Anette Hollenbach

Imkerin & Autorin

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Honig: Speise der Götter

Summ summ summ – Folge 9
18. Juli 2019

Bekanntermaßen waren die alten Ägypter anderen Völkern ihrer Zeit um einiges voraus – das war bei der Honigernte nicht anders. Ganz enthusiastisch wurden Bienenvölker gezüchtet, um deren Honig ihren Gottheiten zu opfern. Honig war die „Speise der Götter ”. Aber man konnte mit Honig auch Esel und Rind bezahlen. 

Wenn wir einfach so einen Tropfen Honig in unseren Tee vom Löffel laufen lassen, hat vorher eine Honigbiene ihr Leben lang dafür “geschuftet”. Ganze 7 g Nektar wandelt nämlich eine Nektarsammlerin in ihrem kurzen Bienenleben in flüssiges Gold um. Und nur 45 mg Nektar kann eine Außendienstlerin pro Ausflug nach Hause tragen.

Der Honig und seine geheimnisvolle Herstellung faszinierten uns Menschen schon seit Urzeiten. Seine scheinbare Entstehung aus dem Nichts machte ihn für viele Kulturen zu einer Göttergabe und er hatte neben seiner Verwendung als Nahrungs- und Süßungsmittel auch immer eine religiöse und mystische Bedeutung.


Honig – Geschichte und Herkunft

Bienen fliegen seit ca. 35 Millionen Jahren auf unserem Planeten herum. Honig wurde von uns Menschen allerdings erst in der Steinzeit als Nahrungsmittel entdeckt. Damals schon hat man schlauerweise ein Feuerchen gemacht, um die Bienen ein wenig chilliger werden zu lassen. Die Tiere verbinden Rauchentwicklung mit einem Waldbrand und dem Verlust ihrer Behausung. Es wird sich also sofort der Honigmagen vollgeschlagen für den Fall, dass sich ein neues Zuhause gesucht werden muss. Die Tiere sind dann ein wenig gleichgültig nach der üppigen Mahlzeit. Honig konnte so ein wenig entspannter geerntet werden, ohne dass alle Waben zerstört und das Bienenvolk getötet werden musste. Also, nichts ohne meinen Smoker. Wir Imker haben ihn immer im Einsatz, wenn wir an den Bienen arbeiten.

Smoker. Foto: Hofbienerie

Die weisen Ägypter

Bekanntermaßen waren ja die alten Ägypter vielen anderen Völkern um einiges voraus – das war bei der Honigernte nicht anders. Ganz enthusiastisch wurden Bienenvölker gezüchtet, um deren Honig ihren Gottheiten zu opfern. Honig war im alten Ägypten die „Speise der Götter ” und galt als “lebendig gewordene Tränen” des Sonnengottes Ra.
Bei den Pharaonen war Honig ein begehrtes Handelsgut und Zahlungsmittel. Ein Esels oder Rind wurde mit einem Topf Honig bezahlt.
Beamte unter Ramses II. bekamen tatsächlich ein Teil ihres Gehaltes in Honig ausgezahlt.
Bijti – die Biene, symbolisierte Gemeinschaft, Zusammenarbeit und Fruchtbarkeit.

Die schlauen Ägypter betrieben die Imkerei mit wissenschaftlicher Genauigkeit. Sie erkannten den Zusammenhang zwischen Honig- und Wachsproduktion und die gleichzeitige Ertragssteigerung bei den Obstbauern. Sie brachten ihre Bienenstöcke in Gegenden mit intensiver landwirtschaftlicher Nutzung. Die Bienenstöcke wurden seefest gemacht und auf dem Nil transportiert, wie auch heute noch.

Die Biene war ein wichtiges Symbol für die als Götter verehrten Pharaonen. Das Bienensymbol wurde zur Königshieroglyphe und schmückte u.a. das Siegel der Königin Hatschepsut.

Doping schon damals

Die Bienen als Vögel der Musen? Ja, die Griechen gaben ihnen diesen Namen.
Die Honigbiene galt auch hier als Bote der Götter und Zeus trug den Beinamen „Bienenkönig“. Honig bedeutete bei den Griechen Weisheit, Beredsamkeit und Dichtkunst.

Das flüssige Gold war Schönheits- und Heilmittel. Hippokrates  verordnete Honig bei Fieber, Verletzungen, Geschwüren und eiternden Wunden. Olympische Athleten tranken Honigwasser um noch fitter zu werden. Die Griechen setzten sich auch erstmals theoretisch-wissenschaftlich mit den Bienen, ihrer Staatenbildung und der Honiggewinnung auseinander. Bereits um 600 v. Chr. gab es eine entwickelte und gesetzlich geregelte Imkerei in Griechenland. Aristoteles (384 bis 322 v. Chr.) verfasste damals schon das erste Fachbuch über die Bienenzucht.

Foto: Hofbienerie


Die Bienensklaven

Bei den Römern war die Bienenzucht weit verbreitet und das Wissen um die Imkerei zählte zur Allgemeinbildung. Die Profite waren so hoch, dass sich jeder römische Gutsherr wenigstens einen Bienensklaven hielt, der sich hundertfach stechen lassen musste, um seinem Herrn den Honig zu liefern.


Die Zeidler unter den Germanen

Im Mittelalter wurde aus dem Honigernten ein richtiger Beruf und die Berufsbezeichnung war Zeidler. Seine Businessklamotten waren sehr casual. Da  wurden Lederjacken und eng anliegende Hosen aus dickem Wollstoff getragen. Das Gesicht mit breitrandigen Hüten und einem Schleier aus handgeflochtenem Pferdehaar geschützt. Grüne Leinenjacke als Symbol für den Wald und eine gelbe Bundhose, symbolisch für den Honig, so ging es zu besonderes Events.
Organisiert in privilegierten Zünften lieferten die hoch angesehenen Zeidler damals kostbaren Honig und Bienenwachs für Kerzen. Die beweglichen Holzrähmchen, mit denen ich meine Bienen heute noch ausstatte und das Honigschleudern, revolutionierte  die Honiggewinnung dann endgültig.

Foto: Hofbienerie

Auch die Germanen verehrten den Honig als Götterspeise. Odin, der germanische Göttervater verdankte dem Honig seine Unsterblichkeit, Kraft und Weisheit. Untertanen mussten einen Teil ihrer Abgaben als Honigzins entrichten. Adlige verwendeten den Honig als Ehrengabe für ihr Gefolge und Honigwein floss in rauen Mengen. Ohne Met (Honigwein) wurde kein Fest gefeiert und kein Held nach Walhalla geleitet.

Durch einen Erlass Karls des Großen bekam die Zeidlerei erneuten Aufschwung: Er befahl, dass jeder Gutshof einen Imker und einen Metbauern, also einen Hersteller von Met, haben müsse. Gesetze zum Schutz der Imkerei wurden auf den Weg geben. Klar waren auch Priester und Mönche Feuer und Flamme was die Bienenzucht betraf, denn die Bienen lieferten schließlich das Wachs für die Kerzen.

Lange Zeit war Honig das einzige Süßungsmittel der Menschen. Zucker aus Zuckerrohr kam erst im späten Mittelalter zu uns und wurde aufgrund seines horrenden Preises zur Luxusware. Erst im 19. Jahrhundert gelang es Zucker aus Zuckerrüben herzustellen. Damit trat er seinen Siegeszug an und löste allmählich den Honig als Süßungsmittel ab.

Mit der Produktion von Kunstwachsen im 20. Jahrhundert war der wirtschaftliche Niedergang der Imkerei nicht mehr aufzuhalten. Allerdings entdeckten inzwischen auch Bienenforscher, wie groß die Bestäubungsleistung der Bienen ist.

Und wie war noch gleich der Leitsatz der römischen Ärzte? „Esst Honig und ihr bleibst gesund“.  

Foto: Hofbienerie

Hofbienerie Anette Hollenbach

www.hofbienerie.de

 

Filmtipp

Zeidler-Honig: Bienen in Baumhöhlen