
Wenn im Norden der erste Frost einsetzt und der Atem in kleinen Wölkchen vor den Gesichtern tanzt, beginnt in Bremen und Umgebung eine Jahreszeit, die viele kaum erwarten können: die Kohltour-Saison. Zwischen November und März verwandelt sich der sonst oft graue Winter in eine Phase der Vorfreude, Gemeinschaft und Deftigkeit. Denn was andernorts als reine Kälteperiode empfunden wird, gilt hierzulande als Hochsaison für ein ebenso kulinarisches wie feierfreudiges Ritual: die Kohlfahrt.
Die Ursprünge dieser Tradition reichen bis ins späte 19. Jahrhundert zurück. Seitdem hat sich die Kohltour zu einem festen Bestandteil des regionalen Alltags entwickelt. Was einst als gesellige Wanderung unter Bekannten begann, ist heute eine breit aufgestellte Wintertradition. Ob Kolleg:innen, Vereinsmitglieder, Freundeskreise oder Nachbarschaften – sie alle verabreden sich Jahr für Jahr, um gemeinsam durch die Botanik zu ziehen, ausgerüstet mit wetterfester Kleidung, einem gut gefüllten Bollerwagen und reichlich Humor. Im Wagen klirren die Flaschen, Musikboxen liefern den passenden Soundtrack, und unterwegs sorgen eigens ausgedachte Spiele für Unterhaltung – oft skurril, nie ganz ernst gemeint, aber immer gemeinschaftsstiftend.
Nicht selten wird dabei auch der oder die neue Kohlkönig:in gekürt – eine Ehre, die gleichzeitig die Verantwortung mit sich bringt, die nächste Tour zu organisieren.
Der krönende Abschluss jeder Kohlfahrt ist das Grünkohlessen. In Gasthöfen, Restaurants oder auf Schiffen wird serviert, was seit Generationen geschätzt wird: der winterliche Kohl, in Bremen auch Braunkohl genannt, mit Pinkel, Mettenden, Kassler und Speck – eine herzhafte Zusammenstellung die traditionell verankert ist. Vielerorts gibt es heute auch vegetarische und vegane Alternativen.

Kohltour mal ganz anders: maritim, familiär oder gar indonesisch
In Bremen zeigt sich der Brauch in vielfältiger Ausprägung. Wer das Erlebnis aufs Wasser verlegen möchte, kann mit der Schifffahrtsgesellschaft Hal över auf der Weser unterwegs sein: Nach dem Grünkohlessen folgen Musik und Tanz auf mehreren Decks, begleitet vom winterlichen Blick aufs Wasser.
In Mahndorf wiederum lädt der Gasthof Grothenns nicht nur Gruppen zur ausgelassenen Kohltour mit Musik und Kohl „satt“ ein, sondern auch Familien zu ruhigeren Sonntagsterminen mit klassischem Menü.
Wer das Grünkohlessen lieber ganz ohne Wanderung oder Party genießen möchte, findet im Bremer Ratskeller den passenden Ort – dort steht der Braunkohlteller mit traditioneller Fleischbegleitung in historischer Atmosphäre auf der Karte. Sogar das indonesische Restaurant bali`ku in der Bremer Neustadt hat die Grünkohlsaison für sich entdeckt: An mehreren Wochenenden wird hier eine ungewöhnliche, aber reizvolle Kombination aus Grünkohl und veganen balinesischen Aromen serviert – perfekt für kleinere Gruppen oder ein ruhiges gemeinsames Essen.
Für auswärtige Gäste lohnt sich die Kombination einer Braunkohl-Verkostung mit der „Mini-Pauschale Bremen“. Inkludiert ist eine Übernachtung mit Frühstück sowie eine Stadtführung. Die Pauschale gibt es ab 66 Euro pro Person und Nacht im Doppelzimmer. Das Hotel ist dabei frei wählbar und der Aufenthalt kann flexibel um weitere Nächte verlängert werden.
Infos
Weitere Informationen, Tickets und Buchungsmöglichkeiten gibt es beim Bremen Tourismus unter www.bremen.de/tourismus und www.bremen.de/kohltour-tradition oder telefonisch unter 0421/30800-10.





