Jens Mecklenburg

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Ein norddeutsches Prachtstück

Rarität mit Biss: Finkenwerder Herbstprinz
8. Oktober 2019

Unsere Vorstellung vom Paradies ist untrennbar mit dem (verbotenen) Apfel verbunden. Das Paradies haben wir verloren. Geblieben ist uns der Apfel.

Seit der Antike ranken sich Mythen und Sagen um ihn. Zum Zankapfel wurde er, weil sich der griechischen Sage nach die drei Göttinnen Athene, Hera und Aphrodite wegen eines Apfels um den Rang der Schönsten stritten. Wie die Geschichte weitergeht, wissen wir: Paris, der Sohn des Königs von Troja, sollte die Wahl treffen. Er wählte Aphrodite, wofür ihm diese als Gabe die schöne Helena versprach, die aber mit dem König von Sparta verheiratet war. Die Entführung Helenas durch Paris war Auslöser des trojanischen Krieges.

In vielen Kulturen ist der Apfel aber auch ein Symbol für Sinnenfreude und Fruchtbarkeit. Als Reichsapfel wurde er gar zum Herrschaftssymbol.

Dem Apfel wird zu Recht Heilkraft nachgesagt. Bei den Griechen garantierten die Hesperidenäpfel ewige Jugend. So dichtet der Volksmund: „Ein Apfel täglich, keine Krankheit quält dich.“ Äpfel enthalten wichtige Mineralstoffe (Eisen, Kalium, Natrium, Magnesium, Kalzium), Spurenelemente (Jod, Kupfer, Zink), Vitamine (vor allem Vitamin C) sowie wertvolle Ballaststoffe (Pektin). Kein Wunder, dass die paradiesische Frucht bis heute die beliebteste Obstsorte geblieben ist.

© Ingo Wandmacher

Norddeutscher Märchenprinz

Ein Prachtstück ist zweifellos der Finkenwerder Herbstprinz: leicht rotbackig, strahlend, mit gesundem robustem Aroma. Er wurde 1860 in Finkenwerder als Zufallssämling entdeckt und gehört zur großen Prinzenfamilie, die seit dem 18. Jahrhundert in Norddeutschland weit verbreitet waren. Obwohl er noch in vielen Gärten wächst, ist er als Nischenapfel vom Aussterben bedroht. Dabei ist der Herbstprinz typisch norddeutsch: bescheiden und bodenständig. Wie eigentlich alle alten Sorten ist er keine Schau- und Modefrucht, die mit ihrem Äußerem über den dürftigen Geschmack hinwegtäuscht. Er hält, was er verspricht. Der Prinz braucht das raue norddeutsche Klima für seine robuste Süße, die sich harmonisch mit einer leichten Säure verbindet. Wenn er üppig am Baum in der Herbstsonne hängt, haftet ihm etwas Strahlendes an: wie dem Märchenprinzen.

In der Küche ist der Herbstprinz vielseitig verwendbar: auf dem Kuchen, für eine Tarte, für Saft, Marmelade, Püree (mit Sellerie), als Sorbet oder als Füllung für die Ente. Auch in der Suppe macht sich der Prinz gut. Zum Beispiel in einer Rindersuppe mit Meerrettich: 1 l Rinderbrühe, 500 ml Saft vom Herbstprinz und 250 ml Sahne aufkochen, 4 geriebene Äpfel und 2 EL Meerrettich hinzufügen, noch mal aufkochen und mit Salz und Zucker abschmecken.

Der Finkenwerder Herbstprinz ist eine norddeutsche Spezialität. Er enthält die Aromen des norddeutschen Sommers – und das den Herbst und Winter über.

© Judith Bernhard.

 

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Eckart Brandt über alte Sorten