißkohl, der häufig als Beilage zu Fleischgerichten, etwa zu Bacon, gegessen wird. Bei der Zubereitung von Fisch gibt es neben dem Klassiker Fish & Chips auch immer mehr leichtere Kreationen.

Es gibt jedoch immer mehr Pubs, die auch vegetarische und vegane Alternativen anbieten. Ein gutes Beispiel dafür ist der Pub The Paddocks in Clonee nordwestlich der Hauptstadt Dublin. Auf dem veganen Teil der Speisekarte stehen hier ein Sunday Roast auf Saitan-Basis sowie der irische Fastfood-Klassiker Spice Bag in Veggie-Variante.  

Auch dass einige Pub-Betreiber und Küchenchefs in Richtung Fine Dining experimentieren ist schon mehrfach mit Auszeichnungen belohnt worden. Zu den Pubs, die besonders für ihre kreative Küche gelobt werden, gleichzeitig aber auch den irischen Kulinariktraditionen treu bleiben, sind etwa The Bulman in Kinsale (County Cork), oder das auf Seafood spezialisierte Moran’s Oyster Cottage in Kilgolgan (County Galway).   

Tipps am Rand zwischen Nord und Süd

Vor allem wenn man einen Blick auf Irlands gesamte Pub-Landschaft wirft, also auch all jene Häuser einbezieht, die nur auf Barbetrieb und Livemusik setzen, hat Irland auch einige Rekorde zu bieten. Da gibt es mit Sean’s Bar in Athlone etwa Irlands ältestes Pub und mit dem Gastropub Hole in the Wall in Dublin sogar das längste Pub-Gebäude Europas. Zusätzlich bewerben sich mehrere Pubs auch aufgrund besonderer geografischer Gegebenheiten. So gibt es unter Irlands Pub-Rekorden nicht nur den nördlichsten (Farren’s Bar, Malin Head, Co. Donegal) und westlichsten (Gielty’s Bar, Achill Island, Co. Mayo), der südlichste und östlichste ist dabei nicht ganz eindeutig definiert, liegt aber in den Countys Cork bzw Wicklow oder Wexford. Eindeutiger ist dagegen der höchstgelegene Pub. The Ponderosa liegt auf dem Glenshane Pass im County Derry~Londonderry.

(c) Dublin Tourism

Hintergrund

Die Irish Restaurant Awards wurden erstmals im Jahr 2010 verliehen und zeichnen jährlich einige der besten und innovativsten Restaurantkonzepte der ganzen Insel aus. Ausgewählt werden sie durch eine Kombination aus mehreren Bewertungsformen, darunter Urteile von Kulinarik- und Industrieexperten sowie eine öffentliche Abstimmung, bei der auch Gäste zu ihren Favoriten befragt werden. In jeder Kategorie wird für jede der vier Provinzen sowie zusätzlich für die Hauptstadt Dublin ein Gewinner bekanntgegeben. Aus den Spitzenreitern wird dann zusätzlich noch das am besten bewertete gastronomische Angebot ermittelt. Zu den Kategorien gehören neben Pubs und Gastropubs auch die besten Newcomer und Fine-Dining-Konzepte sowie Favoriten in Sachen internationaler Küche.  

Mehr Irland-Kulinarik