Johanna Rädecke

Redakteurin

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Es trommelt und wiehert in Wald & Flur

Die Kunst der Vogelbalz
5. März 2021
Buntspecht ©NABU/ Tom Dove

Wer dieser Tage durch den Wald spaziert, hat gute Chancen, Spechte zu beobachten. Sie trommeln, wiehern und tschirpen äußerst auffällig. Eine kurze Zeit nur machen die ansonsten eher heimlichen Tiere auf sich aufmerksam, wobei ihr eigentliches Augenmerk dem anderen Geschlecht gilt. Naturfreunden ermöglicht das auffällige Gebaren gute Beobachtungsmöglichkeiten.

„Ein Fernglas ist im Wald jetzt Pflicht“, findet der Bremer NABU-Geschäftsführer Sönke Hofmann, „auch wenn die Spechte balzen, bleiben sie doch scheu und man kann sie am besten versteckt und nur aus einigen Metern Entfernung beobachten.“ Je älter der Baumbestand sei, umso bessere Chancen böten sich, Bunt-, Grün- oder gar den Schwarzspecht zu hören und zu sehen. Vom Leiden der Wälder in den Dürresommern haben die Spechte enorm profitiert, schließlich ernähren sie sich hauptsächlich von Insekten wie den Borkenkäfern.

Grünspecht ©Miriam Link

Trommelwirbel für die Liebe

Während die häufigste Art, der Buntspecht, vor allem trommelt und sich mit seinen zweisekündigen Wirbeln verrät, setzt der Grünspecht auf seine Stimme. „Das klingt, als ob jemand wiehert oder einen auslacht“, weiß der kundige Vogelbeobachter Hofmann, „der Grünspecht trommelt zwar auch, aber seltener und recht leise.“ Meist nutzt der Grünspecht verlassene Spechthöhlen oder versucht sich selbst an morschem Holz, so Hofmann.

Seine Lieblingsnahrung hat der Grünspecht mit dem größten Specht, dem Schwarzspecht, gemein: Ameisen. Beide können minutenlang am Boden nach den Insekten herumstochern. Der gut krähengroße Schwarzspecht zimmert seine geräumigen Höhlen jedoch selbst. Dafür braucht er dicke Bäume, am liebsten Buchen, die mindestens einen halben Meter Durchmesser haben sollten.

Schwarzspecht ©Tom Dove

„Neben seinen gut drei Sekunden langen Trommelwirbeln ruft der Schwarzspecht ‘drrü, drrü, drrü’, das ist recht auffällig“, erklärt der gelernte Förster. Schwarz- und Buntspecht suchen sich gerne hohle Stämme, trockene Äste oder auch Nistkästen für ihre Balztrommelei – Hauptsache ein guter Resonanzboden lässt die Wirbel weit klingen. 

Dabei trommeln auch die Weibchen, wenngleich weniger häufig und laut.

„Mit rund 20 Schlägen pro Sekunde trommelt ein Specht und bekommt dennoch keine Kopfschmerzen“, staunt Sönke Hofmann, „das liegt an der Halterung des Schnabels in starken Muskeln und Sehnen, die die Kräfte teilweise in Drehbewegungen umsetzen.“ Jeder Schlag entspricht einem Aufprall mit rund 25 Kilometern pro Stunde, die dabei wirkenden Bremskräfte sind gut hundert Mal so stark wie bei landenden Astronauten.

Der bekannteste und verbreitetste „Baumeister des Waldes“ ist der schwarz-weiß-rote Buntspecht, einst Vogel des Jahres 1997. Seiner Bauwut verdanken viele Vögel ihre Nisthöhlen. „Buntspechte bauen sich sogar Werkzeug, die Spechtschmiede“, so der NABU-Vorsitzende, „in geeignete Astgabeln klemmen sie Nüsse und Zapfen, um sie zu zerlegen und an die nahrhaften Samen heranzukommen. Passt die Astgabel nicht richtig, hauen die Spechte sich ihr Werkzeug sogar zu.“ Neben den drei markanten Arten gibt es noch sieben seltenere Arten in Mitteleuropa. „Rund um unser Schullandheim Dreptefarm in Wulsbüttel kann man die drei verbreitetsten Spechte gut beobachten. Der Schwarzspecht kreist das ganze Jahr über der Froschfarm und den Grünspecht sehen wir oft beim Stochern auf den Tierweiden“, berichtet Sönke Hofmann. 

www.NABU-Bremen.de

Grünspecht ©Tom Dove