Jens Mecklenburg

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Spargel als Aphrodisiakum

Mit Rezept für eine Spargelmousse mit Orangensauce
29. April 2024

Aphrodisiaka, nach der griechischen Göttin der Liebe benannt, sind bekanntlich Mittel zur Steigerung der Leidenschaft und Potenz. Der Wunsch nach einem erfüllten Liebesleben ließ schon unsere Ur-Urahnen nach solchen Mitteln greifen oder solchen, die sie dafür hielten. So schildert Homer die stimulierende Wirkung von in Wein eingelegten Geschlechtsteilen von Schweinen. Im asiatischen Raum wurde eine Mixtur aus Tigerhoden und Alraunenwurzeln verabreicht und in Spanien schwor man auf Stierhoden in jeder Zubereitungsart. Unsere Vorfahren, die alten Germanen, benutzten in Met eingelegtes Bilsenkraut, um in einen Rausch der Sinne zu geraten, und Karl der Große ließ sich einen Krafttrunk aus Bier, Eiern, Zimt und Kardamon brauen. Den Engländern sagt man ja bis heute eine gewisse Spleenigkeit nach. Dazu muss man wohl auch die Versuche englischer Männer im 18. Jahrhundert zählen, ihre „Leistungsfähigkeit“ im Bett durch geringe Dosen von Arsen zu steigern. Die Versuche führten nicht zu einer Steigerung der Libido, sondern zu Todesfällen – die eingenommenen Dosen waren zu hoch.


Der Aphrodite gewidmet

Auch Spargel wird immer wieder eine aphrodisierende, potenzsteigernde und dazu noch empfängnisverhütende Wirkung nachgesagt. Im alten Griechenland galt wild wachsender Spargel als heiliges Kranzgewächs, das der Aphrodite, der Göttin der Liebe und Schönheit geweiht war. Frisch Vermählte wurden deshalb mit Spargel geschmückt. Frauen trugen Spargelsprossen als Verhütungsmittel um den Hals gehängt. Über die Wirksamkeit ist nichts überliefert.

Im Mittelalter und während der Renaissance wurden der Spargelpflanze immer mehr Heilkräfte zugschrieben. Leonhart Fuchs empfiehlt in seinem 1543 erschienenem „New Krüterbuch“ in Wein gesottene Spargelwurzeln sogar als Heilmittel gegen giftige Tierbisse. Fuchs behauptet auch, dass Spargel die Monatsblutung auslöst, die er mit dem wenig liebenswürdigen Ausdruck „Blödigkeit“ umschreibt, und die weibliche Lust steigert: „Die Wurzeln und same … Bringen den frawen ihre bloedigkeyt / und mehren den lust zu den weibern.“ Auch der Pfälzisch-Kurfürstliche Medikus Jakob Theodor Tabernaemontanus verspricht in seinem „Neuw vollkommentlich Kreüterbuch„ von einer Mixtur aus zerstoßener Spargelwurzel und Pfefferkümmel unter anderem eine förderliche Wirkung auf das eheliche Geschlechtsleben. „Nimb Spargelwurtzel und Pfefferkümmel / jedes gleich viel. Stoß diese beyde zu einem subtielen Pulver /vnd gib darvon eins quintleins schwer mit fürnen wein zu trincken / es hilfft bald. Gemeldte Arzeney fürdert auch die ehelichen Werck.„ Auch in anderen Kräuterbüchern dieser Zeit wird Spargel als Mittel zur Steigerung der Libido abgehandelt. In einem Buch von 1564 ist zu lesen: „Spargen in der speis genossen bringen lustige begirde den männern.“ Selbst in unseren Zeiten wird dem Spargel noch eine sexuell stimulierende Wirkung zugeschrieben – zumindest in erotischen Kochbüchern, wie bei Angela Tronis „Im Glas noch deines Kusses Hauch“. Worauf diese Wirkung des Spargels im Einzelnen beruht, wird leider nicht verraten.

Anregende Wirkung

In der Naturmedizin wird die stärkende und anregende Wirkung des Asparagin anerkannt, zudem hat der Spargel einen nennenswerten Gehalt der Vitamine B und C. Beruht hierauf die dem Spargel nachgesagte aphrodisierende Eigenschaft? Liegt es an der Form, die erotische Assoziationen weckt?

Auch Austern, Kaviar und Trüffel gelten als Aphrodisiaka, wie überhaupt vielen Nahrungsmitteln irgendwann einmal eine Wirkung in Sachen Liebe nachgesagt wurde. Ihre Gemeinsamkeit: sie sind selten und teuer.

Shakespeares Falstaff kann nur in den Armen einer schönen Frau der Versuchung durch Kartoffeln widerstehen: „Nun mag es Kartoffeln regnen, Liebesperlen hageln und Manntreu schneien; ein Sturm von Versuchung mag sich erheben, ich gehe hier in Deckung.“ Zu Shakespeares Zeiten war die Sache einleuchtend: Die Kartoffeln war ein Luxusprodukt und für die meisten unbezahlbar.

Ob nun Stierhoden, Austern oder Spargel: Der Glaube an die stimulierende Wirkung bestimmter Nahrungsmittel hat sich bis heute erhalten. Ein Psychologe würde einwenden, dass die Wirkung all dieser Mittel zum größten Teil auf Suggestion beruht. Aber was ist dagegen einzuwenden, wenn ein Spargelgericht uns nicht nur kulinarisch Lust bereitet, sondern auch noch unsere sexuelle Phantasie anregt?

©Ingo Wandmacher

Spargelrezept

Spargelmousse auf Orangensauce

Zutaten

  • 400 g Spargelpüree
  • 250 g Sahne
  • 1 EL Honig
  • 100 g Zucker
  • 2 Eigelb
  • 2 Eiweiß
  • 2 cl Kirschwasser
  • 3 Blatt Gelatine.

Für die Orangensauce:

  • ¼ l frisch gepresster Orangensaft
  • 150 g Zucker
  • 4 cl Orangenlikör
  • dünn abgeschnittene Schale von 2 unbehandelten Orangen.

Zubereitung

Gelatine etwa 15 Minuten in kaltem Wasser einweichen.

Spargelpüree, Eigelbe, Honig und 50 g Zucker gut verrühren. Die aufgelöste und gut ausgedrückte Gelatine einrühren.

Eiweiß und restlichen Zucker zu Schnee schlagen und mit der geschlagenen Sahne und dem Kirschwasser unter die Püreemasse heben und für ca. 3 Stunden kalt stellen, Schale in feine Streifen oder kleine Würfel schneiden und zusammen mit Saft und Zucker ca. 15 Minuten kochen lassen. Orangenlikör erst in die erkaltete Sauce einrühren.