Johanna Rädecke

Redakteurin

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Lebendiger Bio-Betrieb als Stiftung

Gemeinnützige Hof-Imhorst-Stiftung
3. Juni 2021

Der eine hat eine nicht mehr aktive Hofstelle. Der andere das Know-how, die Erfahrung und die Mittel – aber bald keinen Hof mehr, weil sein Bio-Betrieb in Delmenhorst einer Straße weichen muss. Deshalb machen Dietrich Lange und Martin Clausen jetzt gemeinsame Sache: Sie gründen die gemeinnützige Hof-Imhorst-Stiftung. Die Rechtsform der Stiftung gewährleistet, dass der Hof nicht mehr verkauft werden kann und dauerhaft ökologisch bewirtschaftet wird. Außerdem wollen sie so Bildung und Naturschutz fördern.

v.l.: Malte Bombien, Martin Clausen, Dietrich Lange und Ulf Schönheim ©Regionalwert Stiftung Hamburg

Dietrich Lange (70) bringt den Hof Imhorst in Riede-Felde (Landkreis Verden) in die neue Stiftung ein. Der Hof wird seit 1980 nicht mehr aktiv bewirtschaftet, die Flächen sind verpachtet.

Dietrich Lange sagt: „Ich habe mich schon länger gefragt: Wie kann so ein Hof wieder mit Leben erfüllt werden? Und wie kann man sicherstellen, dass das Land dauerhaft nachhaltig bewirtschaftet wird?”

Die Antwort fand er gemeinsam mit Martin Clausen. Er muss seinen bisherigen Betrieb, den Gärtnerhof Sandhausen in Delmenhorst, Anfang 2022 aufgrund eines Straßenbauprojekts verlegen.

Martin Clausen hat den Gärtnerhof Sandhausen 1992 gegründet und zu einer erfolgreichen Demeter-Gemüsegärtnerei entwickelt. Er verfügt also nicht nur über Know-how und langjährige Erfahrung, sondern aus der Entschädigung für den Straßenbau auch über finanzielle Mittel. Diese Mittel bringt er in die Hof-Imhorst-Stiftung ein, um Investitionen zu tätigen und den Betrieb damit auf Demeter-Gemüseerzeugung umzustellen.

Martin Clausen sagt: „Hof Imhorst wird ein lebendiger Bio-Betrieb – in jeder Hinsicht. Drei junge Menschen, ausgebildet im Gemüsebau und der Landwirtschaft, werden Teil der Betriebsgemeinschaft und sie in die Zukunft führen. Rinder, Hühner, Ziegen und Bienen bringen weiteres Leben. Hecken, Teiche und Brachflächen sorgen für Artenvielfalt.”

Auf dem Betrieb will Martin Clausen ab 2022 im Freiland Bio-Feldgemüse anbauen. Dazu soll ein neues, großes Glasgewächshaus entstehen, in dem Feingemüse produziert wird. Außerdem plant der Demeter-Gärtner weitere Investitionen. Martin Clausen: „Wir wollen ein neues Gebäude errichten. Es wird Platz haben für eine Mosterei, für Fleisch- und Honigverarbeitung und für eine Küche. Dort wollen wir unsere Produkte weiter veredeln – und damit die Wertschöpfung auf dem Hof und in der Region halten.” Insgesamt rund zehn Arbeitsplätze sollen auf Hof Imhorst entstehen.

©Regionalwert Stiftung Hamburg

Bildung und Naturschutz fördern

Die Rechtsform der gemeinnützigen Stiftung gewährleistet einerseits, dass der Hof nicht mehr verkauft werden kann. Sie ist künftig Eigentümerin der Flächen und der Gebäude von Hof Imhorst. Die Betriebsgemeinschaft pachtet sie anschließend langfristig von der Stiftung. Dies ermöglicht andererseits. über die Pachterlöse gemeinnützige Aktivitäten zu finanzieren.

Martin Clausen: „Wir wollen auf dem Hof Bildungsangebote für Kinder, Jugendliche und Menschen aller Altersklassen schaffen, die Einblicke in Biolandwirtschaft ermöglichen – etwa im Rahmen der Aktionstage ‚Transparenz schaffen’. Und wir planen Naturschutzprojekte.”


Hof kann nicht mehr verkauft werden

Die Regionalwert Stiftung Hamburg – der gemeinnützige Arm der Regionalwert AG Hamburg – übernimmt die treuhänderische Verwaltung des der Hof-Imhorst-Stiftung. In diesem Rahmen achtet sie beispielsweise darauf, dass die Gemeinnützigkeit gewahrt bleibt, dass der Betrieb durch weitere Zustiftungen ausgebaut werden kann – und dass er dauerhaft ökologisch bewirtschaftet wird, auch wenn die bewirtschaftenden Personen wechseln.

Malte Bombien (45), Geschäftsführer der Stiftung und Vorstand der Regionalwert AG Hamburg: „Viele Landwirte wollen ihre Betriebe erhalten, obwohl sie keine Nachfolgerinnen oder Nachfolger in der Familie haben. Mit der Regionalwert Stiftung Hamburg können wir ihnen helfen, das umzusetzen. Und das auch mit regionaler Anbindung: Durch die Netzwerke der Regionalwert AG Hamburg und unserer Schwester-AGs sind die Nachfolgerinnen und Nachfolger nicht allein, sondern agieren mit Gleichgesinnten auf Augenhöhe – und zwar vom Acker bis zum Teller.”

Im Raum Bremen/Weser-Ems ist derzeit die siebte Bürger-Aktiengesellschaft nach dem Regionalwert-Modell in Vorbereitung. Die Hof-Imhorst-Stifter Dietrich Lange und Martin Clausen sind auch in der Gründungsgruppe der geplanten Regionalwert AG Bremen/Weser-Ems aktiv. Die Regionalwert-AGs arbeiten in einer Dachgesellschaft zusammen, der Regionalwert Impuls GmbH. Sie begleitet neue Gründungen.

Das Stiftungs-Modell lässt sich auch auf nicht-landwirtschaftliche Betriebe ausweiten, so Bombien weiter. „Mehrere Betriebe haben bereits Kontakt zu uns aufgenommen. Darunter ein weiterer Hof, aber auch ein Betrieb mit Schwerpunkt Hotel und Gastronomie sowie ein Dienstleister. Das Stichwort lautet Verantwortungseigentum”, führt Bombien aus.