Jens Mecklenburg

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Heimatjuwel Hamburg

Sinnlich-genussvolle Küche aus und für die Region
8. November 2022

„Warum in die Ferne schweifen – denn das Gute wächst so nah”, ist das Heimatjuwel-Prinzip von Marcel Görke. In seinem stilvoll wie gemütlich eingerichtetem Restaurant bietet er heimische Küche auf höchstem Niveau. Gekocht wird strikt saisonal, die Menüs folgen dem Wechsel der Jahreszeiten. Wichtig ist Görke dabei, möglichst lokale Zutaten in Bio-Qualität zu verwenden, die von kleinen Lieferanten stammen. Man kennt sich, tauscht sich auf Augenhöhe aus. Das Beste aus der Region ist für seine Gäste gut genug.

© Heimatjuwel

Weil Marcel Görke ein kreativer Kopf ist, versucht er die Heimatküche neu zu interpretieren, zum Beispiel das geschmacklich Beste aus einem jeden Gemüse herauszuholen. Einerseits ist er bodenständig, kein Show-Koch, andererseits ein Trendsetter in Sachen neue norddeutsche Küche. Bei ihm kommt sie geschmacksintensiv, spannend und mit Pfiff aus der Küche. Mittlerweile häufig vegetarisch, ohne dass man als überzeugter Omnivore Fleisch und Fisch vermissen würde. Auch dies ein untrügliches Zeichen für die hohe Kochkunst seiner „grünen Küche“.

Vom Bauernhof auf den Teller

Nachhaltigkeit ist hier kein Trend, sondern gelebte Philosophie. Sein konsequentes „Farm to table“-Konzept, er spricht lieber von „vom Bauernhof auf den Teller“, vermittelt nicht nur ein gutes ökologisches Gefühl, sondern spricht auch gekonnt alle Sinne an, erlaubt auch Gourmets von einer besseren da verantwortungsvollen kulinarischen Zukunft zu träumen. Auf den Tellern findet immer ein belebendes Spiel aus Frische, Säure und Süße statt. Wie sinnlich zum Beispiel eine scheinbar profane Lauchstange schmecken kann, zeigt Görke, beim gedämpften Porree im Mohnmantel auf einer Sauce von fermentiertem schwarzem Knoblauch.

© Heimatjuwel

Für einen guten Koch ein klassisches Gericht mit Fleisch oder Fisch anständig zuzubereiten, ist eine einfache Sache. Aber was zaubert er oder sie aus einer Stange Lauch, aus winterlichen Zitrusfrüchten, aus einem Früh-Rhabarber oder aus einem wilden Brokkoli? Erst hier zeigt sich, was ein Koch oder eine Köchin wirklich draufhaben. Ob man aus scheinbar einfachen Dingen der Region Juwelen zaubern kann. Görke kann es.

Abenteuer Regionalküche

Bei Görkes Menü, dessen Gänge nach Farben betitelt sind, muss man sich als Gast nur zwischen vier, fünf oder sechs Gängen sowie beim Hauptgang für die vegetarische oder nicht-vegetarische Alternative entscheiden.

Die Variationen von Bunten Beten machen Lust auf mehr Abenteuer. Kürbis, Fermentierter Spargel, Molke sind erdig und doch geschmacklich sehr lebendig.

© Heimatjuwel

Onglet vom Holsteiner Rind, Weißkohl und Sanddorn, Schokolade und Dill zum Dessert bereiten einfach Freude. Alle Darbietungen sind feinmotorisch und geschmacklich gelungen.

Der Gesamteindruck vom Heimatjuwel ist hervorragend. Marcel Görke ist kein Koch, der seine Gäste wortreich unterhält. Er sprich mit seinen Gästen durch Taten. Er überzeugt lieber mit gewitzten Texturen- und einem tollen Aromenspiel aus lokalen Ingredienzen.

Zum Gesamtkunstwerk gehört auch der erfrischend unkomplizierte, jederzeit aufmerksame Service, das Wein- und Getränkeangebot – tolle korrespondierende Naturweine werden offeriert – sowie last but not least das hervorragende Preis-Genuss-Verhältnis. So geht moderne Heimatküche. Sie übernimmt Verantwortung für Umwelt, Tiere und Menschen der Region und sie bewegt: geschmacklich und sinnlich.

Heimatjuwel
Stellinger Weg 47
20255 Hamburg
Tel. 040 / 421 069 89
info@heimatjuwel.de
https://heimatjuwel.de/

Öffnungszeiten:
Dienstag – Donnerstag, 18:00 Uhr – 23:00 Uhr
Freitag – Samstag, 17:30 – 23:30 Uhr
Sonntags und montags geschlossen.
4 Gang-Menü 69 Euro, 5 Gänge 79 Euro, 6 Gänge 95 Euro, Weinbegleitung von 39 – 57 Euro.

© Heimatjuwel