Susanne Giral

Freie Journalistin

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Abenteuerreise mit Hundeschlitten und Snowscooter ins ‚Troms og Finnmark‘

20. Februar 2022

Seit dem 12. Februar 2022 sind alle Corona-Einreiseregeln nach Norwegen ausgesetzt. Das Land der Fjorde mit seinen Urgewalten aus Gletschern, Schnee, Wasser, Bergen und dem magischen Nordlicht können wieder ohne Maskenpflicht genossen werden.Das kulturelle und soziale Leben erwacht – alle Bars, Restaurants und Museen sind geöffnet.

© Susanne Plaß

Knapp zwei Flugstunden trennen Oslo von Hamburg, 20 Stunden sind es per Fähre ab Kiel über die Ostsee. Im Winter verschwindet das 325.200 km² große Land unter einer dicken Schneedecke, die Sterne funkeln fantastisch hell am Firmament und ab und an zeigt sich das mystische Nordlicht – Aurora genannt – in seiner einzigartigen Farbenpracht. Während im Winter nördlich des Polarkreises zwei Monate lang Polarnacht herrscht, wird es im Sommer dank der Mitternachtssonne nicht dunkel. Die Weite und Unberührtheit Norwegens mit seinen knapp 5,4 Millionen Einwohnern zieht Wanderer, Angler, Skisportler und Abenteurer aus aller Welt an. Von Deutschland aus lohnt sich auch ein kurzer Trip ins atemberaubende Naturparadies, um sich zu erden! Das heißt aber nicht, dass man digital abgeschnitten ist, denn Norwegen ist ein Paradebeispiel bei der Digitalisierung bis ins letzte Tal. Anstatt Bargeld sind Karten das vorherrschende Zahlungsmittel.

Das Polarlicht lockt internationales Publikum

© Susanne Plaß

Neben Oslo ist Tromsø inmitten der Arktis ein begehrtes Ziel für den internationalen Tourismus. Die pulsierende Stadt mit viel Kultur und Jahrhunderte alten Holzhäusern ist zwischen September und März Hotspot für das Polarlicht. Es lässt sich am besten zwischen 21 Uhr und 1 Uhr nachts bei wolkenlosem Himmel beobachten. Tromsø liegt teils auf der Insel Tromsoya und teils auf dem Festland mit dem Hausberg Storsteinen. Am Fuße der rund 1 km langen Tromsø Brücke steht das Wahrzeichen der Stadt, die Eismeerkathedrale mit dem größten Glasmosaikfenster Europas. Für Studenten und Biertrinker wichtig: hier steht die nördlichste Universität und Brauerei der Welt. Es haben sich viele namhafte Hotels in Hafennähe platziert, die gut mit dem Airportexpress angebunden sind. Für ein DZ mit Hafenblick zahlt man je nach Jahreszeit im 4-Sterne Clarion Hotel The Edge inkl. Frühstück ab 130 Euro. Die Lage an der Mole ist perfekt, um die Stadt zu Fuß zu erkunden. Im Restaurant bietet Küchenchef Damian Gerichte der Region an: „Wir haben Fisch aus Flüssen und dem Eismeer in bester Qualität. Aber wenn wir Events haben, wie z. B. das Jahrestreffen der 500 Samen in unserem Hotel, koche ich deren Lieblingsspeise: Rentier-Stew.“

Das 1794 gegründete Tromsø gilt als Tor zum sensiblen Ökosystem der Arktis und trägt das Siegel ‚Sustainable Destination‘. Neben nachhaltigem Tourismus sind Forschung und Fischexport wichtige Wirtschaftszweige. Größter Arbeitgeber ist das Universitätsklinikum, an dem viele deutsche Ärzte wirken.

Mit Hundeschlitten auf Tour

© Susanne Plaß

Durch die 2020 abgeschlossene Regionalreform wurden u. a. die drei nördlichsten Provinzen (Fylker) zur ‚Troms og Finnmark‘ vereint. Wer hier Abenteuer sucht, der ist bei Bjørn-Tore Helgesen gut aufgehoben. Der Vater von fünf Kinder hat sein Hobby Huskys und Hundeschlittenfahrten zum Beruf gemacht. Im Gebiet Målselv bellen 57 zugstarke Hunde auf seiner ‚Aurora Husky Farm‘. Sie sind heiß darauf, täglich vor die Schlitten gespannt zu werden. Jeder Husky hat seine eigene Hütte mit Strohbett, die aufgrund des arktischen Bodenfrostes auf Stelzen steht. Vier bis sechs Hunde gehören zu einem Gespann, das sich nur durch Gewichtsverlagerung lenken lässt. Geht es rasant bergab oder in die Kurve, wird die Bremse zwischen den Kufen mit Gefühl in den Schnee getreten. Ist das Gewicht bergauf zu schwer, unterstützt man die Hunde durchs Anschieben, um geschwind wieder aufzuspringen, wenn der Zenit erreicht ist. Achtung, nie den Schlitten loslassen, denn die Hunde laufen weiter! Dreimal pro Tag bietet Bjørn-Tore – in Norwegen wird geduzt – einen Bustransfer von Tromsø zu seiner Huskyfarm an. Neben Hundeschlittenfahrten durch tief verschneite Wälder können die Gäste auch bis zu zehn moderne Schneemobile ausleihen und mit einem Guide Spaß beim Geschwindigkeitsrausch erleben. Overalls, Fellmützen, Helme und Schuhe stellt Bjørn-Tore und organisiert auch Unterkünfte von Airbnb bis Iglus sowie Leihwagen.

Rentiere, Scooter und Iglus

Als besonderes Highlight bietet der 45-jährige Norweger Snowscooter-Touren mit Samen in die Berge von Målselv an. Die Nomaden des Nordens leben größtenteils in der Provinz Finnmark, aber auch in Finnland, Schweden und Russland. Früher zogen die Ureinwohner mit ihren Rentierherden durchs Land und waren ausgezeichnete Fischer. Nils-Ole Oskal gehört zum indigenen Volk und lernte sein Wissen über Fauna und Flora von seinen Vorfahren. Ihm gehört die Region, wo auch der Skiort Målselv angesiedelt ist. In dem riesigen Gebiet leben seine rund 600 Rentiere, die er im Winter täglich zur Fütterung aufsucht. „Wir haben als Sami besondere Rechte und dürfen u. a. mit Schneemobilen in den Bergen fahren, Bäume fällen und Tiere schießen“, sagt der Meister im Fährtensuchen und auf dem Snow Scooter. Rentiere sind sehr scheu, aber wenn der 35-Jährige auf dem Berggipfel seine Glocke läutet, kommen die Herden zur Fütterung angelaufen. „Im September ist Paarungszeit, dann kann der stärkste Renhirsch bis zu 100 Renkühe schwängern. Zum Winter verlieren die männlichen Tiere ihre Geweihe, zum Frühjahr die weiblichen. Wir lassen sie in der Natur liegen, denn sie enthalten wichtige Nährstoffe für die Böden“, erklärt Nils-Ole den Kreislauf und ergänzt: „Zur Fleischgewinnung schießen wir pro Jahr 20-30 der schwächeren, männlichen Tiere. Aber im Winter verlieren wir auch Rentiere durch den Angriff von Wolverine. Der Vielfraß ist in Norwegen geschützt. Doch in Målselv gibt es so viele, dass wir bis zu 15 Tiere im Jahr schießen und die Felle verkaufen dürfen.“

© Susanne Plaß

Der Schneeräumdienst klappt auch im ländlichen Gebiet und die Straßen sind gut befahrbar. Im Tamok Tal auf dem Weg zurück nach Tromsø liegt ‚Tromsø Ice Domes‘. „Vor fünf Jahren haben wir uns mit den Iglus aus Eis selbstständig gemacht“, erzählt die Managerin Eelke Emilia Christinesdotter: „Jede Saison von Dezember bis Ende März bauen wir das Igludorf mit großen Eisquadern aus einem nahegelegenen See neu auf. Derzeit gibt es sieben Zimmer mit Doppelbetten, ein Kino und eine Bar aus Eis, wo die lokalen Drinks in Eisgläsern serviert werden.“ Ein unvergessliches Abenteuer ist die geführte Schneeschuh-Wanderung durch das zauberhafte Tal mit Chance auf das Nordlicht, Essen am Lagerfeuer und cooler Übernachtung auf Rentierfellen im Ice Domes. Ein gelungener Perspektivwechsel zum Alltag in Deutschland!

http://www.aurorahusky.com

https://www.tromsoicedomes.com

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© Susanne Plaß