Barbara Maier

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Genussvolles von Schaf und Kuh

Nordbauer Meierei Nordweide
9. Oktober 2020
Fruchtjoghurts. © Meierei Nordweide

Eine Meierei und zwei völlig verschiedene Lieferanten. Aus der Milch von Schaf und Kuh entstehen hier im Nordwesten, nur drei Kilometer von der dänischen Grenze entfernt, genussvolle Milchprodukte in traditioneller Handarbeit nach Art der Nordbauern. 

Schon immer wurden auf dem Familienbetrieb, den die Molkerei-Ingenieurin Insa und der Landwirt Horst Petersen in fünfter Generation führen, Milchkühe gehalten. Sohn Christian (das älteste der drei Petersen-Kinder) ist mit seinen inzwischen 20 Jahren als sechste Generation gerade hinzugekommen.

Zurzeit sind es 80 Rindviecher die sich seit einigen Jahren mit 70 Milchschafen, Weiden und Ställe der Meierei teilen. Beide Arten werden zweimal pro Tag gemolken. Die Schafe sind der ganze Stolz von Insa Petersen, die sich mit viel Liebe um ihre wolligen Tiere kümmert. Nur wenn beim Lammen Komplikationen auftreten, springt ihr Mann Horst als Geburtshelfer mit ein. Laut Aussage seiner Frau hat er den Dreh raus und bringt die Lämmer fachmännisch zur Welt. Seine eigentliche Arbeit liegt jedoch im Ackerbau und bei den Kühen.

Getreu dem Motto „nur zufriedene Tiere produzieren gute Milch“ bekommen alle Tiere Weidehaltung, Offenstelle für den Winter und zum größten Teil Futter aus dem eigenen Anbau. Mais, Roggen und Weizen, ab und zu Raps wird auf den Feldern angebaut. Was nicht selbst angebaut werden kann, wird wie das Kraftfutter, in der Region und ohne gentechnisch veränderte Rohstoffe, dazu gekauft. Zwei Mitarbeiter und ein Auszubildender stehen den Petersens bei ihrer Arbeit zur Seite.

© Meierei Nordweide


Ostfriese in Nordfriesland

Milchschafe werden bereits seit Jahrhunderten gehalten und gezüchtet. Sie sind ursprünglich in Norddeutschland und dort vor allem in Ostfriesland beheimatet. Früher galten sie, wie auch die Ziegen, als „Kuh des kleinen Mannes“ und waren weit verbreitet.

Das Ostfriesische Milchschaf ist durch seinen extrem kurzfelligen Schädel – die Wolle beginnt erst hinter den Ohren zu wachsen – und seine unbewollten Beine, sowie den langen dünnen und ebenfalls unbewollten Schwanz gut von anderen Rassen zu unterscheiden. Es ist ein sehr anpassungs- und widerstandsfähiges Schaf, dessen Zuchtheimat in Ostfriesland liegt. Zudem zählt es zur Dreinutzungsrasse, da es sich als Wolllieferant ebenso eignet, wie zur Milch- und Fleischgewinnung.

In der Literatur wird diese Rasse als frohwüchsig, frühreif und fruchtbar beschrieben. Mit diesen, zumindest für Nutztiere, positiven Attributen können die Schafe bereits im Alter von einem Jahr ihre ersten Lämmer zur Welt bringen.


Die Schafsmilch

Schafe müssen um Milch geben zu können, genau wie Kühe, einmal im Jahr ein Lamm beziehungsweise ein Kalb zur Welt bringen. Und auch wie Kühe werden Schafe längere Zeit „trocken gestellt.“ Das heißt, dass nach ein paar Nächten mit Emil, dem Schafsbock und während der fünfmonatigen Trächtigkeit sowie nach der Lammung nicht gemolken wird. Bei Insa Petersen bleibt die Milch nach der Lammung für 14 Tage den Lämmern vorbehalten. Die Lämmer kommen nach den zwei Wochen in den „Kindergarten“ und werden weiter mit Kuhmilch groß gezogen. Doch es gibt, so sagt die Meierei Fachfrau, Lämmer die so stur sind, dass sie sich weigern aus einem anderen Behälter als Mutters Euter zu trinken. Diese kleinen Dickschädel werden dann bis sie ca. 20 Kilogramm wiegen bei ihrer Mutter gelassen.

Da das Hauptaugenmerk auf der Milch der Schafe liegt, werden die Schafböcke nach sechs Monaten verkauft, da Insa Petersen es bisher nicht übers Herz gebracht hat, auch das Fleisch und die Wolle ihrer Tiere zu vermarkten.

Die Kälber der Meierei Nordweide verbleiben, egal ob Jungs oder Mädels, bis zu ihrem zweiten Lebensjahr auf dem Hof. Erst dann werden die nicht benötigten Rinder verkauft.

Kuh- und Schafsmilchprodukte

In der Meierei wird viel Wert auf die tagesfrische Verarbeitung auf hohem handwerklichem Niveau gelegt. So entstehen leckere Spezialitäten ohne viel Schnickschnack: nordfriesisch eben!

In guter alter Handwerkstradition werden neben verschiedenen Weich-, Schnitt- und Hartkäse auch abgetropfte Joghurts mit selbst veredelten Früchten und Frischkäsecremes mit eigens gekochten Marinaden hergestellt. Nicht nur geschmacklich ansprechend, sondern auch optisch, sind die mit Kuhfrischkäse im Wechsel mit Kräutern, Chili oder Curry geschichteten Gläser. Sie tragen klingende, vielversprechenden Namen wie „Kräuterliebe“, „Urlaubsliebe“ oder auch „Heiße Liebe“ und sind ein beliebtes Mitbringsel bei Touristen.

Auch die von Hand gerollten Schafskäsebällchen, in Öl und Kräutern eingelegt, sind ebenfalls nicht nur lecker, sondern sehr ansprechend anzusehen.

Die Zutaten werden, sofern sie nicht vom eigenen Hof stammen, von Direktvermarktern aus der Region hinzugekauft oder selbst gepflückt. So stammt der Quittensaft von der Obstquelle Schuster, Mirabellen und Holunderbeeren aus den Knicks.

Die Schafsmilch und ihre Produkte sind aus ernährungsphysiologischer Sicht eine gute Ergänzung der menschlichen Ernährung. Durch ihren hohen Eiweiß- und Fettgehalt stehen dem Menschen damit hochverdauliche Nährstoffe zur Verfügung. Die Milch bleibt bei Petersens naturbelassen und wird nur pasteurisiert. Die Frischprodukte werden in Gläser abgefüllt. 

Die Meierei hat in den letzten Monaten zahlreiche Preise eingeheimst. „Bei der Prüfung des Gütezeichens Schleswig-Holstein im September 2019 haben aus ganz Schleswig-Holstein 11 Produkte die volle Punktzahl bekommen, 3 davon waren unsere Wiesenernte, Schwarzes Schaf und die Kräuterliebe“, erzählt Frau Petersen voller Stolz. „Auch bei der großen deutschlandweiten Prüfung für handwerkliche Käse- und Milchprodukte hat unser Mirabellenjoghurt als bestes handwerkliches Milchprodukt die Goldene Milchkanne nach Hause geholt und unser Nordweide Smaragd hat den Innovationspeis gewonnen“, berichtet Insa Petersen weiter.

Vermarktung 

An der Molkerei steht wie vor 50 Jahren eine kleine Verkaufshütte. Hier können sich die Kunden in Ruhe ihre Wunschprodukte auswählen. Der jeweilige Preis ist auf einer ausliegenden Liste zu finden. Neben der Liste steht eine Dose, in die jeder Kunde seinen selbst errechneten Betrag hineinlegt und sich das anfallende Wechselgeld herausnimmt. Auf dem flachen Land im hohen Norden ist Vertrauen Ehrensache. 

Die Produkte werden von einigen anderen Direktvermarktern auch in deren Hofläden angeboten, sind aber auch in verschiedenen Edeka und Citti-Märkten, sowie in ausgesuchten Feinkost- und Käsefachgeschäften zu finden. Größere Käsemengen werden noch über Rewe-Nord vermarktet.

An einem Abend pro Monat lädt die Meierei Nordweide zur Betriebsbesichtigung ein. Es wird jedoch nicht nur besichtigt, sondern auch verkostet und diskutiert. Gespräche über Politik, Tierschutz und die Herstellung verschiedenster Produkte sind dann die Hauptthemen. So funktioniert modernes Landleben.

Die Petersens sind Mitglied bei der Käsestraße und den Nordbauern Schleswig-Holstein. Insa Petersen findet: „Als Mitglied der Nordbauern stehen wir nicht alleine da. Wir Direktvermarkter unterstützen uns gegenseitig und sind im Dialog mit den Konsumenten. Es ist ein gutes Gefühl den Verbrauchern direkt zeigen zu können, wie Lebensmittel hergestellt werden und woher die Zutaten kommen.“ 

Zudem ist Molkerei-Ingenieurin überzeugt: „Wenn jeder in seinem direkten Umfeld etwas zum Naturschutz beitragen würde, bräuchte niemand mehr auf die Straße zum Demonstrieren gehen!“

Zu den Nordbauern: www.nordbauern.de

 

© Meierei Nordweide

Meierei Nordweide GmbH
Gewerbestraße 20
25923 Süderlügum

Tel.: 04663 / 188 310
E-Mail: service@meierei-nordweide.de

Besichtigungen: Nach Absprache mit und ohne Verkostung.

 

www.meierei-nordweide.de