Jens Mecklenburg

Herausgeber & Autor

Zum Portrait

Rote Grütze

Ein Sommertraum aus dem norddeutschen Obstgarten
22. Juli 2020

Oma und Opa kannten noch die wunderschönen norddeutschen Obstgärten. Bei Apfel-, Birnen- und Quittenbäumen, bei Büschen voller köstlicher Erdbeeren, Himbeeren, Johannis- und Stachelbeeren wurden Kinderträume wahr.  Ob pur genossen oder zu Marmelade eingekocht, Omas und Opas Obstgarten war ein Paradies.

Das Wort „Paradies“ stammt übrigens aus dem Altpersischen und bezeichnete ursprünglich die ummauerten Obstgärten von Königen und Adeligen. In unserem Kulturraum verstand man unter „Paradies“ vor allem den Garten Eden, einen irdischen Ort höchster Glückseligkeit. Aus dem Garten Eden wurden wir zwar vertrieben, doch glücklicherweise blieben uns die Gärten und Obstbaumwiesen mit ihren süßen Früchten. Ein Paradies auf Erden.

©Ingo Wandmacher


Rote Grütze

Was pass besser zum Sommer als der dänisch-norddeutsche Küchenklassiker Rote Grütze. In früheren Zeiten wurde besonders in Schleswig-Holstein und Dänemark roter Fruchtsaft aus den Beeren der Hausgärten mit Hafer-, Gersten- oder Buchweizengrütze angedickt und als Hauptgericht gereicht. Daher der Name Rote Grütze. Aus dem Armeleuteessen wurde eine dänisch-norddeutsche Spezialität, die bis heute im ganzen Lande bekannt und beliebt ist. 

Die klassischen Zutaten: Johannisbeeren, Himbeeren, Stachelbeeren, Erdbeeren und Sauerkirschen. Auch Brombeeren, Heidelbeeren und Preiselbeeren machen sich gut in einer Roten Grütze. 

Die Beeren der Roten Grütze, sind botanisch betrachtet nicht immer Beeren. Die Erdbeere zum Beispiel ist eine Sammelfrucht: die Einzelfrüchte, winzige Nüsschen, sitzen auf einem fleischigen Gebilde, das aus dem Blütenboden hervorgegangen ist. Auch Himbeeren und Brombeeren sind Sammelfrüchte. Beeren, dem botanischen Begriff nach, bestehen aus einer Ansammlung von Samen, die in ein weiches Fruchtfleisch eingebettet und von einer Fruchthaut umhüllt sind. Nach dieser Definition handelt es sich bei Stachelbeeren, Johannisbeeren, Heidelbeeren und Trauben um echte Beeren. Zudem beschränkt sich diese Fruchtform nicht auf Obst: Tomaten, Gurken und Kürbisse sind auch Beeren.

Doch wollen wir es hier nicht so genau nehmen und uns dem gängigen Sprachgebrauch anschließen, der mit Beeren kleine, rundliche, süß-saftige Früchte bezeichnet, zum Essen bestimmt und nicht an Bäumen wachsend.

Die Lieblingsbeere der Norddeutschen ist übrigens die Erdbeere. Viele Tausende Tonnen der süßen Früchte werden jedes Jahr von heimischen Feldern gepflückt, sofort vernascht oder zu Torten, Marmeladen oder zur norddeutschen Nationalspeise, zu Roter Grütze verarbeitet.

© Ingo Wandmacher

Auch der norddeutsche Dichter Hermann Claudius war ein großer Freund der roten beerenstarken Grütze und setzte ihr gar ein lyrisches Denkmal:


Rodegrütt

Rodegrütt! Rodegrütt!

Kiek mal lütt Hein hüüt itt! 

All’s rundüm hett he vergeten. 

Rodegrütt! Dat is en Eten, Rodegrütt! 

Na lütt Heini, noch en beten? 

Mudder het hüüt veel to möten: 

Hans und Hein und Stien und Greet 

eet, as güng dat üm de Wett – Rodegrütt! 


Rote-Grütze-Rezept

Zutaten

300 g Zucker, 250 ml  Wasser, 250 ml Rotwein, 250 ml Kirschsaft, 2 Vanilleschoten, 2 Zimtstangen, etwas Sternanis, 25 g Speisestärke, 50 ml Cassislikör, 600 g gemischte Beeren (z. B. rote und schwarze Johannisbeeren, Himbeeren, Erdbeeren, Stachelbeeren, Sauerkirschen)


Zubereitung

1. Zucker und Wasser in einen großen Topf geben und unter Rühren leicht karamellisieren lassen. Rotwein und Kirschsaft zugeben und aufkochen, leicht weiterköcheln lassen. Die Gewürze zugeben und nochmals aufkochen.

2. Speisestärke mit Cassis verrühren, zum Rotwein-Kirschsaft geben und unter ständigem Rühren kurz einkochen und andicken lassen.

3. Nun die Flüssigkeit abkühlen lassen. Sobald sie Zimmertemperatur erreicht hat, vorsichtig die Früchte unterheben und die Grütze im Kühlschrank erkalten lassen.  


Tipp

Zur Roten Grütze passt Vanillesauce, flüssige oder geschlagene Sahne. Ein schönes Sommergericht: Rote Grütze mit kalter Milch und zerbröseltem Zwieback.

© Ingo Wandmacher