Jens Schlünzen

Whiskyexperte, Autor

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Ehemalige Whisky-Hochburg Campbeltown

Springbank: Von Tradition und Innovation
27. März 2026
© Jens Schlünzen

Campbeltown ist leider nicht jedem Whiskytrinker bekannt, sollte es aber sein. Schließlich war diese Stadt im Süden der Halbinsel Kintyre die Whiskymetropole der Welt des 19. Jahrhunderts. 35 Destillerien gab es dort insgesamt, von denen nur noch Glen Scotia und Springbank übriggeblieben sind. Auch Glengyle wurde im Jahr 2000 wiederbelebt und destilliert seit 2004 den Whisky »Kilkerran«. Das große Destilleriesterben in Campbeltown Anfang des 20. Jahrhunderts resultierte hauptsächlich daraus, dass die kräftigen, sehr torfigen Whiskys aus der Stadt nicht mehr nachgefragt wurden und schon leichtere Malts und Blends den Markt eroberten. Glen Scotia und Springbank haben es aber geschafft, sich anzupassen und ihren Malt mit weniger Torf herzustellen. Springbank gilt es nun näher zu betrachten, da sie die einzige Destillerie in Schottland ist, die 100 Prozent der Produktion selbst macht. Vom Mälzen des Getreides bis zur Abfüllung in Flaschen wird alles vor Ort betrieben. 1828 von William Reid, einem angeheirateten Mitglied der Familie Mitchell, gegründet, wurde die Brennerei 1837 von John und William Mitchell gekauft. Im Jahr 1897 erhielt das Unternehmen die bis heute gültige Rechts form J. & A. Mitchell & Co. Ltd. Auch Springbank hatte zu den schweren Zeiten für Malt Whisky Probleme und wurde geschlossen. Von 1926 bis 1935 und 1982 bis 1988 war dies der Fall. Andere Destillerien in Schottland schlossen in den 1980er Jahren für immer die Tore.

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So schmeckte der Whisky früher

Aber Springbank kam immer wieder auf die Füße. Nicht aus nur innovativen, sondern eher aus traditionellen Gründen sind zwei neuere Marken der Destillerie im Programm. 1973 wurde bei Springbank der »Longrow« zum ersten Mal hergestellt – in Erinnerung an die gleichnamige Destillerie, die 1896 ihre Pforten für immer schließen musste. Zweifach destilliert und mit stark torfigem Malz, vermittelt dieser Malt seitdem den Eindruck, wie Campbeltown-Whisky früher geschmeckt hat. Der Springbank selbst ist leicht torfig und zweieinhalbfach gebrannt, das heißt, ein Teil der zweiten Destillation wird mit einem Teil der ersten zusammengefügt und in der dritten Brennblase zusammen destilliert. Da man bei Springbank über drei Pot Stills verfügte, war es eigentlich logisch, dass man als dritten Brand der Firma seit 1997 den dreifach destillierten ungetorften Whisky »Hazelburn« produziert. Auch dieser Whisky erinnert an eine hundert Jahre in Betrieb gewesene, 1925 geschlossene Brennerei der Stadt.

Die Wiege des japanischen Whiskys

Noch fünf Jahre vor der Schließung begab sich ein junger japanischer Chemiestudent der Universität Glasgow in die Obhut des damaligen Managers Peter Innes und absolvierte das längste seiner drei Praktika in schottischen Destillerien bei Hazelburn. Masataka Taketsuru wollte westliche Spirituosen kennenlernen und das Portfolio der Firma seiner Sake herstellenden Familie bereichern. Mit dem neuerlernten Wissen über Whisky und einer schottischen Ehefrau half er zunächst die Yamazaki-Destillerie für Suntory zu gründen, bevor er 1940 seine eigene Nikka-Brennerei Yoichi errichtete. Somit liegt die Wiege der japanischen Whiskyherstellung zu einem großen Teil in Campbeltown. Longrow und Hazelburn waren für Springbank aber nicht genug der Ergänzungen, und die alte, damals in der Familie Mitchell befindliche Destillerie Glengyle wurde von Hedley Wright, einem Nachfahren des Gründers William Mitchell, wiederaufgebaut. Der Name »Glengyle« war im Laufe der Jahre leider schon vergeben an einen Blended Malt Whisky aus dem Hause Loch Lomond. Mit dem neuen Namen des Glengyle-Whiskys »Kilkerran« wurde der alte Name Campbeltowns, »Kinlochkilker ran«, wieder in Erinnerung gerufen.

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Geringe Produktion, große Vielfalt

Da Springbank und Glengyle von den gleichen Arbeitern betrieben werden, ist die Jahresproduktion der einzelnen Brennereien recht gering für schottische Verhältnisse. Bei Springbank gehen von der Produktionsmenge von momentan knapp 280.000 Litern nochmal je 10 Prozent an Longrow und Hazelburn. Glengyle schafft über 90.000 Liter im Jahr. Davon entfallen ca. 20 Prozent auf eine Heavily-Peated-Variante. Trotz der geringen Produktionsmenge schafft es Springbank, immer wieder neue, aber auch sehr limitierte Abfüllungen zu kreieren wie zum Beispiel einen »Local Barley«, bei dem die Gerste nur aus der unmittelbaren Umgebung kommt, einen »Longrow Red« aus ehemaligen Rotweinfässern, einen »Springbank Green« aus Biogerste und natürlich verschiedene Einzelfassabfüllungen. Seit einigen Jahren gibt es die Springbank Society, für die immer spezielle Abfüllungen verfügbar sind. Man kann bei Springbank auch selbst Hand anlegen und in der Whisky School alle Prozesse der Whiskyherstellung in einem fünftägigen Kursus selbst erfahren. Wenn man in dieser einstigen Hochburg der Whiskyherstellung steht und die teilweise immer noch verlassenen Gebäude ehemaliger Destille rien sieht, wird klar, dass der Whisky gar nicht anders schmecken kann und auch nicht sollte. Der 10-jährige Springbank ist ein Whisky, den jeder Whiskytrinker probiert haben muss, aber unser Favorit ist der 15-jährige, der einen höheren Anteil aus Sherryfässern besitzt. Einen Lieblingswhisky von Springbank zu haben ist aber nicht einfach, da auch die Standards nicht ganzjährig verfügbar sind. Das aktuelle Portfolio beinhaltet: Springbank 10 yo, Springbank 12 yo Cask Strength, Springbank 15 yo, Hazelburn 10 yo, Longrow Peated. Alle anderen Abfüllungen sind immer nur sehr limitiert und somit sehr kurz verfügbar.

Springbank Distillers
Ltd 9 Bolgam Street
Campbeltown Argyll
PA28 6HZ
Schottland www.springbank.scot