Jens Mecklenburg

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Aromawunder Erdbeere

Mieze Schindler
30. April 2020

Erstveröffentlicht am 25. Juni 2019

Der Sommer naht und für die meisten bedeutet dies auch herrliches Schlemmen frischer Erdbeeren, deren rote Früchte für alte und junge Schleckermäuler puren Genuss versprechen. Eine Sorte sticht besonders heraus: Mieze Schindler.

Die Sorte “Mieze Schindler” ist wohl die zarteste Erdbeere der Welt. Foto: Ingo Wandmacher

Der Sommer ist da und für die meisten bedeutet dies auch herrliches Schlemmen frischer Erdbeeren, deren rote Früchte für alte und junge Schleckermäuler puren Genuss versprechen. „Strawberry fields forever“ huldigten schon die Beatles dem Früchtchen und „Ich bin so wild nach deinem Erdbeermund“, schrieb der französische Dichter François Villon und gedachte dabei durchaus ihrer (ihr zugeschriebenen) erotischen Wirkung. Dabei war sie ursprünglich in der christlichen Mythologie Maria geweiht und galt als Symbol der Keuschheit. So keusch und harmlos, wie die modernen auf Massenertrag getrimmten Sorten häufig schmecken.

Da freut es doch die Liebhaber des Rosengewächses, dass vermehrt wieder alte, schmackhaftere Sorten angeboten werden. Wie die Mieze Schindler, die wohl zarteste Erdbeere der Welt. Die beliebte Gartenerdbeere (Fragraria ananassa) überlebte in norddeutschen Hausgärten und vor allem in den Schrebergärten der DDR. 

Liebeserklärung an seine Frau

Der Geheimrat Professor Otto Schindler aus Dresden züchtete sie 1925 aus den Sorten „Lucida Perfecta“ und „Johannes Müller“ und benannte sie nach seiner geliebten Frau Maria, die er Mieze nannte. Die Ur-Gartenerdbeere war übrigens vermutlich eine zufällige Kreuzung zwischen der südamerikanischen Chile-Erdbeere und der Scharlacherdbeere aus Nordamerika und nicht, wie oft beschrieben, aus der Walderdbeere. Anfang des 18. Jahrhunderts soll sie Amédée Frezier, ein französischer Marine-Offizier, mit nach Europa gebracht haben. Dabei ist das kleine Früchtchen genau genommen auch keine Beere, sondern eine Sammelnuss. Die Blätter der Mieze sind dunkelgrün gefärbt und tragen mittelgroßen Früchte in kleiner Anzahl. Moderne Hochleistungserdbeeren bringen 20 bis 25-fachen Ertrag. Doch das macht die Mieze Schindler doppelt wett: durch ihren unvergleichlichen süß-aromatischen Geschmack, der an die Walderdbeere erinnert und in den modernen Sorten nicht mehr zu finden ist.

Mit ihrer karminroten Farbe ist sie übrigens auch eine Augenweide für jeden Garten. Auch Wissenschaftler empfehlen sie: aufgrund ihres hohen Gehalts an Vitamin C sorgen sie dafür, dass wir das Eisen in den Beeren gut nutzen können. Auch in anderer Hinsicht können andere Früchte ihr oft, im wahrsten Sinne des Wortes, das Wasser nicht reichen, denn sie bestehen zu 90 Prozent aus dem Element (was gute Stimmung verbreitet, ohne die Hüften zu verbreitern). Die Mieze ist zart, feingliederig und zerbrechlich und möchte sanft und pur genossen werden. Für Kuchen, Kompott und Konfitüre ist sich das „Aromawunder“ viel zu schade.

Erdbeerbowle. Foto: Ingo Wandmacher