Jens Mecklenburg

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So schmeckt der Norden – Ministerpräsident Daniel Günther über schleswig-holsteinische Kulinarik

10. Juni 2026
Daniel Günther © Staatskanzlei

Schleswig-Holstein, der „echte Norden“, wie sich das Bundesland zwischen Ost- und Nordsee selbst nennt, feiert in diesem Jahr 80-jährigen Geburtstag.

Ein Gespräch mit Ministerpräsident Daniel Günther über die kulinarischen Vorzüge des Landes und seine persönlichen Vorlieben.

Gibt es ein Gericht, dass Sie in der Kindheit geprägt hat, sie besonders mochten?

Da gibt es natürlich mehrere, aber was mir auf Anhieb einfällt: Mehlklöße mit Backobst. Dieses Gericht gab es häufig bei meiner Oma. Sie wohnte in Rendsburg und stammte aus Ostpreußen. Deswegen kochte sie immer die gleichen, typischen Gerichte, wenn wir sie besuchten, und die mich deswegen alle an meine Kindheit erinnern: Königsberger Klopse, Fliederbeersuppe mit Grießklößen und eben Mehlklöße mit Backobst.

Welche Bedeutung hat für Sie generell Essen?

Essen hält ja bekanntlich Leib und Seele zusammen. Ich finde, das trifft es ganz gut, denn das ist das Schöne am Essen: Mit der Familie und Freunden zusammenkommen, Zeit füreinander haben und für gute Gespräche und natürlich Genuss und Lebensfreude. In meinem Beruf ist dafür nicht immer so viel Zeit, wie ich gerne hätte, aber genau deswegen genieße ich diese Momente ganz besonders.

Schleswig-Holstein feiert in diesem Jahr seinen 80. Geburtstag. Was meinen Sie, welche Gerichte haben den „echten Norden“ besonders geprägt? Und welche Gerichte sollten Urlauberinnen und Urlauber unbedingt mal probieren? Spiegeln gut Land, Leute und schleswig-holsteinische Traditionen wieder.

Bei Schleswig-Holstein denken viele natürlich sofort an unsere Fischbrötchen oder die frischen Krabben aus der Nordsee. Die gehören natürlich zum Urlaub in unserem Land dazu, keine Frage. Aber unsere Küche hat noch ganz vieles anderes zu bieten. Typisch sind die söötsuuren, also die süßsaueren, Gerichte wie Grünkohl mit Zucker oder Birnen, Bohnen, Speck. Diese Kombination aus süß und herzhaft ist schon etwas Besonderes. Auch Holsteiner Rübenmus und Labskaus gehören für mich ganz klar zu Schleswig-Holstein. Und wer es lieber süß mag, kommt an einer guten Roten Grütze mit Vanillesoße eigentlich nicht vorbei. Unsere Küche ist insgesamt bodenständig, ehrlich und eng mit der Geschichte und den Traditionen unseres Landes verbunden. Wer Schleswig-Holstein also auch kulinarisch kennenlernen möchte, sollte diese Gerichte unbedingt probieren. 

Haben Sie selbst ein Lieblingsgericht aus der heimischen Regionalküche?

Aus der heimischen Küche esse ich Grünkohl am häufigsten, privat, aber auch bei offiziellen Terminen im Land. Und dennoch freue ich mich jedes Mal aufs Neue darauf. 

Hand auf Herz: Gibt es ein Traditionsgericht, was Sie überhaupt nicht mögen?

Ich esse grundsätzlich alle norddeutschen Gerichte sehr gerne. Vielleicht gehört Schwarzsauer, das mit Schweineblut hergestellt wird, nicht unbedingt zu meinen bevorzugten Gerichten.

Grünkohlkönig Daniel Günther © Torsten von Reeken

Wenn Sie hochrangige Gäste empfangen und zum Staatsmenü laden: Worauf legt das Protokoll wert, was wird serviert, spielt Regionalität dabei eine Rolle?

Zum Staatsmenü im Sinne eines gesetzten, geladenen Essens haben wir als Gastgeberland des Tags der Deutschen Einheit eingeladen und wir richten es bei unserem traditionellen Empfang zur Kieler Woche aus. Es ist dann immer ein ganz besonderes Menü, bei dem wir großen Wert auf unsere regionale Küche, regionale Zutaten und Herstellung legen. Daneben haben wir viele schöne Anlässe, unsere feine und kreative norddeutsche Küche zu präsentieren – auch außerhalb unseres Landes übrigens. Wenn wir zum Beispiel in Berlin unseren jährlichen Frühsommerempfang geben, ist das immer auch ein kulinarisches Highlight. Die Gäste können dort ganz viele unterschiedliche regionale Spezialitäten probieren – vom holsteinischen Käse über Softeis aus Büffelmilch sogar bis hin zu Wein aus dem echten Norden.

In Sachen unkomplizierte Alltagsküche: Haben Sie ein Lieblingsgericht, womit kann man Sie glücklich machen?

Den Grünkohl habe ich ja schon erwähnt, damit punktet man bei mir immer. Daneben kann man mich mit Nudelgerichten aller Art glücklich machen.

Findet ein Ministerpräsident überhaupt die Muße in Ruhe zu essen?

Häufig isst man als Ministerpräsident natürlich am Rande von Terminen, aber ich versuche, zumindest mittags eine kleine Pause für das Mittagessen einzuplanen. Und natürlich freue ich mich, wenn am Wochenende die Zeit da ist, mit meiner Familie zusammen in Ruhe zu essen – oder auch mal zu grillen.

Zum Schluss noch eine eher politische Frage. Sie haben sich als einer der ersten Politiker für eine Zuckersteuer eingesetzt. Was sind die Gründe?

Mir liegt die Gesundheit unserer Kinder und Jugendlichen sehr am Herzen. Deshalb habe ich mich früh für eine Zuckersteuer ausgesprochen. Ihr großer Vorteil ist, dass sie nicht nur das Konsumverhalten beeinflusst, sondern vor allem dazu führt, dass Hersteller den Zuckergehalt ihrer Produkte senken. Den Effekt sehen wir bereits in vielen anderen Ländern. Von einem geringeren Zuckerkonsum profitieren wir alle, darüber gibt es auch unter den Fachleuten aus dem Gesundheitswesen einen breiten Konsens. In Deutschland sind zwei Drittel der Männer und die Hälfte aller Frauen von Übergewicht betroffen, das häufig zu Folgeerkrankungen führt. Wenn wir dank einer Zuckersteuer weniger gesundheitliche Folgekosten, mehr Prävention und einen wirksamen Schutz gerade für junge Menschen erzielen, liegt das im Interesse der gesamten Gesellschaft. 

Die Fragen stellte Jens Mecklenburg

© ostsee-schleswig-holstein.de

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