Jens Mecklenburg

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Trüffelträume im Norden

Erste Erfolge mit Burgundertrüffelplantage
2. Juli 2020

Erstveröffentlicht am 28. August 2019

Die Trüffelplantage ist ein kleines Paradies: Grillen zirpen, Vögel zwitschern. Rund 1000 Bäume hat Fabian Sievers vor Jahren auf einem Acker südlich von Hannover gepflanzt und mit heimischen Burgundertrüffeln geimpft. Nun fand sein Trüffelhund Woopee die ersten Prachtexemplare.

© Leinebergland-Trüffel

Die Trüffelplantage ist ein kleines Paradies: Grillen zirpen, Vögel zwitschern, Kühe grasen. Rund 1000 Bäume hat Fabian Sievers vor Jahren auf einem Acker südlich von Hannover im Leinebergland gepflanzt und mit Sporen von heimischen Burgundertrüffeln geimpft. Nun fand sein Trüffelhund Woopee die ersten Prachtexemplare. Wird der Norden Trüffelland?

Der 47-Jährige ist ein Pionier. Er gehört zu einer kleinen Gruppe von Pilzforschern, Landwirten und Feinschmeckern, die den Trüffelanbau in Deutschland etablieren möchten.

Es war vergessen worden, dass der Edelpilz mit dem betörenden Geruch und dem tollen Geschmack auch in heimischen Wäldern an Baumwurzeln wächst. Weil er unter Artenschutz steht, darf er dort aber nicht gesammelt werden. Deshalb versuchen Trüffelbauern, ihn zu kultivieren – was eine Menge Geduld und Geschick und den richtigen Standort erfordert. Und auch Glück.

© Leinebergland-Trüffel

Trüffel wie Spargel verkaufen 

Die Haseln, Hain- und Rotbuchen, Linden, Eichen und Schwarzkiefern hat Sievers mit eigenen Händen gepflanzt. Als Begleitgehölze wählte er Wildkirschen und Felsenbirnen aus. „Ich imitiere die natürlichen Standorte und möchte es möglichst bunt und divers haben“, erklärt Sievers, seine Hündin Woopee – ein italienischer Lagotto Romagnolo Hund – immer an seiner Seite.

Vor einigen Wochen ist das passiert, worauf der Trüffelbauer zwar hingearbeitet, womit er aber noch nicht gerechnet hat. „Als Woopee plötzlich eine 80-Gramm-Knolle ausbuddelte, wusste ich nicht, ob ich schreien, lachen oder heulen sollte.“ Auch unter einem zweiten Baum wurde der Wasserhund fündig: insgesamt 375 Gramm des Pilzes fand er.

In der Hierarchie der Feinschmecker steht die Weiße Trüffel aus der Gegend um das italienische Alba ganz oben, es ist eines der teuersten Lebensmittel der Welt. Dann kommt die französische Perigord-Trüffel. Auch der Burgundertrüffel dürfte seine Anhänger finden. Für einen norddeutschen Burgundertrüffel könne man auf dem Wochenmarkt und im Feinkosthandel wohl ein Euro pro Gramm verlangen, überlegt Sievers. Er träumt davon irgendwann einmal am Rande seiner Plantage einen Verkaufsstand zu haben und seine Trüffel wie Spargel und Erdbeeren anbieten zu können. Doch bis dahin ist es noch ein langer Weg.

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Potenzial für Burgundertrüffel 

Aus den ersten Funden will er wieder Impfstoff herstellen. Sievers lebt auch vom Verkauf von selbst gezogenen Trüffelbäumen und Beratungen rund um den Edelpilz. Eine entscheidende Rolle spielt dabei die unermüdliche italienische Wasserhündin, die schon Dutzende Fundstellen in den Wäldern des Leine- und Weserberglandes entdeckte. Die größte Knolle war etwa 350 Gramm schwer. „Ohne Woopee wäre ich nichts“, sagt Sievers und blickt liebevoll zu seinem Suchhund mit dem hellen, lockigen Fell hinunter.

Im Hitzesommer 2018 hat Sievers in Panik eine Bewässerungsanlage auf seiner umzäunten 1,2 Hektar großen Plantage angelegt. „Vielleicht hätte ich doch besser Zitronen anbauen sollen“, scherzt er. 2019 scheint dagegen ein gutes Trüffeljahr zu werden.

Das berichtet auch der 2014 gegründete Deutsche Trüffelverband. Vorstandsmitglied Ulrich Stobbe gehört zum Team der wohl größten Trüffelbaumschule Deutschlands in Radolfzell am Bodensee. „Dieses Jahr haben wir erste Kunden, die etwas finden“, berichtet der Forstwirt, der zunächst an der Universität Freiburg über Trüffel in Baden-Württemberg forschte. Die genauen Standorte wollen die Betreiber natürlich nicht verraten.

Dass Diebe über den Zaun klettern und in seiner Plantage nach Trüffeln graben, fürchtet Fabian Sievers nicht. „Das würde schon hohe kriminelle Energie erfordern“, meint er. Die größten Feinde des niedersächsischen Trüffelbauern sind die Mäuse. Daher hat er mehrere Ansitze für Greifvögel aufgestellt.

Sievers’ früherer Pilzlehrer Dieter Honstraß aus Salzgitter sieht großes Potenzial bei der deutschen Burgundertrüffel. „Überall dort, wo motivierte Könner der Szene am Werk sind, wird es in den nächsten Jahren zu einem regelrechten Boom kommen“, prognostiziert er. Experten schätzen, dass bundesweit auf 50 bis 100 Hektar Trüffel kultiviert werden. Die Trüffelkultur steckt noch in den Kinderschuhen. Doch dank Fabian Sievers und Woopee dürfen Feinschmecker von einem getrüffelten Norden träumen.

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