Werner Brockmann

Weinakademiker & Weinfachhändler

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Verwirrende Qualitätskennzeichnungen

Brockmanns Weinschule – Teil 16
25. Oktober 2019

Was ist eigentlich ein qualitativ hochwertiger Wein und wie kann ich dies am Etikett erkennen? Jedem persönlich ist das vorrangige Ziel bei der Weinauswahl, dass dieser schmeckt. Bekanntlich ist das aber subjektiv und abhängig vom individuellen Geschmack, dem Anspruch und auch der Erfahrung beim Trinken und Genießen eines Weines. Erst nachdem Sie den Wein probiert haben, werden Sie feststellen ob er Ihren Erwartungen entspricht. Dann kann es auch völlig egal sein, welche Qualitätskriterien dieser Wein aufweist. Trotzdem ist es oft hilfreich, sich an gewissen Kriterien zu orientieren, die auch auf dem Flaschenetikett vermerkt sind. 

Reifegrade. ©DWI

Was ist die Basis für Qualität? 

Es gibt verschiedene Kriterien, die man heranziehen kann, um die Qualität eines Weines zu bestimmen. Aus meiner persönlichen Sicht ist das wichtigste Kriterium der Ertrag, der aus dem Weinberg gewonnen wird. Je geringer dieser ist, desto mehr Kraft in die geringere Menge an Trauben gehen. Dies ist z.B. auch bei „Alten Reben“ ein wichtiger Faktor für deren Komplexität und Intensität. Weitere Faktoren sind die Lagen mit ihrem individuellen Terroir als auch der Jahrgang, bei dem das Wetter insbesondere zum Lesezeitpunkt entscheidend ist. Das Thema Alkohol oder Zucker wiederum ist nicht wirklich ein Qualitätsfaktor und variiert je nach anvisiertem Weinstil. Neben diesen mehr oder weniger objektiven Kriterien gibt es jedoch einen entscheidenden Aspekt, der extrem subjektiv ist für die Qualität, die Winzerhandschrift. Er bestimmt mit seiner Arbeit im Weinberg und auch später im Keller ganz entscheidend die Qualität mit seinem Know-how. 


Qualitätsstufen nach Verordnung der EU

2009 wurde innerhalb der EU eine neue Weinmarktverordnung eingeführt, in der eine länderübergreifende Regelung der Kriterien festgesetzt wurde. Basis für diese Klassifizierung ist vor allem die Herkunft der Weine, wo sie wachsen aber auch Jahrgang, Rebsorten und Erträge die reguliert wurden. Es wurden neue Bezeichnungen eingeführt, jedoch dürfen die alten weiterhin verwendet werden. Folgende Bezeichnungen sind möglich:

  • Tafelwein: Wein ohne engere Herkunftsangabe (Tafelwein ist nicht mehr erlaubt!)
  • Wein mit Rebsorten- und Jahrgangsangabe
  • Landwein: Wein mit geschützter geographischer Angabe (g.g.A.)
  • Qualitäts- und Prädikatswein: Wein mit geschützter Ursprungsbezeichnung (g.U.)

Die Regelungen der Details für die einzelnen Regionen innerhalb Europas und Deutschland sind sehr unterschiedlich und beruhen auf den regionalen Individualitäten bei den Qualitäts- und Prädikatsweinen. Was überall benötigt wird ist eine sensorische und analytische Prüfung, auf deren Basis die amtliche Prüfnummer vergeben wird. 

Die alte Bezeichnung QbA (Qualitätswein bestimmter Anbaugebiete), die früher in Deutschland rund 95% aller Weine umfasste und damit auch vieles beinhaltete was nichts mit wirklicher Qualität zu tun hatte, läuft immer mehr aus. 

Weingenuss im Restaurant. ©DWI

Geographische Bezeichnung

Die Weine sind in Deutschland nach Lagen kategorisiert und reichen von den einzelnen Anbaugebieten über die Bereiche, Großlagen bis hin zu den Einzellagen, die auf den Etiketten ausgewiesen werden. Dies versteht man unter dem Begriff „geschützte Ursprungsbezeichnung“. Als kleinste Einheit gibt es, jedoch noch relativ selten, die Katasterlage bzw. Riede in Österreich. 


Prädikatssystem

Das alte Prädikatsystem in Deutschland legt zwar gewisse Mindeststandards fest, damit sich ein Wein nach einer dieser Kategorien nennen darf, allerdings hat die Einteilung in die eine oder andere Prädikatsstufe nichts mit Qualität zu tun. Die Einteilung erfolgt vorrangig nach dem Mostgewicht also der Ausgangssüße eines Weines. Dies ist kein Qualitätsurteil. Dieses Prädikatssystem umfasst folgende Typen, die aber immer mehr ins Hintertreffen geraten:

Kabinett, Spätlese, Auslese, Beerenauslese, Trockenbeerenauslese, Strohwein, Eiswein

Aufgrund der Einstufung wird oft vermutet, dass ein Kabinett ein trockener Wein ist und die Spätlese im halbtrockenen Bereich angesiedelt ist. Dies ist nicht der Fall. Die meisten Spätlesen sind trocken und Kabinettsweine sind vom Weinstil eher leichte und elegante Weine oft mit deutlichem Restzuckergehalt bis in den lieblichen Bereich hinein.

Neben diesen Klassifizierungen gibt es in Deutschland eine inzwischen sehr wichtige Qualitätspyramide, die vom VDP (Verein deutscher Prädikatsweingüter). 

Qualitätspyramide.©VDP


VDP-Qualitätspyramide

Der VDP versteht sich als ein Zusammenschluss der besten Weingüter des Landes. Klare Richtlinien und Gesetze sollen die Qualität für jede Region und jedes Gebiet regeln, denen sich die Winzer zu unterwerfen haben um Teil des Vereins zu sein. Allerdings fühlen sich einige Top-Winzer in ihrer Freiheit eingeschränkt, so dass sie einzelne Weine ihrer Kollektion aus dem VDP-System herausnehmen oder auch komplett auszusteigen, um die Weine zu kreieren, die für sie persönlich das Beste darstellen.

Wer den VDP-Traubenadler auf seiner Kapsel führen möchte, muss Regeln einhalten, die u.a. die maximalen Erträge, gebietstypische Rebsorten, eine umweltschonende Bewirtschaftung wie auch eine Handlese für die hochwertigsten Weine, beinhalten.

Wichtigstes Argument und Basis für die Qualitätspyramide ist die Herkunft und somit das Terroir der Weine. Die Klassifizierung sieht folgendermaßen aus:

  • VDP.Gutsweine – Weine für jeden Tag, die auf gutseigenen Weinbergsflächen wachsen und die Handschrift des Winzers darstellen sollen
  • VDP.Ortsweine –  Die Weine stammen aus regionaltypischen Rebsorten und wachsen auf hochwertigen Weinbergen mit ortstypischen Terroir
  • VDP.Erste Lage – Weine aus erstklassigen Weinbergen mit eigenständigem Charakter, die über lange Zeit deren Potential gezeigt haben 
  • VDP.Grosse Lage – Kleinste Einheit mit parzellengenauer Abgrenzung und Bepflanzung optimal hierzu passender Rebsorten. Die Weine haben ein besonderes Reifepotential und eine komplette Eigenständigkeit. Sie stellen laut VDP die Spitze der deutschen Weine dar. Die Weine selbst werden als Großes Gewächs bezeichnet.


Namensbeispiele der Qualitäten am Beispiel vom VDP-Weingut Beurer/Württemberg

  • VDP.Gutswein – Gutswein Riesling trocken
  • VDP.Ortswein – Stettener Riesling Gipskeuper
  • VDP.Erste Lage – Stettener Häder Riesling Junges Schwaben
  • VDP.Große Lage – Stettener Mönchberg Lemberger Großes Gewächs Schalksberg

Die Kategorisierung des VDP in Gutsweine, Ortsweine und Große Gewächse wird von vielen Weingütern außerhalb des VDPs inzwischen übernommen und soll die regionale Herkunft besser betonen und passt gleichzeitig auch zur EU-Verordnung. Im Gegensatz zu früher ist die Klassifikation heute deutlich besser und auch an der Qualität ausgerichtet. Dennoch ist es nicht einfach, sich in diesem Dschungel zu Recht zu finden. 

Am Ende ist es entscheidend, dass Sie Weine finden, die Ihrem persönlichen Anspruch standhalten. Nur nach Etikett zu entscheiden ist definitiv schwierig, ein Weinfachberater kann Ihnen den einen oder anderen Fehlgriff aber mit Sicherheit ersparen. 

In diesem Sinne, lassen Sie es sich einfach schmecken. 

Werner Brockmann, Weinvertikale

 

Weinvertikale Werner Brockmann

www.weinvertikale.de