Jens Mecklenburg

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Weltbienentag am 20. Mai

Von Welt- und Wildbiene
19. Mai 2022

Das Stichwort Biene lockt bei vielen wohlige Kindheitserinnerungen an Geschichten von der Biene Maja und leckeren Honig hervor. Doch es gibt mehr als die Honigbiene, die eine künstliche Zuchtbiene aus Italien ist. Gut 560 Wildbienenarten leben in Deutschland, viele davon absolute Spezialisten und stark gefährdet. Auch wenn der Weltbienentag am 20. Mai aus der Imkerei kommt, regt der NABU an, an die vielen Wildbienen zu denken.

Mauerbiene ©Peter Brixius/NABU

Weniger tun hilft mehr 

„Wildbiene ist ein Oberbegriff für Hummeln, Solitärbienen und viele schmarotzende Arten. In Bremen haben wir noch knapp 150 Arten“, erklärt der Bremer NABU-Geschäftsführer Sönke Hofmann. Bienenhilfe sei ganz simpel, so der Hobbyimker, man müsse einfach weniger machen. Das fange beim Unkrautzupfen an und habe einen besonders großen Effekt beim Rasenmähen.

„Meine Rasenflächen mähe ich drei oder viermal, manche nur zweimal im Jahr und so hat sich die einst einheitlich grüne Fläche in einen Blühteppich mit Gundermann, Günsel und Margeriten verwandelt“, schwärmt der Naturschützer. Das sei viel einfacher und naturnäher als die künstliche Ansaat womöglich mit aufwändigem Bodenaustausch, um seltene Arten künstlich anzusiedeln.

Ein Thema für sich sind die beliebten Insektenhotels. „Nur ein Fünftel der Bienenarten geht in hohle Stängel und Holzgänge“, klärt Hofmann auf, „über die Hälfte der Wildbienen siedelt im Boden und meidet die Insektenhotels.“ In Kästchen mit Kiefernzapfen oder Lochziegeln siedele überhaupt keine Art, sie seien einfach billiger Füllstoff. „Wer mal hunderte Röhren geschnitten und sauber geschliffen hat, damit die zarten Flügel der frisch geschlüpften Bienen nicht von Splittern aufgeschlitzt werden, weiß, weshalb die Hersteller gerne unnütze Füllstoffe nehmen.“ Manche Bienen suchen sich sandige Fugen, viele brauchen offene Sandflächen mit wenig Bewuchs. „In noch aktiven Sandgruben mit viel offen liegendem Sand findet man ganze Siedlungen von winzigen Maulwurfshügeln unter denen Bienenbrut liegt“, berichtet Sönke Hofmann und gibt einen Tipp: „Wenn die Sandkiste ausgedient hat, weil die Kinder zu groß sind, kann man prima noch eine Ladung ungewaschenen Sand oben draufkippen und so ein ‘Sandarium’ für Wildbienen bauen.“ Ganz wichtig für alle Insekten seien einheimische Pflanzen. „Wer exotischen Rhododendron oder Kirschlorbeer pflanzt, tut den Bienen keinen großen Gefallen, auch wenn sie daran mal naschen“, warnt er. Werden exotische Pflanzen überhaupt angenommen, dann nur von den Generalisten. Die Spezialisten brauchen einheimisches Grün wie Faulbaum, Brombeere und Weiden. Ganz gegen den üblichen Zyklus hat sich eine Art an die Efeublüte im Oktober angepasst. Die Efeuseidenbiene, die keine andere Pflanze besucht.

Und was hat der Mensch vom Bienenschutz? Die Bestäubungsleistung von Honigbienen wird gemeinhin überschätzt, Wildbienen sind meist viel effektiver. Mauerbienen bestäuben bis zu 5.000 Blüten am Tag. 600 der recht verbreiteten Art bestäuben locker einen ganzen Hektar Obstbäume. Für die gleiche Leistung müssten 200-mal so viele Honigbienen, also 120.000 Stück, ausfliegen.

Mauerbiene © NABU / Philipp Meyer