Barbara Maier

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Odefey & Töchter

Weidehühner aus der Lüneburger Heide in Spitzenqualität
22. Juli 2022

Im Osten der Lüneburger Heide liegt der zehn Hektar große Geflügel-Hof Odefey & Töchter. Das Besondere bei Lars Odefey sind nicht nur die tierfreundlichen mobilen Hühnerstelle, sondern auch die außergewöhnlich gute Qualität seiner Weidehühner. Nicht nur Spitzenköche sind entzückt.

Lars Odefey ©Mario Laabs Ancora Film

Tierfreundliche Hühnerhaltung

Nachdem Lars Odefey das Studium für Ökologischen Landbau abgeschlossen hatte, arbeitete er an verschiedenen Orten und Höfen. Die letzten drei Jahre vor der Übernahme des elterlichen Hofes betreute der heute 37-jährige das Projekt „Nachhaltigkeit in der Fleischverarbeitung“ der Bellgruppe Schweiz. Nach dessen Beendigung zog es ihn zurück nach Hause. Im Sommer 2016 übernahm er die kleine Landwirtschaft im Osten der Lüneburger Heide von seinen Eltern. Schon sein Vater hatte sich Anfang der 2000er ganz der Hühnerhaltung verschrieben. Im Frühjahr 2017 gründete Lars Odefey & Töchter.

Auf zehn Hektar stehen Nachhaltigkeit, bäuerliches Handwerk und Tierwohl im Fokus. Schlupf, Aufzucht, Freilandhaltung und Schlachtung – alles geschieht so sorgsam wie möglich in einem Radius von weniger als 300 Metern.

Das Klima der Region, guter Boden und die richtige Pflege bieten Hühnern und Enten optimale Lebensbedingungen auf den eigenen Weiden. Ein wenig stolz erzählt Lars „Aus Verbundenheit zu diesem Stück Land und wegen des Bewusstseins für die Endlichkeit natürlicher Rohstoffe, verzichten wir vollständig auf den Einsatz von chemischen Pestiziden und die Verwendung chemisch-synthetischer Mineraldünger. Das Anlegen von Hecken und das Pflanzen von Obstbäumen auf dem Areal sorgen für intakte Öko-Systeme, in denen wichtige Nützlinge einen Lebensraum finden. Gleichzeitig bietet der Bewuchs unserem Geflügel natürlichen Schutz vor zu viel Sonne und tierischen Feinden. Ganz nebenbei dient ein ausgiebiges Sandbad der Körperhygiene und beugt darüber hinaus sogar Krankheiten vor.“

©Odefey & Töchter

Küken

Die Junghühner fangen im Alter von 20 oder 21 Wochen an, selber Eier zu legen. Diese ersten Eier sind wesentlich kleiner als die später folgenden und wiegen gerade mal etwa 27 Gramm. Ein Teil der Eier wird für den menschlichen Verzehr genutzt, der andere Teil für die Züchtung. 

Dank moderner Brutschränke können die Küken unter optimalen Bedingungen schlüpfen und haben im Anschluss bei Wohlfühltemperatur und auf Stroh gehalten vier Wochen Zeit, im Stall zu wachsen. Sie bekommen Federn und sind dann robust genug, um auf die umliegenden Wiesen gebracht zu werden. Je nach Rasse wachsen die Hühner 8 bis 22 weitere Wochen unter freiem Himmel und in mobilen Ställen heran. In dieser Zeit erreichen die Tiere ein Lebendgewicht von etwa  2,5 Kilogramm. Dabei nehmen die Hähne schneller zu als die Hennen.


Robuste Rassen

Viel Platz und Ruhe sind wichtig für das Wohlbefinden der Tiere, davon ist Lars Odefey überzeugt. Daher hält er seine zwischen 2.500 bis 3.500 Tieren bestehende Hühnerschar nur kleinen Gruppen von 300 bis 400 Tieren auf den Weiden. Das hört sich für manch einen Stadtmenschen erst einmal viel an, ist jedoch im Vergleich mit anderen Geflügelzüchtern tatsächlich eine kleine Menge. Schon auf modernen Bio-Betrieben werden zwischen 70.000 und 90.000 Hühner gehalten. Bei den konventionell arbeitenden Geflügelmästern, wie zum Beispiel Wiesenhof, werden täglich etwa 440.000 Hühner allein an dem Standort Lohne geschlachtet. Die Hühner dort haben dann gerade mal ein Alter von 32 Tagen erreicht. Hier in der Lüneburger Heide werden die Hühner durchschnittlich nach etwa 120 Tagen geschlachtet.

Die vier verschiedenen Hühnerrassen auf dem Hof sind alle Kälteresistent und zweinutzungsfähig. Die vom Geflügelzüchter gewählten Hühnerrassen (Weidehühner, Bresse Gauloise, Sulmtaler Huhn und Marans) sind für die Freilandhaltung dank ihrer Robustheit besonders gut geeignet. Sie sind sehr bewegungsfreudig und legen nur langsam an Gewicht zu. Genau dieses Extra an Zeit sorgt für ihren einzigartigen Geschmack. Je nach Rasse haben die Hühner zwischen 16 und 26 Wochen Zeit zu wachsen und Fleisch anzusetzen. 

Bresse-Hühner ©Mario Laabs Ancora Film

Der Hühnerexperte erzählt; „Die Bress-Hühner sind im Vergleich zu den Marans eher etwas gemütlich und bevorzugen, wenn sie wählen können, die Wärme. Die Marans dagegen, immer in leicht hektischer Betriebsamkeit unterwegs, springen locker über 1,50 Meter hohe Zäune. 

Die Sulmtaler wiederum sind wunderhübsch anzusehen und anhänglich. Selbst die Nächte würden diese Hühner am liebsten draußen verbringen. In der Anfangszeit kam es öfter vor, dass sich einige von ihnen überlegt hatten, die Nacht auf dem Kirschbaum zu verbringen. Ich musste sie an diesen Abenden alle einzeln aus dem Baum herauspflücken. Zu groß ist die Gefahr, dass sie nachts von Mardern, Füchsen, Katzen oder freilaufenden Hunden erlegt werden. Die Sulmtaler stehen bereits auf der roten Liste der vom Aussterben bedrohten Nutztierrassen.“

Eine Henne dieser Rassen legt durchschnittlich jeden zweiten Tag ein Ei. 

Eine moderne, konventionelle Legehybride (Legehenne) legt 330-340 Eier pro Jahr, ist dann aber so ausgelaugt, dass sie geschlachtet und als Suppenhuhn für Cent-Beträge verramscht werden muss.

Die Eier, die nicht für die Züchtung gebraucht werden, sind meistens schon an die Familie, den Freundeskreis und ausgewählte Gastronomie vergeben. Doch manchmal hat man als Hühnerfleischkunde auch Glück und bekommt noch ein paar Weideeier dazu.

Besonders stolz ist Odefey auf die eigene Elterntier-Herde, die hier seit 2020 gehalten wird. Dank ihr ist er in der Lage, direkt auf dem Hof reinrassige Bresse-Hühner und eine Kreuzung aus Marans-Hennen und Bresse Gauloise-Hähnen zu züchten.


Landschaftspflege & Futter

Die Fütterung bei Odefey und & Töchter erfolgt noch ganz traditionell von Hand. Nur so kann die Entwicklung der Hühner genau beobachtet und gleichzeitig für eine vertrauensvolle Beziehung zwischen Mensch und Tier gesorgt werden. Die kleine Tochter Emilia (9) liebt es die Küken zu füttern. Bei den Futtermitteln wird auf Bio-Qualität und die langjährige Erfahrung des Lieferanten, dem Landwirtschaftsbetrieb Meyerhof zu Baakum, gesetzt. Eine ausgewogene Mischung aus heimischen Eiweißquellen und verschiedenen Getreidesorten sorgen für ein gesundes Wachstum der Hühner. Auf den weitläufigen Weiden haben sie zudem ausreichend Gelegenheit zu picken oder zu scharren und zusätzliche wichtige tierische Eiweißkomponenten zu finden – also Insekten oder kleine Würmer.

Die Weiden teilt sich das Geflügel seit 2019 mit einer kleinen Herde  Shropshire Schafen. Hierbei handelt es sich um eine Hausschafrasse, die ursprünglich aus der englischen Grafschaft Shropshire stammt. Die Schafe kümmern sich auf dem Hof um eine natürliche Landschaftspflege und schützen darüber hinaus die freilaufenden Hühner vor Angriffen von Greifvögeln und Füchsen. Hündin Lotta wiederum obliegt der Schutz von Schafen und Familie.

Hofgebäude ©Odefey & Töchter

Schlachtung

Haben die Hühner ein Lebendgewicht von etwa 2,5 Kilogramm erreicht, werden sie am Abend bei einbrechender Dunkelheit eingefangen. Anschließend werden die Hühner in einen abgedunkelten Warteraum gebracht, wo sie zur Ruhe kommen und die Nacht verbringen können. Am nächsten Morgen werden sie im hofeigenen Schlachthaus betäubt und schmerzfrei getötet.

Nicht nur aus Achtung seinen Tieren gegenüber legt der Hühnerflüsterer großen Wert darauf, auch diesen letzten Abschnitt ihres Lebens so respektvoll und vor allem so stressfrei wie möglich zu gestalten. Eine ruhige und stressfreie Schlachtung ist auch Grundvoraussetzung für die außergewöhnlich gute Fleischqualität. 

„Unruhe und Aufregung zum Beispiel durch einen langen Transportweg auf der Straße zum oft weit entfernten Schlachthof verursachen bei den Tieren großen Stress. Der Körper der Tiere produziert Stresshormone und diese lassen das Fleisch wässrig werden“, so Lars Odefey. 

Für die Schlachtung hat Lars Odefey eine außergewöhnlich qualitätsfördernde und sehr selten gewordene Methode gewählt, die er sich in Frankreich auf Geflügelhöfen mit handwerklicher Schlachtung abgeschaut hat. Hierbei wird nur zum Brühen des Federkleids Wasser benötigt. Das Ausnehmen der Hühner geschieht trocken. Somit gelangt kein Wasser in die Schlachtkörper. Dies ist mikrobiologisch vorteilhaft und ermöglicht eine besondere Fleischreife, die sich unmittelbar auf den Geschmack auswirkt.

Die nun küchenfertigen Hühner werden bei optimalen +2 Grad Celsius in den eigenen Kühlräumen gelagert und schnellstmöglich über den Online-Shop versendet. Selbstabholer können immer mittwochs Abend direkt auf dem Hof ihre vorbestellten Hühner mitnehmen.


Spitzenköche als Kunden

Die nachhaltige und stressfreie Tierhaltung, auf die der Hühnerzüchter besonderen Wert legt, spiegelt sich auch in der erstklassigen Qualität des Geflügelfleisches wider. Herrlich zart und saftig haben sich die Weidehühner von Odefey & Töchter bereits über die Grenzen Norddeutschlands hinweg einen Namen gemacht. Regelmäßig beliefert Odefey an die dreißig Spitzenrestaurants. Seine Hühner sind nicht nur in der Gastronomie im Norden, sondern auch in Wien und im Rheinland begehrt. Zu seinen Kunden zählen auch das Hamburger Restaurant 100/200 von Thomas Imbusch, Nobelhart & Schmutzig in Berlin und das Aqua in Wolfsburg – allesamt Sterneküchen. 

Um das hofeigene Schlachthaus und die Aufzuchtställe der Küken mit Strom zu versorgen, hat er 2019 und 2020 Photovoltaik Anlagen mit einer Leistung von insgesamt 20 Kilowatt und dazugehörigem Batteriespeicher installiert. Lars Odefey träumt davon, auf dem Hof ein Grillrestaurant zu bauen. So richtig rustikal und mit Holzkohle Grill. So geht tierfreundliche, nachhaltige und genussvolle Hühnerhaltung.


Lars Odefey

Mehrer Straße 1
29525 Hansestadt Uelzen

Tel. 0581 / 43 32 6
Mobil: 0152 / 21 74 90 16

Marans Huhn ©Odefey&Töchter

lars@odefeyundtoechter.de

https://odefeyundtoechter.de/