Jens Mecklenburg

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Hügelgräber aus vergangener Zeit

Amrumer Inselgeschichten
29. Mai 2022

Amrum hat neben der wunderschönen Natur auch einige sehr interessante archäologische Highlights zu bieten. Verteilt über die Insel befinden sich Ausgrabungen unterschiedlicher historischer Anlagen. Dabei trifft der kleinste Ort auf Amrum mit etwa 70 Einwohnern auf den größten und gemeinhin bekanntesten Grabhügel mit rund fünf Metern Höhe: Bei Steenodde im Friesendorf Nebel an der Ostküste liegt der so genannte Esenhugh mit einem Durchmesser von 27 Meter am Fuß.

© Amrum Touristik

Er soll aus der Bronzezeit (2.200 v. Chr. bis 800 v. Chr.) stammen, wie auch weitere rund 80 Grabhügel, die dokumentiert wurden. Der Esenhugh diente oftmals als Empore für den freien Blick. Künstler wie Paula Modersohn-Becker und Otto Modersohn nutzten ihn als Hochsitz für kreative Momente mit Pinsel, Palette und Zeichenstift. Der Esenhugh wurde aber auch jahrhundertelang für das alljährliche Biikefeuer genutzt, das in der Neuzeit aus Feuerschutzgründen dann verlegt wurde.

Sage: Es brennt, es brennt!

Auf Amrum steht das Hügelgrab Föögashuug im Zusammenhang mit einer Sage. Aufgemuntert von den Geschichten über den reichen Zwerg und seinen Schätzen, machte sich eines Tages der in Norddorf wohnende Nommen Andersen mit Hacke und Spaten auf, um nach den Schätzen zu graben. Bald hatte er einen tiefen Einschlag in den Hügel gemacht und war auf einen Findling gestoßen, den er für den Verschluss zur Schatzkammer hielt. Aber da hörte er plötzlich von allen Seiten Geschrei: „Es brennt, es brennt!“. Nommen sah sich um und entdeckte, dass sein eigenes Haus brannte. Er ließ Schaufel und Hacke fallen und rannte zum Dorf, mit lauten Rufen an die Nachbarn, die neugierig auf den rasenden, schweißgebadeten Mann schauten: „Löscht doch, helft doch!“, rief er verzweifelt. Aber als er vor seinem Haus stand, lag es wohlbehalten da, von Feuer keine Spur. Nommen war einem Trugbild, gezaubert von den Unterirdischen aus Föögashuug, zum Opfer gefallen.

Seitdem hat niemand mehr nach Schätzen in Hügelgräbern gegraben, und der Föögashuug liegt schon seit Jahrhunderten begraben unter Dünen.

Wikinger auf Amrum?

© Amrum Touristik

Dass auf Amrum auch Wikinger lebten, beweisen mehrere prähistorische Gräber aus der Zeit um 800 vor Christus. Sie ehrten ihre Toten vermutlich mit Schmuckstücken aus Bernstein, die bei Ausgrabungen in den Gräbern gefunden wurden. Zwischen Steenodde und Süddorf befinden sich die meisten Hügelgräber, auf dem so genannten Archäologischen Areal der Insel.

Etliche weitere Grabhügel sind noch vorhanden oder als flache Erhebungen wenigsten den Facharchäologen noch erkennbar: Der Klöwenhuug an der Straße zwischen Norddorf und Nebel, der Kanshuug über der Anhöhe bei den Wattwiesen südlich von Norddorf, der Klaffhuug zwischen Nebel und Steenodde, der Eesenhuug bei Steenodde und der Heeshuug nordwestlich von Süddorf.

Gut zu wissen

Auch einige friesische Straßennamen beziehen sich auf (teilweise nicht mehr existierende) Hügelgräber, beispieslweise „Heeshughwai“ oder „Feederhuugam“ in der Gemeinde Nebel oder auch „Henershuuch“ in Norddorf

Tipp für Führung

Wer sich auf tiefere Spuren der Vorgeschichte der Insel machen möchte, sei die archäologische Führung des Naturzentrums ans Herz gelegt. Die Führung „Amrum – Insel der Toten?“ startet am Steenodder Pier (Mole) über Stock und Stein, durch den Wald bis zum Esenhugh. Nebenbei erfährt man auch etwas über Entstehung und Besiedlung der Insel.

Hintergrundinfos

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