Rinderbetrieb Carstens Highlands

Tobias Carstens kommt aus Rendsburg, machte eine Ausbildung zum Anlagenmechaniker, ging für ein dreiviertel Jahr nach Kanada und arbeitete dort auf einer Farm, kam zurück und machte sein Abitur, studierte Landwirtschaft, ist nun mit 25 Jahren Biobauer im Umstellungsbetrieb, Züchter und stolzer Besitzer von 450 Highland- und Galloway Rindern.

Der Hof von Biobauer Tobias Carstens liegt zwischen Rendsburg und Heide. Hier hat der studierte Landwirt sein Hobby zum Beruf gemacht.

Schon in seiner frühen Jugendzeit hat Carstens bei einem benachbarten Landwirt mitgearbeitet. Einfach, weil es ihm schon damals Freude gemacht hat, viel an der frischen Luft zu sein. Trotzdem hat er nach der Schule erst einmal eine Ausbildung zum Anlagenmechaniker gemacht. Sozusagen etwas solides, etwas wovon er später würde leben können. Nachdem er seine Ausbildung abgeschlossen hatte, ging er für ein dreiviertel Jahr nach Kanada, um dort auf einer Farm zu arbeiten. Nun gab’s für ihn kein Halten mehr. Er machte sein Abitur nach, studierte Landwirtschaft, suchte und fand „seinen“ Hof, kaufte sich die erste kleine Herde Highland Cattle Rinder und fing an zu züchten und zu vermarkten. Inzwischen ist er Feinheimisch Mitglied, Biobauer im Umstellungsbetrieb und im Januar 2020 Biobauer mit Siegel.

 

Ein Familienbetrieb

Mit Hilfe seiner Schwester, den Eltern und seiner Freundin führt er den landwirtschaftlichen Betrieb. Sein Vater, so sagt Carstens, ein ehemaliger Dachdecker, wäre mit der Zeit zu einem wahren Viehflüsterer geworden und würde schon die kleinste Veränderung bei einem Tier wahrnehmen. Auch er packt kräftig mit an. Hier werden auf einer Gesamtfläche von um die 450 Hektar Fleischrinder wie Highlands, Galloways und ein paar Angus gezüchtet. Die zotteligen Highlands mit ihren ausladenden Hörnern und dem breiten Flotzmaul haben es ihm besonders angetan. Sie sind die älteste registrierte Viehrasse.

Gefressen wird was wächst und grün aussieht. Selbst Pflanzen wie Binsen und Disteln, die selbst von Schafen verschmäht würden, werden von den Robustrindern gerne genommen. Nur im Winter, wenn das Angebot an frischen Grün so ziemlich aufgebraucht ist, werden die Rinder mit Heu und Heusilage, von den eigenen Feldern, zu gefüttert. Ein befreundeter Biobauer aus Dithmarschen liefert Rüben und Kartoffeln für weiteres Zufutter für die kalte Jahreszeit. Doch auch in den warmen Monaten reicht die Familie gerne ein paar Schnitze an die Rinder, damit diese handzahm bleiben und den Bezug zu ihren Menschen nicht verlieren.

Carstens Rindviecher bekommen keine Antibiotika und auch kein Kraftfutter, und so wachsen sie, von der Natur für sie vorgesehenen Geschwindigkeit, zu stattlichen Rindern heran. Einen Stall sehen sie nur dann von Innen, wenn sie bei einer voraussichtlich schwierigen Geburt zum Kalben hinein geholt werden, oder wenn ein Tier sich verletzt hat und behandelt werden muss.

Eigentlich nicht viel zu tun

Da die Robustrinder das ganze Jahr genüsslich mampfend und widerkäuend auf den Weiden stehen und liegen, und die Geburt der Kälber meistens von den Muttertieren alleine bewältigt wird, könnte man auf die Idee kommen, das Tobias Carstens ein gemütliches Leben führt.

Doch Carstens hat einen langen und harten Arbeitstag. Von montags bis samstags steht er vormittags auf einem der Wochenmärkte und verkauft das Fleisch seiner Tiere, das von seinem eigens eingestellten Metzger in die entsprechenden Teile zerlegt wurde. Zwei bis vier Wochen gut abgehangenes, dunkelrotes Fleisch. Nachmittags geht der Verkauf auf dem Hof direkt weiter. Doch nicht nur Fleisch wird angeboten, sondern auch Spezialitäten wie Rinderschinken, verschiedene Wurstsorten wie Rinderleberwurst, Wiener (alles ohne Schweinefleischanteil) und das schwer zu bekommene Flammsteak, welches hinter den Rippen eines Rindes sitzt. Alle Produkte werden direkt auf dem Hof hergestellt, geräuchert, verarbeitet und sind von bester Genussqualität.

In der „Freizeit“ müssen Zäune kontrolliert, freigeschnitten und bei Bedarf repariert werden, bei den Weiden, auf denen kein Bach hindurchläuft, wurden Pumpen installiert, die die Rinder bei Durst selbst betätigen können – auch diese müssen regelmäßig auf ihre Funktionsfähigkeit überprüft werden. Ist eine Weide abgegrast, werden die Tiere auf eine Andere getrieben. Es gibt extra Weiden für Kühe mit Kälbern, Weiden für jährige Mädels die aus Gruppen von 10 – 15 Jungkühen bestehen, Weiden für die Zweijährigen, die in Kürze den Bullen zugeführt werden. Alle Tiere müssen regelmäßig beobachtet werden, ob es irgendwelche Auffälligkeiten gibt, bei denen der Mensch dann doch mal eingreifen muss. Carstens sagt, dass er die viele Arbeit alleine gar nicht schaffen könnte. Und dann sind da noch die Umbauten für den Hofladen und die gläserne Metzgerei.

Transparent und Bildend

Inzwischen hat der Bau eines Hofladens und der schon länger geplanten gläsernen Metzgerei begonnen. Tobias Carstens sagt, „Es ist uns wichtig, dass die Kunden sehen können, woher unsere Produkte kommen und wie sie zubereitet werden.“ So wird jeder Besucher auf dem Hof von außen durch Glasscheiben zuschauen können, wie das Fleisch verarbeitet und die Wurst gemacht wird. Auch zu den Rindern dürfen sie gehen, um sich davon zu überzeugen, dass diese tatsächlich draußen auf den Weiden leben.

Zudem ist Carstens die Aufklärung und Bildung der Kinder wichtig. Indem er den Schulen Gruppenführungen anbieten wird, möchte er bei den jungen Menschen das Bewusstsein für die ökologische Landwirtschaft wecken und ihnen den Herstellungsprozess des  Fleisches nahe bringen. Schon jetzt hat Carstens einen viertel Hektar Land abgetrennt und baut hier mit Kindergartengruppen Gemüse an. Für die Lütten ein tolles und lehrreiches Erlebnis.

 

Robust und gutmütig

Highland Cattles, Galloways und Angus Rinder zählen zu den sogenannten Robustrindern. Sie können das ganze Jahr im Freien gehalten werden, sind widerstandsfähig, friedfertig, leichtkalbig und langlebig. Wobei langlebig bei Fleischrindern eher selten vorkommen wird.

Tobias Carstens erzählt, dass es auch Unterschiede bei den Rassen gäbe. So wären die Angus Mutterkühe sehr großzügig und würden auch die Kälbchen anderer Kühe bei sich trinken lassen. In einer Herde von Angus Kühen, so sagt Carstens, würde jede Kuh jedes Kalb säugen. Das wäre bei den Highlands und Galloways undenkbar. Bei ihnen wird jedes Kalb ausschließlich von der eigenen Mutterkuh gesäugt. Ein fremdes Kalb kommt denen nicht an die eigene Milchbar. Sie leben getreu dem Motto: „An mein Euter lasse ich nur mein eigenes Kind!“

Carstens Highlands

Hamdorf-Kamp 1
24805 Hamdorf bei Rendsburg

Tel. 01514 0455 604

www.carstens-highlands.de


Auf den Wochenmärkten

  • Kiel, Exerzierplatz: Mi, Sa
  • Kiel, Blücherplatz: Do
  • Heikendorf: Do
  • Neumünster: Fr
     


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