Jens Mecklenburg

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Kirschen sind wie Küsse

Rarität mit Biss: Große Prinzessin-Kirsche
1. Juli 2020

„Kirschen sind wie Küsse, man kann nicht genug davon bekommen“, sagt ein italienisches Sprichwort. Von der Großen Prinzessin-Kirsche kann man in der Tat nicht genug bekommen.

Bei den zum Steinobst zählenden Kirschen unterscheidet man Süß- und Sauerkirschen. Beide sind Rosengewächse, gehören aber verschiedenen Arten an.

Die Süßkirsche (Prunus avium), um die es hier geht, stammt von der im Kaukasus wild vorkommenden Vogelkirsche ab. Die Heimat der kultivierten Sorten ist Kleinasien, insbesondere die Gegend rund um das Schwarze Meer. Von dort brachte der römische Feldherr und Feinschmecker Lucullus 74 v. Chr. die ersten Früchte mit nach Rom. Die Römer waren es auch, die die Süßkirsche nach Mittel- und Nordeuropa brachten. Dort kannte man Kirschen zwar schon, aber nur in ihrer Wildform.

Die Kirschsaison ist bei uns im Norden im Juli und August. Es gibt zwei Arten von Süßkirschen: Die zuerst reifende Herzkirsche mit weichem Fleisch und die etwas festere Knorpelkirsche, die es seit dem 18. Jahrhundert gibt. Zur letzteren Art gehört die Große PrinzessinKirsche, eine bis heute bei Kennern hoch geschätzte Sorte.

Man kann nicht genug von ihr bekommen

„Kirschen sind wie Küsse, man kann nicht genug davon bekommen“, sagt ein italienisches Sprichwort. Von der Großen PrinzessinKirsche kann man tatsächlich nicht genug bekommen. Schon im Frühjahr bezaubert sie uns mit ihrer Blütenpracht, und im Sommer hängen ihre Zweige übervoll mit glänzend roten Fruchtbüscheln. Die Prinzessin ist vollmundig im Geschmack mit festem aber durchaus saftigen, herrlich süßem Fleisch. Die alte Sorte entstand um 1820, steht noch heute in vielen Hausgärten und bereitet ihren Eigentümern Vergnügen.

Süßkirschen gehören zu den beliebtesten Obstarten und haben an Inhaltsstoffen so einiges zu bieten: wichtige Mineralstoffe wie Kalium, Calcium, Phosphor, Magnesium und Zink, die Vitamine A, B, C und E sowie bioaktive Substanzen, zum Beispiel die Anthozyane (rot-violette Pflanzenfarbstoffe), die entzündungshemmend wirken. Früher fand (fast) der ganze Kirschbaum als Heilmittel Verwendung. So diente zum Beispiel der in Wein aufgelöste Baumharz als Hustensaft. Die Kirschkerne wurden in ein Säckchen eingenäht und dienten als Heizkissen  heute wieder in Mode.

Die große PrinzessinKirsche schmeckt – wie alle Knorpelkirschen  frisch vom Baum am besten, sie eignet sich aber auch hervorragend als Kuchenbelag, kann – gerne in Kombination mit Beeren  zu Grütze gekocht oder zu Kompott oder Konfitüre verarbeitet werden. Besonders delikat schmeckt die Große PrinzessinKirsche in gute flüssige Schokolade getaucht – eine traumhafte Kombination. An dem italienischen Sprichwort von Kirschen und Küssen ist was dran.

Große Prinzessin-Kirsche. Foto: Ingo Wandmacher