Jens Mecklenburg

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Von Weidenröschen & Wiesenlimonaden

Wildpflanzen, die nach Spargel schmecken oder den Durst löschen
7. Mai 2020

Das Weidenröschen hat als Wildgemüse eine lange Tradition. Im Mai sprießen die jungen Triebe wie kleine Palmen aus der Erde. Gegart entfalten sie ihren spargelähnlichen Geschmack. Für den „wilden Spargel“ werden die Sprosse geschält, wenige Minuten in Salzwasser gedünstet und in etwas Butter geschwenkt oder in Olivenöl vorsichtig gebraten. Zum Schluss noch mit Knoblauch, Muskat und Pfeffer abschmecken. Die zarten Blätter sind reich an Vitamin C und verfeinern mit ihrem mild-säuerlichen Aroma Suppen und Salate. Auch die Blüten sind essbar und werden als süßliche Dekoration über Desserts gestreut. Die Wurzeln haben einen leicht scharfen Geschmack und kommen als Kochgemüse auf den Teller. Getrocknet können sie zu Mehl verarbeitet und zum Eindicken von Soßen verwendet werden. Aus gerösteten Wurzelstücken lässt sich ähnlich wie bei der Zichorie ein Kaffeeersatz herstellen. Die fermentierten Blätter wurden früher als Alternative zu Schwarztee genutzt.

Weit mit dem Wind segeln

Die Weidenröschen gehören zu einer Gattung innerhalb der Familie der Nachtkerzengewächse. Weltweit werden knapp 200 Arten beschrieben. In unseren Breiten ist das Schmalblättrige Weidenröschen (Epilobium

angustifolium) besonders häufig. Die Staude wird bis zu anderthalb Meter hoch, hat einen kahlen Stängel und schmale, längliche Blätter. Die rosaroten Blüten zeigen sich vor allem in den Sommermonaten von Juli bis August. Die Samen haben einen langen weißen Haarschopf und können weit mit dem Wind segeln. Wer das Weidenröschen sammeln möchte, wird an Uferbereichen und Böschungen, Waldwegen und Kahlschlägen fündig.

Das Weidenröschen hat sich auch in der Volksmedizin bewährt. Die Heilpflanze wird unter anderem bei Prostatabeschwerden und Blasenleiden eingesetzt. Der Tee kann aus Blättern und der Wurzel hergestellt werden und soll angeblich auch bei Verdauungsproblemen helfen.


Selbst gemachte Kräuterlimonaden

Je wärmer die Tage, desto gefragter sind Durstlöscher. Variantenreich und geschmacklich interessant ist eine selbst gemachte Kräuterlimonade. Dafür werden je nach Lust und Laune verschiedene Wild- und Küchenpflanzen verwendet.

Eine Wiesenlimonade ist schnell gemacht und kommt auch bei Kindern gut an.

Meist werden drei bis vier verschiedene Kräuter kombiniert, die sich im Garten oder auf einem Spaziergang durch Wald und Wiese sammeln lassen.

Giersch ist in vielen Gärten zu finden und hat ein petersilienartiges Aroma. Der Gundermann schmeckt intensiv erdig bis minzartig und sollte daher nur sparsam verwendet werden. Das gilt auch für den süßlich-würzigen Waldmeister. Beim Welken und Trocknen der Pflanze entsteht Cumarin, das in größeren Mengen Kopfschmerzen verursachen kann. Aber wirklich nur bei großen Mengen!

Je nach Geschmack können der Limonade noch Blätter beziehungsweise Blüten von Schafgarbe, Holunder, Löwenzahn, Gänseblümchen oder Sauerampfer hinzugefügt werden. Sammeln Sie aber nur Wildkräuter, die Sie zweifelsfrei bestimmen können.


Ein Sträußchen soll es sein

Das frische Grün wird zu einem Sträußchen gebunden, zwischen zwei Lagen Klarsichtfolie gelegt und mit einem Nudelholz oder mit der Hand etwas zerdrückt. So werden die Aromastoffe freigesetzt. Anschließend die Kräuter in einen Liter naturtrüben Apfelsaft hängen und über Nacht ziehen lassen. Am nächsten Morgen die Pflanzenreste gut ausdrücken, den aromatisierten Saft durch ein Sieb geben und in eine Karaffe gießen. Mit Mineralwasser und ein wenig Zitronensaft auffüllen – fertig ist eine erfrischende und kalorienarme Limonade. An heißen Tagen kommen noch ein paar Eiswürfel ins Glas. Zucker oder Honig muss nicht zugefügt werden, da der Saft ausreichend süß ist.

Auch mit frischen Küchenkräutern wie Zitronenthymian, Melisse, Basilikum, Minze, Rosmarin und Ananas-Salbei lässt sich ein leckerer Drink zaubern.

Dafür die Blätter abzupfen und in einen Topf mit Apfelsaft geben, kurz aufkochen, mindestens 30 Minuten ziehen lassen und abseihen. Ist der Kräutersud abgekühlt, gibt man Mineralwasser und etwas abgeriebene Schale einer Bio-Zitrone hinzu. Alternativ eignet sich auch Zitronen-, Orangen- oder Traubensaft. Wer mag, kann mit verschiedenen Gewürzen wie zerstoßenen Wachholderbeeren, Muskatnuss und Vanille experimentieren.

Asiatisch wird es mit Zitronengras und Koriander. In eine Flasche abgefüllt hält sich die selbst gemachte Kräuterlimonade im Kühlschrank drei bis vier Tage. Klar, kann man auch Alkohol mit Kräutern veredeln, aber das ist ein anderes Thema, dem wir uns baldigst widmen werden.

 

Auf der Kräuterseite des Bundeszentrums für Ernährung finden sich viele nützliche Tipps.