Jens Mecklenburg

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Rauer, robuster Ostseebewohner

Rauwolliges Pommersches Landschaf
31. Mai 2021

Schon im 13. Jahrhundert weidete das Rauwollige Pommersche Landschaf in Schlesien. Von dort breitete es sich nach Polen, Preußen und Mecklenburg aus. In Pommern war es über lange Zeit das beliebteste Schaf. Vor allem weil es allen widrigen Witterungen wie Regen, Nässe und kaltem Wind trotzte und seine grobe Wolle für warme Kleidung gut geeignet war. Das hornlose, mittelgroße Schaf mit dem schmalen Körper und den typischen langen, leicht hängenden Ohren wehrte erfolgreich alle Kreuzungsversuche mit anderen Schafrassen ab, die auf feinere Wolle und mehr Fleisch abzielten.

Rauwolliges Pommernschaf © Ingo Wandmacher

Das graue bis blaugraue Pommernschaf blieb, wie es war. Die kleinbäuerlichen Schafhalter an der Ostsee hatten damit auch lange keine Probleme, denn das Pommernschaf ist genügsam, für die Haltung in kleinen Gruppen gut geeignet und an das raue Ostseeklima angepasst. Die Natur war mit dem Schaf im Reinen, aber der Mensch irgendwann nicht mehr. Der Trend zu mehr Fleisch auf den Rippen und immer feinerer Wolle (die Wolle des Merinoschafs brachte viermal so viel Geld) machte das Pommernschaf unpopulär. Von einst 210.000 (im Jahr 1912) auf 46 Mutterschafe (im Jahr 1982) sank die Population in Deutschland. Die UNO setzte die alte Landrasse auf die Rote Liste der vom Aussterben bedrohten Haustierrassen. Zum Glück nahmen sich engagierte Züchter in den 80er- und 90er-Jahren des Schafs an und sicherten den Fortbestand der Rasse. Heute genießt das Rauwollige Pommersche Landschaf wieder große Wertschätzung, besonders bei Haltern mit kleinen Beständen, bei denen der kulinarische Genuss, die Wollqualität und die Robustheit der Tiere im Vordergrund stehen. Bundesweit soll es wieder einige Tausend geben. An der Ostsee sind sie vor allem als Landschaftspfleger im Einsatz, gelegentlich sieht man auch einige Exemplare mit Wanderschäfern durch die Lande ziehen. 


Fleisch und Wolle von bester Qualität 

Das Fleisch ist gesund, weil relativ mager, enthält viele B-Vitamine und Mineralstoffe wie Natrium, Kalium, Calcium und Eisen. Der durchschnittliche Cholesteringehalt ist vergleichbar mit Rindfleisch oder Geflügel. Kulinarisch ist das Pommernschaf eine Offenbarung: Es ist grobfaseriger und magerer als die handelsüblichen Fleischschafrassen, dabei mild und zart, aromatisch und saftig und verfügt über eine leichte Wildnote. Am besten schmeckt das Fleisch von sechs bis neun Monate alten Lämmern. 

Wer auf das Fleisch verzichten möchte, kann sich an einem wärmenden Kleidungsstück aus der in sämtlichen Grautönen existierenden Wolle erfreuen. Von Hell- bis Schwarzgrau ist alles vertreten. Zwischen drei und fünf Kilo Wolle gibt ein Pommersches Landschaf im Jahr. Seine Wolle ist nicht so fein wie die von Merinoschafen, dafür dringen aber auch keine Regentropfen ein, sie perlen am mischwolligen Schaf einfach ab. Das Vlies enthält kurze, mittellange und lange Haare, es hat sich dem rauen Ostseeklima optimal angepasst. Dadurch wird der Träger der Wolle entweder gewärmt oder gekühlt, je nach Jahreszeit und Erfordernis. Auf jeden Fall ist man immer gut geschützt. Dies gilt sowohl für die Rauwolligen Landschafe als auch für uns Menschen.