Johanna Rädecke

Redakteurin

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Schottlands große Abenteuer mit kleinem Fußabdruck

Inspiriert von der UN-Klimakonferenz 2021
29. Oktober 2021

Da diesen November die UN-Klimakonferenz (COP26) in Glasgow stattfindet, ist jetzt der perfekte Zeitpunkt, um eine nachhaltige Reise nach Schottland zu planen. 2021/22 haben Besucher, die verantwortungsbewusst reisen möchten, hier die Qual der Wahl – denn Nachhaltigkeit ist das Herzstück dessen, was Schottland ausmacht. Wenn wir alle nachhaltige Entscheidungen treffen, können wir sicherstellen, dass die Lebensräume wild lebender Tiere, die einmalige Pflanzenwelt und die atemberaubenden Landschaften, die Schottland zu einem so magischen Reiseziel machen, nicht beeinträchtigt werden. Viele Unternehmen in Schottland haben sich bereits dafür entschieden, Nachhaltigkeit zu einer Priorität zu machen, indem sie Besuchern eine Vielzahl spannender und umweltfreundlicher Optionen zur Verfügung stellen – für einen Urlaub mit großen Abenteuern, aber kleinem ökologischen Fußabdruck. Im Folgenden finden Sie Ideen und Vorschläge rund um verantwortungsvolles Reisen in Schottland: 

Barrowland Ballroom in Glasgow ©VisitScotland / Luigi Di Pasquale

Der Beat der Musik, der Puls eines Clubs

Schottland hat eine großartige Musikszene und nirgendwo ist sie so lebendig wie in Glasgow, das 2008 zur ersten UNESCO City of Music des Vereinigten Königreichs ernannt wurde. Für Nachtschwärmer, die auch beim Tanzen die Umwelt im Sinn haben, ist der SWG3-Komplex in Glasgow ein Muss. Er ist einer der innovativsten Veranstaltungsorte Schottlands, der über den Tellerrand hinausdenkt und ein Heiz- und Kühlsystem installiert hat, das die Körperwärme der Clubber als Energiequelle nutzt. Wie das funktioniert? Die abgegebene Wärme kann von Wärmepumpen aufgefangen und in Energie umgewandelt werden. Schätzungen zufolge könnten auf diese Weise jährlich 70 Tonnen CO2 eingespart werden. Es lohnt sich also, auf der Tanzfläche sein Bestes zu geben!

 Auch im Mono erwartet verantwortungsbewusste Reisende beste Unterhaltung. Die vegane Café-Bar im Herzen der Merchant City ist für ihre entspannte Atmosphäre und ihr hochwertiges Essen bekannt. Darüber hinaus verfügt sie aber auch über einen hauseigenen Plattenladen und veranstaltet regelmäßig Konzerte, Ausstellungen, Buchlesungen und Workshops.

A
uf Entdeckungstour im Einklang mit der Natur

Auf der Suche nach einem Abenteuer? Wild Discovery, ein innovativer neuer Anbieter für  Tierbeobachtungstouren, hat sich mit eGuide Scotland zusammengetan, um Großbritanniens erste Wildtiersafari auf Mountain-E-Bikes zu entwickeln. Diese neuen Touren sorgen für einen zusätzlichen Adrenalinschub und tragen gleichzeitig dazu bei, den CO2-Fußabdruck von Wildtierbeobachtungsurlauben zu reduzieren.

Aviemore Bikes hat die Antwort für alle, die sich bisher nie auf ein Mountainbike gewagt haben. Mit ihrer kürzlich erworbenen E-Bike-Flotte ist es viel einfacher geworden, die Trails durch den Cairngorms-Nationalpark zu genießen und in seine wunderschöne Landschaft einzutauchen. Vorkenntnisse sind nicht erforderlich – das Team von Aviemore Bikes hat eine ganze Reihe an Vorschlägen für atemberaubende und zugleich sichere Routen für Anfänger.

Wer doch lieber auf vier Rädern unterwegs ist, kann die Orkney-Inseln mit Spoot erkunden, dem elektrischen Wohnmobil, das von JP Orkney gemietet werden kann. 

Und warum nicht einmal den Reisehorizont mit dem kürzesten kommerziellen Flug der Welterweitern? Hier bleibt keine Zeit für einen Film oder ein Glas Tomatensaft: Die durchschnittliche Flugdauer von Westray nach Papa Westray, zwei Inseln, die zu Orkney gehören, beträgt etwa zwei Minuten. Diese Verbindung soll bis 2026 als erste vollständig elektrisch betrieben werden. Bereits jetzt testet die schottische Fluggesellschaft Loganair Elektroflüge und rüstet ihre aktuelle Flotte mit den effizientesten Flugzeugen aus. 

Loch an Eilein im Rothiemurchus Forest ©VisitScotland / Kenny Lam

Ab in die Wildnis

Derzeit ist nur noch ein Prozent des alten kaledonischen Waldes, der einst einen Großteil Schottlands bedeckte, erhalten. Mehrere Organisationen führen Touren durch, um Besuchern diese kostbaren urwüchsigen Orte sowie die Bemühungen zu ihrer Erhaltung und Wiederherstellung vorzustellen. Das luxuriöse Alladale-Anwesen veranstaltet beispielweise regelmäßig sogenannte Rewilding Retreats in seinem Wildnisreservat in den Highlands. Dank 100 Quadratkilometern an zerklüfteten Bergen, Wäldern, Flüssen und Seen sowie einer Fülle an Wildtieren im Herzen der schottischen Highlands können sich Besucher darauf freuen, das spektakuläre Reservat und die Tierwelt zu erkunden und Speisen aus lokaler Herstellung zu genießen. 

Für Anfang 2023 plant die Naturschutzorganisation Trees for Life die Eröffnung des weltweit ersten Rewilding-Zentrums. Das Dundreggan Rewilding Centre soll Besuchern durch Veranstaltungen, Voluntourismus-Angebote und Aktivitäten ein direktes Walderlebnis bieten. Besucher werden die Möglichkeit haben, in die einmalige Natur der Highlands einzutauchen und gleichzeitig zum Schutz der hier beheimateten Wildtiere beizutragen.

Haben Sie sich jemals gefragt, wie es um Ihre Überlebensfähigkeiten in der Wildnis bestellt ist? Schottland-Reisende können ihren inneren Jäger und Sammler mit den Workshops von Wildwood Bushcraft auf die Probe stellen und in unberührten Highland-Gegenden nach wilden Zutaten suchen, um ihr eigenes, natürliches, nahrhaftes und nachhaltiges Festmahl zu kreieren. Unter der Leitung eines Experten sollen die Teilnehmer durch Survival-Training im Wald, Foraging-Kurse und Kanuexpeditionen ein tieferes Verständnis und eine tiefere Verbindung mit der Natur aufbauen. 

Wer ebenfalls eine außergewöhnliche Naturerfahrung sucht, aber es lieber gemütlich angehen lässt, kann in den umweltfreundlichen, familienbetriebenen Treehouses at Lanrick zur Selbstverpflegung übernachten. Diese im Jahr 2020 neu eröffneten Luxus-Retreats verfügen über eine Baumkronenterrasse und Außenbäder in einer atemberaubenden privaten Waldlandschaft. Die Baumhäuser fügen sich nahtlos in die Umgebung ein und wurden aus auf dem Grundstück angebautem Holz hergestellt, um den CO2-Fußabdruck zu minimieren. Jedes der Baumhäuser verfügt über ein einzigartiges Design und mit speziellen handgefertigten Tischen, Upcycling-Möbeln und hochwertigen Stoffen.

Dean Village ©VisitScotland / Kenny Lam

Sightseeing mal anders

In Schottlands Hauptstadt Edinburgh können Städtereisende die beliebtesten Sehenswürdigkeiten auf einer Stadtradtour ganz umweltfreundlich erkunden. Edinburgh Bike Tours bietet Halb- oder Ganztagestouren zu historischen Gebäuden, entlang versteckter Pfade und bis an die Küste. Die Touren werden von erfahrenen Guides geleitet, die die Teilnehmer vorsichtig durch die Stadt führen. 

Alternativ können sich Fitnessfans einer Edinburgh Run Tour anschließen, die Touren zu einer Vielzahl von Sehenswürdigkeiten anbietet, von den kulturellen Höhepunkten bis hin zu beliebten Aussichtspunkten und weniger bekannten Vierteln der Stadt wie Stockbridge und dem Water of Leith – alles bei gleichzeitiger Verbesserung der Fitness und ganz ohne CO2-Fußabdruck. 

In Glasgow hat der neue Sponsor von Nextbikes, OVO Energy, den berühmten Stadträdern einen neuen Look verpasst. Die Einführung der umbenannten OVO Bikes wird mit einer neuen „bike green”-Route gefeiert, die Besucher mit dem Fahrrad zu nachhaltigen Unternehmen und Orten in der ganzen Stadt führt.

Die vor sechs Jahren ins Leben gerufenene Bahnstrecke Borders Railway, die Edinburgh mit der malerischen Region Scottish Borders im Süden verbindet, wird komplett elektrisch betrieben und ist perfekt für einen umweltfreundlichen Ausflug. Innerhalb eines Tages ist es möglich, Melrose Abbey zu besuchen, am Ufer des Flusses Tweed entlang zu spazieren, Abbotsford, das eindrucksvolle Anwesen des berühmten Schriftstellers Sir Walter Scott, zu besichtigen oder das brandneue Trimontium Museum zu entdecken.


Ein Schlückchen für die Umwelt 

Das eine oder andere „Dram” (schottisch für Schlückchen) Whisky gehört zum perfekten Urlaubsvergnügen in Schottland dazu. Und dank Nc’Nean, der ersten Netto-Null-Destillerie des Landes, kann man das Wasser des Lebens jetzt auch ganz nachhaltig genießen. Im Jahr 2020 brachte die junge und unabhängige Brennerei von Annabel Thomas ihren ersten Whisky auf den Markt. 2021 wurde bekannt, dass die Destillerie in Drimin ihren Bio-Whisky klimaneutral herstellt und dabei keinerlei Abfälle produziert. Darauf kann man guten Gewissens einmal anstoßen! 

Glenkinchie südlich von Edinburgh ist als eine der „Four Corners of Scotland”-Destillerien von Johnnie Walker bekannt und wurde Ende 2020 nach aufwändiger Renovierung wiedereröffnet. Die Brennerei in der Region East Lothian hat sich bereits einen Green Tourism Gold Award für ihren umweltfreundlichen Betrieb gesichert und verfügt über einen eigenen Obstgarten und Bienenstöcke als Teil ihrer Natur- und Nachhaltigkeitsstrategie. Besucher können eine Tour durch die Destillerie buchen, um mehr über die Herstellung des Whiskys zu erfahren und die Obstgärten zu erkunden. 

Das neue Besucherzentrum der Arbikie Distillery wird voraussichtlich noch Ende 2021 in der Region Angus eröffnet. Die Brennerei wird den einzigen Scotch-Roggenwhisky der Welt herstellen sowie Nàdar, den weltweit einzigen klimapositiven Gin und Wodka. 

Arran’s Cheese Shop ©VisitScotland / Kenny Lam

Nahrung für die Seele

Schottland ist der perfekte Ort für alle Feinschmecker! Mit einem endlosen Angebot an erstklassigen Restaurants, die sich der Kombination von Gesundheit und Geschmack verschrieben haben, können Besucher die frischesten Zutaten aus lokaler Herstellung direkt auf ihrem Teller genießen. Im Glasgower Trendviertel Finnieston lockt das Soul Food Kitchen mit 100 Prozent veganen Köstlichkeiten, die Leib und Seele gleichermaßen zugute kommen: von herzhaften Suppen über köstliche Soulbowls bis hin zu leckeren Burgern. 

Die Isle of Arran an der Südwestküste ist nicht nur als „Schottland in Miniatur” bekannt, sondern auch als Schottlands „Food Isle”. Mit zwei Whisky-Destillerien, einer Schokoladen-Manufaktur, lokal gebrautem Bier, preisgekröntem Käse und Eiscreme zum Dahinschmelzen lässt die Insel für Feinschmecker keine Wünsche offen. Arran’s Food Journey zelebriert die kulinarischen Höhepunkte der Insel – hier erfahren Interessierte mehr über die Herstellung der berühmtesten Produkte sowie alle Top-Adressen zum Einkaufen und Schlemmen. 

Der Good Store in Edinburgh und wird von zwei Schwestern geführt, die sich für die Verfügbarkeit gesunder Lebensmittel und die Reduzierung von Abfall einsetzen. Für alle, die bei Nahrungsmitteln auf ein Nachhaltigkeitsversprechen Wert legen, führt der Good Store ausschließlich Bio-Produkte und bietet zudem die Möglichkeit zum plastikfreien Einkauf an. 

Wer selbst aktiv werden will, kann sich mit East Neuk Seaweed auf die Suche nach essbaren Algen begeben. Unter der Leitung von Jayson Byles, einem passionierten Sammler und Küchenchef, sammeln Teilnehmer die gesunden Meerespflanzen entlang der malerischen Küste der Region Fife, um sie danach zusammen mit anderen Zutaten zu einer köstlichen Mahlzeit zu verarbeiten.

Weitere Tipps, wie Schottland-Reisende behutsam mit der Umwelt umgehen können, gibt es hier