
Ein Beitrag von Jutta Schneider-Rapp, Ökonsult
Besonders auf nassen Weiden grasen bei uns vermehrt Wasserbüffel. Die robusten Verwandten unserer Rinder arbeiten oft als Landschaftspfleger auf Flächen an Fluss und Meer oder im Moor. Wasserbüffel liefern uns aber auch fettarmes Fleisch oder Milch für Büffel-Mozzarella. Jutta Schneider-Rapp hat einen Wasserbüffelbetrieb in Schleswig-Holstein besucht.

Was sind Wasserbüffel?
Der Wasserbüffel ist eine weit verbreitete Art der asiatischen Büffel und gehört zur Familie der Rinder. Von Südostasien bis Südeuropa und Afrika werden die asiatischen Wasserbüffel als Haustiere gehalten. Im Unterschied zu Bisons haben Wasserbüffel längere Hörner und keinen Buckel. Vor langer Zeit gab es aber auch Wasserbüffel in unseren Breiten. Der Züchter Willi Wolf hat Tiere in Deutschland und Rumänien aufgespürt und auf die Schwäbischen Alb zurückgebracht.
Warum Wasserbüffel halten?
Typisches Kennzeichen: lange, gebogene Hörner. Die tragen Bullen und Kühe! Foto: Jutta Schneider-Rapp
Schwarz, stämmig und stark behornt – was läuft denn da? Auf dem Biohof Ellerneff bei Eckernförde leben 32 Wasserbüffel auf großzügigen 50 Hektar Grünland: eine Jungviehherde und eine Mutterkuhherde samt Zuchtbullen.
Ursprünglich wollte Nebenerwerbslandwirt Björn Ortmanns eine extensive Rinderhaltung mit Angus-Rindern betreiben. Aber in seiner Heimat nahe der Ostsee gab es nur nasse, zeitweise überschwemmte Flächen zu pachten. „Da Tiere und Flächen zusammenpassen müssen, habe ich mich für Wasserbüffel entschieden“, erklärt Agraringenieur Ortmanns. Die sind mit ihren breiten Füßen bzw. Klauen auf den matschigen Feuchtwiesen viel trittsicherer als Kuh und Co. Der Landwirt selbst muss ebenfalls geländegängig sein, um nicht im Schlamm zu versinken. Ohne Gummistiefel läuft nichts.
Wie Wasserbüffel halten?

Grundsätzlich gelten für die ökologische Haltung von Wasserbüffeln die gleichen Bio-Richtlinien wie für Rinder. Das heißt: Weidehaltung ist im Sommerhalbjahr Pflicht. Die robusten Tiere könnten aber auch das ganze Jahr draußen bleiben. Auf dem Biohof Ellerneff stehen sie den Winter über im Laufstall, da die meernahen Flächen dann unter Wasser stehen. Als Futter bekommen sie Bio-Heu von den eigenen Wiesen, aber kein Kraftfutter. „Da verfetten sie nur“, so Ortmanns. Außerdem sei das Zufüttern auf den mageren Naturschutzflächen nicht erlaubt. Bis auf Büffelmist sollen keine weiteren Nährstoffe auf die Weiden kommen.
Denn nur auf nährstoffarmen Flächen haben seltene Pflanzen eine Chance hochzukommen. Auf gut gedüngten Flächen setzen sich wenige schnellwachsende Gräser und Kräuter wie Löwenzahn durch.
Wie mit Wasserbüffeln umgehen?

Wasserbüffel haben tendenziell ein sanftes Gemüt und ein soziales Wesen. Der gelernte Landwirt Ortmanns geht zusätzlich auf Nummer sicher: zur Zucht wählt er seine umgänglichsten Kühe aus. Die dürfen dann lange bleiben. Seine Lieblingskuh Stella zählt schon 14 Jahre. Die männlichen Jungtiere lässt er mit sechs bis acht Monaten kastrieren.
Wenn Kinder auf den Hof kommen, müssen die Tiere friedlich sein.
Das Handling braucht Geduld. Büffel lassen sich nicht wie Kühe treiben. Auch Anlocken ist schwer. Bisher hat Björn Ortmanns noch kein Leckerli gefunden, das wirklich wirkt. Um die Tiere auf eine andere Weide oder in den Stall zu bringen, arbeitet er mit Litzen und Gittern, die er immer enger zieht, bis die Büffel auf einen Hänger gehen. So ein Umzug kann schon einmal einen Tag dauern.
Wozu Wasserbüffel halten?
Noch sind die schwarzen Büffel Exoten auf unseren Weiden. Beispielsweise gibt es bei Bioland nur rund zehn Halter. „Bei einigen Bioland-Betrieben spielen Wasserbüffel eine zunehmend wichtige Rolle, jedoch weniger mit dem primären Ziel der wirtschaftlichen Nutzung, sondern als Teil von Naturschutz- und Landschaftspflegekonzepten“, erklärt Susanne Rihm von der Pressestelle. Im Klartext: Wer mit Wasserbüffeln Naturschutz- oder Wasserrückhalteflächen erhält, bekommt Prämien dafür.
Die robusten Tiere fressen und verwerten vieles, was andere Rinder links liegen lassen: Brennnesseln und stachelige Sträucher wie Weißdorn und Hagebutten. Auf den Feuchtwiesen in Überschwemmungsgebieten halten sie die harten Pflanzen, wie Seggen und Schilf kurz. Ein weiteres Büffelplus: Parasiten wie Leberegel, die Rinder und Schafe auf feuchten Weiden plagen, machen ihnen nichts aus.
Wasserbüffel als Klimakühe

Ohne die Beweidung würden sich die Flächen verbuschen oder zum Wald entwickeln. Sukzession heißt das bei Naturschutzexpertinnen und -experten. Viele Pflanzen- und Tierarten benötigen aber offene Feuchtwiesen und Moore. So wachsen auf der Jungviehweide von Biohof Ellerneff Wiesenschaumkraut, Kuckuckslichtnelke und vier verschiedene Hahnenfußarten. Bedrohte Wiesenvögel wie die Bekassinen finden hier noch Futter und Brutplätze.
Wasserbüffel betreiben aber nicht nur Natur-, sondern auch Klimaschutz. Denn Moore und feuchte Weiden speichern mehr Kohlendioxid als trockenes Grünland und sogar Wälder.
Wasserbüffel schlachten
Wasserbüffel brauchen etwa drei Jahre, bis sie schlachtreif sind. Ein Jahr länger als andere Rinder. Björn Ortmanns bringt seine Tiere selbst zu einem Schlachter in der Region. Nur wenige Metzgereien verarbeiten Wasserbüffel. Die dicke Schädeldecke der kräftigen Tiere verlangt nach einem speziellen Bolzenschussgerät, um die Tiere zu betäuben. Eine Alternative wäre der Weideschuss. Doch der sei in der Region noch nicht erlaubt.
Wie schmeckt Wasserbüffel-Fleisch?
Das Schlachtgewicht (ohne Innereien und Blut) beträgt 280 bis 300 Kilogramm. Die Fleischausbeute ist durch Verluste beim Entfernen der Knochen und Schneiden der Fleischteile (Feinzerlegung) geringer als bei anderen Rindern. Allein das Büffelleder ist doppelt so schwer wie eine Kuhhaut. Das Fleisch hat wenig Fett, dafür reichlich gesunde Omega-3-Fettsäuren. Es schmeckt wie Rindfleisch mit ein bisschen Wildaroma.
Wo gibt es Wasserbüffel-Produkte?

„Kein Mensch oder Markt wartet auf Wasserbüffel und niemand handelt mit dem Fleisch“, bedauert Ortmanns. Die Betriebe verkaufen ihr Fleisch selbst. „Meine acht Tiere pro Jahr kann ich gut im Hofladen vermarkten.“ Abnehmer seien vor allem Privatleute aus der Region. Über einen Online-Shop können die Kundinnen und Kunden vorbestellen, müssen ihr Steak, Hackfleisch oder Gulasch aber selbst abholen. Begehrt wäre auch die fette Büffelmilch, um daraus den beliebten Büffel-Mozzarella zu machen. „Das Melken lohnt sich bei meinen zehn Kühen nicht und die Kälber müssen ja auch satt werden“, erklärt Ortmanns. Seine Entscheidung pro Büffel habe er bisher nie bereut.
„Galloway-Rinder halten kann doch jeder, Wasserbüffel bleiben etwas Besonderes.“
Bio-Büffelbetriebe
- Biohof Ellerneff
- BioBoden Genossenschaft: Biohof Werder
- Biohof Eilte
- Hohensteiner Hofkäserei: Albbüffel-Mozzarella Albkäs






