Jens Mecklenburg

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Biar Brauhüs – bestes Bier vom Borgsumer Bauernhof

Craft Beer von der Insel Föhr
5. Oktober 2022

Volker Martens machte, wovon viele nur träumen können, sein Hobby zum Beruf. Seit 2018 betreibt er sein Biar-Brauhüs auf einem Bauernhof und produziert dort feinstes Friesenbier. So gut schmeckt Föhr.

© Biar Brauhüs

Sein erster Braukessel war ein Einwecktopf, erinnert sich Volker Martens schmunzelnd. „Ich war fasziniert von anderen Biersorten, die es hier nicht gibt“, berichtet Martens, dass ihm in dieser Zeit die Idee kam, sein Bier selbst zu brauen. Der Tischler schaffte sich besagten Einwecktopf an, wälzte Fachliteratur und begann auf dem väterlichen Bauernhof – in der Milchkammer – zu experimentieren. „Man konnte es gut trinken, und so bin ich dabeigeblieben“, erzählt der Föhrer Brauer. Sein Talent fürs Biermachen sprach sich schnell herum. „Erst bekamen es Nachbarn und Bekannte, dann kamen sogar Händler auf mich zu.“ 2018 war der Zeitpunkt gekommen, das Brauen auf dem Martens-Hof professionell aufzuziehen. Längst war Volker Martens von der Milchkammer in einen Teil einer Maschinenhalle umgezogen. Er kaufte sich einen gebrauchten Gulaschkessel aus einer Großküche und baute ihn zur Brauanlage um, dann baute er Gärtanks ein. „Das hat viel Geld gekostet“, berichtet er. Doch Martens hatte Glück, er musste diese Investition nicht alleine stämmen. Die Aktiv-Region Uthlande war von seiner Idee einer regionalen Brauerei angetan und unterstützte es mit Fördermitteln. So konnte Martens seinen „Hobbyraum“ zu einer professionellen kleinen Brauerei ausbauen und mit der Vermarktung seines Biers beginnen. Hauptberuflich arbeitete der Borgsumer noch einige Zeit weiter als Tischler. Schnell war die Nachfrage nach seinem „Inselbiar“ so groß, dass er mit der Produktion kaum noch nachkam, seinen Job aufgab, um sich Voll und Ganz dem Brauhandwerk hingeben zu können.

Friesen-Biere mit Geschichten

© Biar Brauhüs

Drei friesische Biersorten hat der Föhrer Brauer im Angebot: „Hünjmots“ ist ein klassisches Pils, mit einer kleinen Frucht- und einer leichten Bitternote. Zu seinem gelungenem vollmundigen Pils hat sich der Brauer diese schöne Geschichte einfallen lassen: Man munkelt, zu Seefahrerzeiten waren die Friesenfrauen und Kinder oft auf sich allein gestellt. Gemeinsam wurde angepackt, im Haushalt, Stall, auf der Jagd und im Garten. Die Kinder suchten unter schattigem Geäst der kahlen Geest nach schmackhaften Pilzen (hünjmotsen), welche den kostbaren Mahlzeiten der Mutter den letzten Pfiff verliehen. Zu Pilzgerichten kredenzte Muttern vorzugsweise Biar nach Pilsener Brauart.

© Biar Brauhüs

Seine Biersorte Nummer zwei ist das „Holeweeder“, ein India Pale Lager, schön bitter und fruchtig. Auch zum „Holeweeder“ gibt es eine Friesen-Geschichte: Man munkelt, das Vieh der Friesen war wie sie selbst, ruhig, eher schüchtern und zurückhaltend, was für die Fortpflanzung nicht sehr förderlich war. Doch der Friese war findig und kochte das Wasser für die Bullen vorher mit einer rätselhaften Auswahl an Kräutern ein und stillte deren Durst mit diesem „Bullenwasser“ (holeweeder). Die Friesenbullen strotzten schließlich vor Kraft und Fruchtbarkeit und auch die Friesenkühe waren glücklicher denn je. Hin und wieder genehmigte sich der Friese ebenfalls einen Schluck, von diesem Wasser.

Das dritte Bier im Bunde ist das „Jonk“. Dunkel, mild und malzig, ein eher untypisches aber feines Schwarzbier. Selbstverständlich kommt auch dieses Bier nicht ohne Friesen-Saga aus: Man munkelt, der sonntägliche Frühschoppen war dem Friesen so heilig wie der vorherige Kirchgang. Sämtliche Neuigkeiten und Geschehnisse der vergangenen, arbeitsreichen Tage mussten ausgetauscht werden, sodass dies auch schonmal bis zur Dämmerung andauerte und der Friese sich auf ein altes Sprichwort rückbesinnen konnte, bevor er reinen Gewissens den Heimweg antrat: „Leewer dronken uun jonken“, welches besagt, dass man im Dunkeln nicht so schnell erkannt wird.

© Biar Brauhüs

Für sein Bier braucht Volker Martens: Wasser, Gerste, Hopfen und Hefe. Für den Brauvorgang wird zunächst das Malz geschrotet und mit Wasser vermaischt. „Mit dem guten Föhrer Wasser“ schwärmt Martens und berichtet von Kollegen, die ihr Brauwasser erst umständlich aufbereiten müssten, während das Föhrer Trinkwasser eine so hervorragende Qualität habe, dass er es so verwenden könne. Malz und Wasser werden erhitzt, anschließend geläutert und in einem weiteren Arbeitsschritt kommt dann der Hopfen dazu, der dem Bier sein Aroma gibt. Je nachdem, wie lange das Gebräu koche, werde es mehr oder weniger bitter, erklärt der Brauer. Schließlich kommt die fertige Würze zusammen mit der Hefe in die Gärtanks, wo sie gut gekühlt zum Bier heranreift. Nach rund sechs Wochen ist das Föhrer-Insel-Bier fertig und wird in Bügelflaschen abgefüllt, die man in zahlreichen Läden auf der Insel und in der Gastronomie bekommt. Auch ein Einkauf auf dem Hof ist möglich. Die Insulanerinnen und Insulaner sind stolz auf ihr Inselbier. So gut schmeckt Föhr.

Biar-Brauhüs
Volker Martens
Borigwoi 8
25938 Borgsum/Föhr
Tel. 04683 / 98 90 107
info@biar-brauhues.de
www.biar-brauhues.de

© Biar Brauhüs