Barbara Maier

Autorin

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Biofleisch ist ihr Gemüse

Nordbauer Johannsens Hofladen
13. März 2020

Kristina und Finn Johannsen wurde die Landwirtschaft bereits in die Wiege gelegt. Finn kaufte sich mit 14 von seinem Konfirmationsgeld statt einer Mofa ein Shorthorn-Rind. Das Motto der Nordbauernfamilie lautet: Biofleisch ist unser Gemüse. 

© Johannsen Hofladen

Breit aufgestellt

Johannsens Hofladen liegt auf einem Bauernhof in Sprakebüll in Nordfriesland. Er besteht Dank des Seniors mittlerweile aus vier Hofstellen. Kristina Johannsen ist mit ihrem Mann Finn im Jahr 2010 in den Betrieb ihrer Eltern eingestiegen. Schon vor dieser Zeit hat Kristinas Vater, der schon immer über den Tellerrand hinausschaute, zu der damals bestehenden Milchwirtschaft, nach weiteren Standbeinen gesucht.  Dadurch entstand die Biogasanlage wie auch ein Windpark und eine Solarfirma. Da sich schon damals die kleine Milchviehwirtschaft als kaum noch rentabel erwies, wurde nun umgedacht. Die Milchkühe wurden abgeschafft und stattdessen begann die Familie auf die Vermarktung von Biofleisch zu setzen. In der Zwischenzeit hat sich die Familie Johannsen um die beiden 6- und 8-jährigen Kinder vergrößert. 

Für die  Biogasanlage und die Solarfirma sind Kristinas Vater und ihr Bruder zuständig. Hilfe bekommt die Familie von zwei festen Mitarbeitern, zwei Auszubildenden, sowie von Aushilfskräften, die je nach Bedarf hinzukommen.


Shorthorn-Rinder

Die 1.200 Shorthornrinder bilden inzwischen den Mittelpunkt des Hofes. Sie gehören zu den Rassen der Robust-Rinder und kommen ursprünglich aus England. Zwei typische Merkmale sind ihre kurzen Hörner, daher der Name, und das weit zwischen den Vorderbeinen hervorstehende Brustbein. Die Shorties, wie sie auf dem Hof liebevoll genannt werden, sind wie die meisten Robust-Rinder, ruhig und ausgeglichen und haben einen ausgeprägten Mutterinstinkt.

Sie leben in Herdenverbänden die aus einem Zuchtbullen, mehreren Mutterkühen und ihren Kälbern bestehen. Vom Frühjahr bis in den Winter kommen sie zum Grasen auf die Weiden oder werden auf Naturschutzflächen eingesetzt.

Bei den Johannsens wird die muttergebundene Kälberaufzucht praktiziert. Bis zu einem Alter von 8 Monaten verbleiben die Kälber bei ihren Müttern und werden gesäugt. Mit Anfang des neunten Monats werden die dann gar nicht mehr so Kleinen von ihren Müttern getrennt, da diese bis zur Geburt eins neuen Kalbes nun Zeit zum Regenerieren brauchen.

Von da an kommen die Kälber gemeinsam auf eine der beiden Fettweiden. Die weiblichen Rinder werden zur Bestandsergänzung aufgezogen; die überzähligen von ihnen werden ausgemästet.

Den Winter verbringen die Herden gruppenweise freilaufend in Ställen, in denen die Lauf- und Liegebereiche dick mit Stroh eingestreut sind. Der entstehende Mist wird auf die Felder der Landwirtschaft eingebracht, so dass der natürliche Kreislauf erhalten bleibt. Gefüttert werden die Rinder dann mit Heu und Grassilage aus den umliegenden Wiesen. Lediglich Mineralstoffe und Viehsalz werden hinzu gekauft.

Die männlichen Rinder werden als Ochsen auf den Weiden langsam gemästet, bis sie mit einem Alter von knapp 2,5 Jahren ihre optimale Schlachtreife erlangt haben. Die Schlachtung erfolgt nach einem kurzen Transportweg von dem bekannten Landschlachter Burmeister in Viöl, der auch die schmackhaften Wurstwaren für den Hofladen herstellt. Nach der Schlachtung wird das Fleisch für drei Wochen abgehangen und geht danach in den Verkauf. Das Fleisch bleibt, durch das intramuskuläre Fett und die leichte Marmorierung, bei der Zubereitung saftig und zart. Zudem ist es vom Geschmack her angenehm intensiv. Hier schmeckt Rind noch nach Rind.

© Johannsens Hofladen

Angler Sattelschweine 

Auch drei Angler Sattelschwein-Sauen mit ihren Ferkeln, sowie ein Eber leben auf dem Hof. Diese Schleswig-Holsteiner Schweinerasse entwickelte sich gegen 1880 in Angeln. Sie zeichnet sich durch ausgeprägte positive Eigenschaften, wie zum Beispiel ihre außergewöhnliche Fruchtbarkeit, hervorragende Muttereigenschaften, eine große Stressresistenz, sowie eine ausgezeichnete Fleischbeschaffenheit aus. Als guter Futterverwerter eignet es sich hervorragend für ökologisch wirtschaftende Betriebe mit Hütten- und Weidehaltung.

Die Angler Sattelschweine sind keine Schnellmastrasse, da sie zum Fett ansetzten neigen. Die Johannsens lassen ihnen daher Zeit zum Wachsen und achten darauf, nicht zu viel zu füttern, so dass die Schweine ihre optimale Schlachtreife mit einem Jahr erreichen. Da die Tiere selber zwischen Stall- und Weideaufenthalt wählen können, sind sie ständig in Bewegung, was dem Muskelaufbau und dem langsamen Wachstum entgegen kommt. Das Fleisch der Sattelschweine hat dadurch eine festere Struktur, ein nussiges Aroma und einen von Natur aus intensiv würzigen Geschmack. Kristina ist der Meinung, „Dieses Fleisch braucht, um zu schmecken, nicht einmal Salz und Pfeffer.“

Lachend erzählt sie, „Da die Schweine von Natur aus sehr einfallsreich und neugierig sind, schaffen sie es immer mal wieder auszubüxen. So tauchten zwei der Sauen plötzlich vor den bodentiefen Fenstern der Gastwirtschaft gegenüber auf und schauten ganz interessiert der Hochzeit im Inneren des Gebäudes zu.“ Ob auch kulinarische Interessen bestanden, sei einmal dahingestellt.

„Die Produktion von Fleischwaren ist sehr kostenaufwendig. Die Waren können schnell verderben, deshalb muss alles gut geplant und gut vermarktet werden.  Wir müssen schon drei Wochen vorher wissen, welche und wie viele Tiere wir schlachten lassen wollen. Zudem gibt es vom Gesetz sehr strenge Vorgaben was die Verpackung, die Kühlung, ja sogar die Aufschnittmaschine und die Waage, sowie die Schlachtung an sich betrifft,“ erzählt Kristina Johannsen.


Freilaufendes Geflügel

Um die im Sommer leer stehenden Kuhställe nicht ungenutzt zu lassen, haben hier um die 50 Hähnchen, sowie Puten, Enten und Gänse ihr zu Hause gefunden. Auch das Geflügel darf auf den umliegenden Kleeweiden nach Herzenslust picken und scharren, die Enten und Gänse haben als Wasservögel ihren eigenen Teich und grasen auf den Wiesen. Gefüttert wird das Geflügel mit zugekauften Biogeflügelfutter. Geplant haben die Johannsens, das Futter in Zukunft auch selbst zu erzeugen. 

Zum Schlachten des Geflügels kommt nach Absprache eine mobile Schlachterei direkt zum Hof, so dass hier die Transportwege völlig entfallen.

© Johannsens Hofladen

Das Herzstück – der Hofladen

Kristina Johannsen hat 2015 auf 15 Quadratmetern und mit zwei Kühlschränken angefangen ihrem Hofladen zu betreiben.

Bio-Fleisch und Bio-Wurst vom Shorthornrind und Angler Sattelschwein aus eigener Haltung. Aus eigener Aufzucht wird auch Bio-Geflügel wie Hähnchen, sowie Ente, Gans und Pute zur Weihnachtszeit angeboten. 

Stets tiefgekühltes Fleisch in haushaltsüblichen Verpackungseinheiten ist immer zu bekommen. Alle 2 -3 Wochen wird Frischfleisch vom Rind angeboten, welches dann an dem jeweiligen Donnerstag ab 11 Uhr im Hofladen zu erhalten ist.

Da Kristina Johannsen eine leidenschaftliche Köchin ist, hat sie das Sortiment um selbstgekochte Suppen, Soßen, Gulasch, Bolognese und Marmeladen erweitert. Die deftigen Erzeugnisse bekommt der Verbraucher im Weckglas angeboten. Außerdem vertreibt sie konventionelle- und Bioland-Backwaren vom Joldelunder Bäcker und von anderen Direkterzeugern der der Region Bio-Kartoffeln und Gemüse, Obst, Eier, Honig, Milch und Käse.


Offene Speisekammer

Direkt neben dem Hofladen befindet sich die Speisekammer. Diese ist auch außerhalb der Hofladen-Öffnungszeiten täglich von 7 bis 21 Uhr geöffnet. Auch hier werden eine Auswahl eigener Produkte, hausgemachte Köstlichkeiten aus der Küche, Produkte der Region sowie ein Bio-Sortiment angeboten. Die Preise stehen auf einer aufgehängten Liste und bezahlt wird hier auf Vertrauensbasis in eine kleine Schachtel.

Um Touristen das Landvergnügen zu ermöglichen, stellt die Familie Johannsen auch noch einen Stellplatz für Camper zur Verfügung

Die Johannsens sind Mitglied bei dem Nordbauernverband Schleswig-Holstein e.V., da sie durch die gemeinsamen Veranstaltungen Zugang zu vielen wichtigen Informationen finden. Die Landwirtin sagt auch, „Zudem profitieren wir von dem Austausch mit anderen Direkterzeugern und dem Netzwerk an sich.“ 

Zu den Nordbauern: www.nordbauern.de

 

 

© Johannsens Hofladen

 

Johannsens Hofladen

Dorfstraße 3

25917 Sprakebüll

Tel. 04662 – 8813861

www.johannsens-hofladen.de/

 

Öffnungszeiten:

Mi – Fr 9 – 18, Sa 9 – 13 Uhr