Jens Mecklenburg

Herausgeber & Autor

Zum Portrait

Norddeutscher-Schotte mit keltischen Vorfahren

Angusrind
29. Juli 2020
Angus Rind © Ingo Wandmacher

Das Angusrind wurde vor 200 Jahren in Schottland aus alten keltischen Landschlägen gezüchtet. Die Viehzüchter an der schottischen Ostküste reagierten als Erste auf die sich durch die Erfindung der Eisenbahn und der Dampfschifffahrt bietenden Marktchancen. Vorher war mit schottischen Masttieren kein Geschäft zu machen, da sie auf den langen Fußmärschen zu den Märkten und Schlachthöfen von Birmingham und Manchester zu viel Gewicht verloren. Mit der Eisenbahn wurde alles anders. Die gewitzten Schotten züchteten mit dem Angus die erste reine Fleischrasse, die hornlos war und sich daher besonders gut für die Reise mit der Bahn eignete (keine Verletzungsgefahr). Auch wurde das Angus nicht – wie damals noch üblich – als Arbeitstier, sondern allein für den Fleischverzehr gezüchtet. Das Aberdeen Angus wurde im 19.Jahrhundert ein Exportschlager, viele Länder bauten mit den Angusrindern eigene Zuchten auf. In den 1950er-Jahren kamen die ersten Tiere auch nach Deutschland, vor allem in den Norden. Hier wurden sie mit dem schwarzbunten Niederungsrind gekreuzt. In dieser Zeit wurde die Basis für ein deutsches Angus geschaffen. Das ideale Rind für die aufkommende Mode, Rindfleisch nicht nur als Gulasch und Sauerbraten zu verzehren, sondern auch als kurz gebratenes Steak, ist das Fleisch der Tiere doch besonders delikat – feinfaserig, zart und gut marmoriert. Die Hinterläufe des mittelgroßen Angusrindes als Träger der wertvollen Teilstücke wie Beefsteak, Rumpsteak oder Filet sind besonders ausgeprägt. 


Mit sich im Reinen 

Die mittelrahmigen, lang gestreckten, meist schwarzen Tiere – es gibt aber auch braune, graue und rote – haben ein ruhiges, ausgeglichenes, geradezu friedfertiges Wesen und Temperament. Die Kühe sind bereits mit 15 Monaten geschlechtsreif. Die meisten kalben erstmalig nach nur zwei Jahren und kommen in der Regel ohne menschliche Hilfe aus. Die Kühe verhalten sich sehr mütterlich. Eine ausgewachsene Kuh wird 700 bis 800, ein Bulle bis 1.200 Kilogramm schwer. Deutsche Angusrinder sind wie ihre schottischen Vorfahren robust und daher für eine ganzjährige Freilandhaltung gut geeignet. Die Rasse wird heute besonders in der Mutterkuhhaltung eingesetzt. Mit circa 10.000 in den Herdbüchern der Landesverbände eingetragenen Zuchttieren ist das Angus in keiner Weise gefährdet, es gehört aber auch nicht zu den „Turborindern“ für die Billigfleischverramschung im Discounter. Das Angus ist ein solides Rind für eine solide bäuerliche Landwirtschaft, daher ist es besonders bei Biobauern beliebt. Es wird aber auch zunehmend gern von Nebenerwerbslandwirten gehalten, denn für die Haltung ist nur ein geringer Arbeitsaufwand nötig. In optimaler Umgebung ist das Rind mit sich im Reinen. Das schöne, freundliche und vitale Tier mit seinen schottisch-deutschen Wurzeln kann allerdings nur bei artgerechter Haltung seine hervorragende Fleischqualität erreichen. Aber dagegen ist ja nun wirklich überhaupt nichts einzuwenden.

 

Zur Besprechung:

Lob der alten Haus- und Nutztiere