Jens Mecklenburg

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Schnapsideen – BOTTLE MARKET in Bremen

19. November 2021

Am Wochenende von Freitag bis Sonntag, 19. – 21. November, kommen rund 120 internationale Hersteller, Importeure und unabhängige Abfüller in Halle 7 der MESSE BREMEN zum 7. BOTTLE MARKET zusammen, und bringen ihre Expertise und die feinsten Tropfen mit. In jeder Flasche steckt eine besondere Geschichte, und an jedem Stand kann man interessante Menschen treffen, die mit Begeisterung von ihren Produkten erzählen. Ein Überblick:

Whisky

Seit weniger als vierzig Jahren wird in Deutschland Whisky gebrannt, der auch diesen Namen tragen darf. Mittlerweile zählt der 2012 gegründete Verband Deutscher Whiskybrenner knapp 50 Mitglieder, die im kleinen, handwerklichen Stil, aber mit umso größerer Leidenschaft für das „flüssige Sonnenlicht“ (George Bernhard Shaw) brennen. Am „German Whisky Point” können Sie die älteste deutsche Malt-Destillerie kennenlernen (die „Blaue Maus“ aus dem oberfränkischen Eggolsheim) und zum Beispiel mit der Brenner-Familie Henrich aus den „Taunus Highlands” ins Gespräch kommen, deren charaktervolle Gilors-Whiskys bereits mehrfach prämiert wurden. Bei einem „Tasting-Battle“ (Sonnabend, 15.30 Uhr) entscheidet das Publikum, ob Whisky aus dem Schwabenland sich gegen die älteste taiwanesische Privatbrennerei behaupten kann. 

In Edinburgh gründeten vor fast vierzig Jahren eine Handvoll Whisky-Enthusiast:innen die „Scotch Malt Whisky Society“ (SMWS). Ihre Mission: Der pure Genuss. Das Besondere: Der Club, zu dem inzwischen Whisky-Liebhaber:innen aus 25 Staaten auf fünf Kontinenten gehören, sichert sich außergewöhnliche Single-Cask-Whiskys, und vertreibt sie mit geheimnisvollen Fantasienamen wie „Liquid Midnight” oder „Sculpture Garden“, damit kein bekannter Destillerie-Name das sinnliche Vergnügen beeinflusst. SMWS-Brand Ambassador Thom Glass aus Kiel wird bei der „After Hour“ (Sonntag, 21. November, 15 Uhr) aus dem Nähkästchen des weltweit größten unabhängigen Abfüllers von Single-Cask-Scotch plaudern. 


Gin

London Dry, New Western Style, Barrel Aged, Distilled oder Sloe: Wer mehr über die Unterschiede und die spezifischen Herstellungsprozesse erfahren möchte, muss einfach nur die GINsel mit mehr als 100 Gins aus zehn Ländern ansteuern. Dort haben sich unter anderem Kerstin und Olaf Hellhammer zur Aufgabe gemacht, auch diejenigen zu überzeugen, die bislang immer dachten, dass sie Gin nicht mögen. Quellwasser, ausgewählte Botanicals aus der Region und sehr viel Liebe zum Gin sind die Inhaltsstoffe der Wacholderschnäpse von Hellhammer, die prinzipiell als Small Batches von maximal 300 Litern (hand-) abgefüllt werden. Markenzeichen der Hellhammers ist das Chamäleon, denn auch ihre Gins sind in Verbindung mit verschiedenen Tonics wahre Verwandlungskünstler. 

Freuen darf sich die Besucherin, dass Julia Nourney trotz ihres eng getakteten Terminkalenders beim BOTTLE MARKET vor Ort ist: Sie ist als Independent Spirit Consultant, Autorin und Jurorin international gefragt und ständig in Destillerien auf der ganzen Welt unterwegs. Sie wird bei ihren beiden Tastings kein Blatt vor den Mund nehmen, wenn es darum geht, trendigen Schein von qualitativem Sein zu unterscheiden. Auf jeden Fall ist richtig guter Gin in allen 30 Flaschen, die an der Ginothek zur Verkostung bereitstehen. Julia Nourney und ihr Sohn Felix werden die Besucher:innen bei der Auswahl beraten und mit Tipps zu den besten Tonics und Garnishes versorgen. Sie erklären sicher auch, warum in den vergangenen Jahren plötzlich eine weltweite neue Liebe zum guten alten Wacholderschnaps entbrannt ist. 

Rum

Die Liebe der Norddeutschen zum Rum (oder Rhum) in ihrem Tee, Grog oder Pharisäer ist dagegen so alt und treu, dass der Zuckerrohrschnaps aus der Südsee definitiv als eingebürgert gelten kann. Beim BOTTLE MARKET präsentieren sich Bottlings aller möglichen und unmöglichen Provenienzen – eine gute Gelegenheit, der Kultur- und Handelsgeschichte auf den Grund zu gehen. Die „Bremer Liebe“ ist erst wenige Wochen jung, doch ihre Wurzeln reichen weit zurück: Im Jahr des 100-jährigen Firmenjubiläums brachte Tim Kalbhenn aus der renommierten Bremer Spirituosenhändler-Familie einen Haus-Rum auf den Markt, wie es vor ihm schon Vater und Großvater taten. In der Flasche mit dem nostalgisch-koketten Etikett steckt ein Rum aus Venezuela, der fünf Jahre lang in einem Sherryfass reifen durfte. Und tatsächlich wird seit einiger Zeit auch echt Bremer Rum hergestellt. Birgitta Schulze van Loon, die seit zehn Jahren in der Überseestadt „Piekfeine Brände“ produziert, nennt ihren Rum „Alma Norte“ – die „Seele des Nordens“ – und bezieht dafür ausgesuchte Zuckerrohrmelasse aus Mittelamerika. „Da der Rohstoff Zuckerrohr nicht in Europa wächst, handelte es sich bisher meist um im Inland verschnittene oder geblendete Importware aus Übersee, wenn von deutschem Rum die Rede war. Genau das wollten wir ändern“, sagt die Bremer Destillateurin. 


Sonst

Last but not least: Für die exklusive BOTTLE MARKET- Jahresedition 2021 wurden ein zehn Jahre gereifter Tomatin und ein neunjähriger Benrinnes ausgewählt. Kostproben der streng limitierten Festival-Bottlings gibt es an den Ständen des Scotch Club Bremen und der Highland Games Bremen. Konditorenmeister Nick van Heyningen hat die beiden schottischen Single-Cask-Whiskys in feine Pralinenkreationen verwandelt. 


BOTTLE MARKET-Öffnungszeiten: 

Freitag 16-21 Uhr, Samstag 11-20 Uhr, Sonntag 12-18 Uhr. 

Für den Eintritt gelten die „3 G-Regeln“ (Vollständige Impfung, Genesung oder tagesaktueller negativer Test) sowie eine Masken- und Abstandsempfehlung.

www.bottle-market.de