Jens Mecklenburg

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Schleswig-Holstein mit Dichters Augen

Mit Theodor Storm auf Reisen
24. Mai 2020

Wenn jemand eine Reise tut, so kann er was erzählen. Theodor Storm reiste viel und erzählen konnte er wie kaum ein anderer. Zwischen Ost- und Nordsee kann der Kulturreisende das Leben und Werk des großen Dichters gut nachspüren.

Wer sich mit Theodor Storm (1817 – 1888) beschäftigt, der will irgendwann auch wissen, wo der Dichter geboren und begraben ist, wo er gewohnt und gearbeitet hat und wo die Schauplätze seiner Gedichte und Novellen zu lokalisieren sind. Da Storm viel reiste und zahlreiche Spuren zwischen Ost- und Nordsee hinterlassen hat, kann der Interessierte auf Spaziergängen und Rundfahrten das Leben und Werk des großen Dichters gut nachspüren.    


Storm in Husum

Im Zentrum seines Lebens und Wirkens steht natürlich Husum, „die graue Stadt am Meer“. In seinem Wohnhaus residieren die Theodor-Storm-Gesellschaft und ein Storm-Museum. Eine Ausstellung zeigt Exponate zur Entstehung und Bedeutung der „Schimmelreiter“-Novelle. Von Husum aus lassen sich wunderbar den Schauplätzen und Stimmungen des „Schimmelreiters“ nachspüren. Ausgangspunkt der Storm-Reise sollte das Hotel Altes Gymnasium sein. Nicht nur, weil hier jährlich eine Storm-Tagung stattfindet, das Hotel Lesungen und Stadtrundgänge „Auf den Spuren Theodor Storms“ mit dem Storm-Kenner Heinz Mühlenbeck anbietet, sondern auch, weil der Dichter die alte Gelehrtenschule in Husum besuchte, aus der das Königlich Preußische Gymnasium wurde – das heutige Hotel Altes Gymnasium. Historie wo man nur hinschaut. Dazu passt, dass der ehemalige Rektor des Gymnasiums, Prof.  Karl Ernst Laage, einer der besten Kenner Storms ist. Auch die örtliche Tourismuszentrale bietet Stadtführungen und Lesungen an. Immer mit Tee und Friesentorte, war der berühmte Sohn der Stadt doch ein Feinschmecker. Eine harmonische Mittagstafel und eine gehaltvolle Teestunde gingen ihm über alles. Leben und Werk Theodor Storms durchzieht ein Duft von Roastbeef, Kalbsbraten, Karpfen, Käse, Schinken, Spargel, Suppen und ganz viel Kuchen. Wer als Reisende/r sein Leben und Werk authentisch nachspüren möchte, sollte also bevorzugt an guten kulinarischen Adressen seine Rast einlegen.  

Bei einem Badeaufenthalt im Kreise einer illustren Sommergesellschaft auf Sylt, ließ sich Storm die Sagen und Geschichten der Insel erzählen. Vor Ort skizzierte er seine „Sylter Novelle“. In Keitum sollte man das „Altfriesische Haus“ besichtigen. Auch Storm schaute hier im August 1887 vorbei. Der Benen-Diken-Hof am selbigen Ort ist eine gute Adresse für die Nacht, wie die Kleine Küchenkate für unkomplizierte gutes Essen. Auch Bad Segeberg hatte für Storm eine große Bedeutung, heiratet er schließlich hier 1846 seine Cousine Constanze Esmarch, die Tochter des Bürgermeisters, im bis heute erhaltenen Saal des Rathauses. Er ging gern am Segeberger See spazieren, dort residiert bekanntermaßen das Vitali Seehotel. Von außen nicht besonders schön aber man hat einen tollen Blick auf den See und Speis & Trank sind auf gutem Niveau. 


Hübsche Mädchen, kernige Katenschinken

Wer sich auf die Spuren Storms begibt, kann Schleswig-Holstein richtig gut kennenlernen. Bezugspunkte und Stationen waren für den Dichter u.a. Bredstedt, Flensburg, Föhr, Friedrichstadt, Hademarschen – hier zog es ihn nach seiner Pensionierung aus Husum hin um, wie er seinen Sohn schrieb, sich zu „verjüngen“ und als „Poet noch eine neue Periode (zu) erleben“ – Hadersleben, Heiligenhafen, Kiel – hier hat er vier Jahre Jura studiert – Lübeck, Nordstrand, Preetz, Rendsburg, Schleswig, Westermühlen.

Die Orte, Landschaften und Menschen, die Storm während seiner Reisen kennenlernte, beeinflussten ihn als Mensch und Künstler stark, finden sich in vielen seiner Werke wieder. Erreichte der Dichter seine Ziele damals mit der Kutsche, kann der Reisende heute wählen und auf Automobil, Fahrrad, Bus und Bahn zurückgreifen.  Über seine Heimat schrieb er: „In Holstein sind vor allem drei Dinge zu rühmen: die Luft, die hübschen Mädchen und die kernigen Katenschinken“. Nun, jede Zeit hat ihren Blickwinkel. 

In einem Brief wünschte Strom einen Freund aus Schleswig, der den Dichter Gottfried Keller in Zürich besuchen wollte, eine „glückliche Reise“. Die sei jedem Reisenden, gerade in Corona-Zeiten, vergönnt. Wenn jemand eine Reise tut – mit Theodor Storm kann er auf jeden Fall viel sehen und erleben.   


Literaturtipps:

Wer den Menschen, Dichter und Reisenden Theodor Storm kennenlernen möchte, kommt an Prof. Dr. Karl Ernst Laage, Gründer des Husumer Storm-Museums und Ehren-Präsident der Storm-Gesellschaft, nicht vorbei. Ob Biographie, sein Werk als Dichter, seine Liebesqualen, seine Zweifel an der Religion – Laage kennt sich bestens aus. Zum Thema „Reisen mit Theodor Storm“ sind von ihm folgende im Husumer Boyens-Verlag erschienene Bücher zu empfehlen: Theodor Storm auf Sylt. Mit Storm auf Schritt und Tritt. Reisebegleiter durch Husum und Nordfriesland.  

Wer sich mit anderen Dichtern durch den Norden bewegen möchte, u.a. mit Hans Christian Andersen, Theodor Fontane und Heinrich Heine, dem sei dieses feine Buch empfohlen: Frank Trende: Literarisches Reisen zwischen Nord- und Ostsee. Auf den Spuren berühmter Dichter unterwegs in Schleswig-Holstein. Boyens Verlag, 128 Seiten, 19.90 Euro

Theodor Storm. Foto: Wiki Commons/ Schleswig-Holsteinische Landesbibliothek Kiel