Gabriele Haefs

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Wer war St. Brigid – die Schutzheilige Irlands?

Eine Spurensuche
14. Februar 2026

Am 1. Februar ist der Tag von St. Brigid, der Schutzheiligen Irlands. Dieser Tag wird in Irland allerdings nicht so heftig gefeiert wie der ihres Amtskollegen St. Patrick, es gibt keine Paraden und keine landesweiten Besäufnisse. Das hat zweifellos viele Gründe, und einer der wichtigsten ist wohl, dass über diese Heilige eigentlich sehr wenig bekannt ist. Sie hat nicht, wie Patrick, Bücher geschrieben oder sich mit früheren Schandtaten wichtig gemacht, und Brigid war schon im frühen Mittelalter in Irland ein sehr häufiger Name: Es gibt mehrere heilige Brigids, und wie die auseinandergehalten werden können, darüber streiten sich die Gelehrten seit Jahrhunderten.

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Aus Legenden und (wenigen) schriftlichen Quellen aus dem Mittelalter ergibt sich so ungefähr dieses Bild:

Brigid war (anders, als etliche andere irische Heilige) nicht von vornehmer Geburt. Ihre Mutter war eine Sklavin, ihr Vater der Besitzer dieser Mutter, ein gewisser Dubhthach, der mit dem Christentum nichts zu tun haben wollte. Brigids Mutter dagegen fühlte sich zum Christentum hingezogen, erzog ihre Tochter in diesem Glauben, und Dubhthach machte offenbar keine Probleme, als Brigid ins Kloster gehen wollte. Das klingt ziemlich unglaublich, aber so wird es nun mal überliefert. Sie trat also in ein Kloster in Ardagh im County Longford ein (wo angeblich St. Patrick bisweilen predigte und Taufen abhielt), hatte aber Heimweh und kehrte zurück in das damalige Königreich Leinster. Der dortige König schenkte ihr ein Stück Land, und darauf gründete sie eine Klostergemeinschaft. Die dazugehörige Kirche nannte sie Cill Dara, Eichenkirche, weshalb sie heute vor allem bekannt ist als Brigid von Kildare (die englische Form dieses Ortsnamens). Ihre Klosterschwestern widmeten sich vor allem der Krankenpflege, und klar, nebenbei predigten sie die christliche Lehre.

So ungefähr jedes irische Haus, das auf sich hält, hat irgendwo ein sogenanntes Brigidskreuz hängen. Der Legende nach pflegte Brigid einst einen sterbenden Häuptling, und als der einmal eingeschlafen war, flocht sie aus Binsen, die sie vom Fußboden aufgelesen hatte, ein Kreuz. Der Häuptling erwachte, fragte, was das denn sei, und sie erklärte ihm anhand des Kreuzes die Lehre Jesu, was den Mann so beeindruckte, dass er sich auf dem Sterbebett noch schnell bekehrte. Das ist wie gesagt eine Legende, und die wie üblich spielverderberischen Gelehrten führen das Brigittenkreuz (wie bisweilen auch genannt wird) und viel frühere keltische Symbolik zurück – die vier Spitzen des Kreuzes sollen die aus den vier Himmelsrichtungen nahenden bösen Geister vertreiben!

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Denn Brigid war vermutlich der Name einer vorchristlichen Frühlingsgöttin, deren Tag am 1. Februar begangen wurde, dem Frühlingsanfang des alten keltischen Kalenders. Der Name „Brigid“ ist verwandt mit Wörtern aus alten indogermanischen Sprachen, die allesamt etwas mit Licht und Strahlen zu tun haben – das englische „bright“, also hell, ist ein später Nachfahre dieses Wortes. Es war bestimmt leicht, die Erinnerungen an eine Göttin des Lichtes mit den Legenden zusammenzubringen, die in Irland über die Wunderheilerin von Cill Dara erzählt wurden. Zu allem Überfluss war Brigid schon zu Lebzeiten unserer Brigid (ihr Geburtsdatum ist nicht bekannt, wohl aber, dass sie 524 starb) in Irland ein häufiger Name, und es gab noch andere Frauen dieses Namens, die sich für den neuen Glauben engagierten. Das im renommierten Mercier Verlag in der irischen Hafenstadt Cork (die unter dem Schutz des heiligen Finbarr steht, über den wir ein andermal berichten werden) erschienene Book of Irish Saints nennt sieben weitere Brigids, was uns aber auch nicht viel weiterhilft. Gleich bei der ersten, deren Fest am 4. Januar begangen wird, lesen wir, dass es sich um eine Jungfrau und Märtyrin handelt, über die sonst nichts bekannt ist. Das gilt auch für Brigid und Maura, Schwestern, derer wir am 14. Januar gedenken, ebenfalls Jungfrauen und Märtyrinnen, über die sonst nichts bekannt ist. Am 13. 7. Können wir abermals Brigids und Mauras gedenken, Zwillinge, die zusammen mit ihrem Bruder Espian ins Kloster gingen, dann machten sie sich auf Wallfahrt ins Heilige Land und wurden auf der Rückreise in Frankreich von Wegelagerern überfallen. Die Schwestern wurden vergewaltigt (sind also zwar Märtyrinnen, aber keine Jungfrauen, die schöne Theorie, dass sie mit denen vom 14. Januar identisch sind, ist damit hinfällig) und umgebracht, Espian wurde gleich erschlagen. Wieso wurde Bruder Espian nicht auch heiliggesprochen, fragen wir uns besorgt, aber dann wir finden ihn in einem spanischen Heiligenkalender. Das ist beruhigend, hilft aber in der Brigid-Frage nicht weiter. Neben weiteren Brigids, über die nichts weiter bekannt ist, finden wir am 21. 1. Brigid aus Kilbride, die vielleicht mit Brigid aus Kildare verwechselt werden kann – läge doch nahe, leider ist auch über sie nichts weiter bekannt. Immerhin gibt es am 30. 9. einen weiteren einer Brigid von Kilbride gewidmeten Feiertag, es ist allerdings unklar, ob es sich bei den beiden Brigids von Kilbride um dieselbe handelt, die aus unerfindlichen Gründen zwei Feiertage bekommen hat. Wir lesen des Weiteren, dass die eigentliche Brigid, um die es uns hier geht, mit einem gewissen St. Colman zusammengearbeitet hat, den man nicht mit St. Colman aus Cloyne verwechseln sollte. Was wir natürlich niemals getan hätten, aber die Suche nach Brigids Colman führt in eine Sackgasse. Die irischen Heiligenlisten führen über 120 Colmans, die man allesamt nicht miteinander verwechseln sollte, und hier gibt die Forscherin auf.

Widmen wir uns wieder der Haupt-Brigid. Es gibt zwar keine landesweiten Feiern wie für Patrick, aber es gibt viele lokale kleinere Feste, in den letzten Jahren auch zusehends Festivals, die dann oft der Kunst von Frauen und der Erinnerung an weitere bedeutende Frauen des Mittelalters gewidmet sind. Und es gibt kleine Wallfahrten, denn nach Brigid, der Wunderheilerin, sind in Irland etliche Quellen benannt, deren Wasser allerlei Krankheiten heilt, vor allem Augenkrankheiten werden hier genannt. Allerdings gilt sie als Schutzpatronin vieler Dinge, nämlich Poesie, Gelehrsamkeit, Heilkunst, Schmiedekunst, Vieh und Milchproduktion. Bei Problemen in irgendeiner dieser Sparten empfiehlt sich also eine Pilgerfahrt zu einer dieser Quellen. Irische Quellen sind vage, es gibt „mindestens 25 Brigid geweihte Quellen“, heißt es da immer wieder.

Ein Blick auf eine Landkarte zum Thema zeigt, dass die Quellen offenbar in Gruppen auftreten, aber die Karte ist auch nicht vollständig. Auf der kleinen Insel Insel Oileán Chléirevor der irischen Südküste gibt es zum Beispiel so eine Quelle, die auf keiner Landkarte verzeichnet ist, aber die Inselbevölkerung schwört auf die Heilkraft des auf Augenkrankheiten spezialisierten Quellwassers. Das übrigens gar nicht schlecht schmeckt, ein bisschen würzig irgendwie, und nach Eisen.

Das ist also eine kurze Einführung in die Brigid-Forschung. Wir sehen schon, man könnte dicke Bücher darüber schreiben (und die Sache mit den hundertzwanzig Colmans muss ja auch noch geklärt werden). Im Mittelalter gab es übrigens überall in Europa der heiligen Brigid geweihte Kirchen. Irische Mönche, die überall das Christentum verbreiteten, erzählten von dieser wundertätigen Frau, und so gelangte Brigid auch außerhalb Irlands zu Ruhm, der allerdings nicht bis in die Neuzeit überlebte. Ein bedeutendes Zeugnis romanischer Baukunst war offenbar die zu Beginn des 12. Jahrhunderts erbaute Kirche St. Brigida in Köln. Wie sie ausgesehen hat, wissen wir allerdings nur von einigen alten Holzschnitten. Danach sah der Turm von St. Brigiden fast aus wie der berühmte Rundturm des Klosters von Kildare! 1802 wurde die Kirche auf Anordnung der französischen Besatzungstruppen abgerissen. Ein Mosaik, das lachende Kühe zeigt (deren Schutzpatronin sie ja ist), wurde später bei Ausgrabungen entdeckt und ist heute in der Kölner Pfarrkirche Groß-St. Martin zu sehen.

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Karte über die Brigidsquellen

Mehr über die Heilige Brigid