Sabrina Reuter und Michael Engelbrecht

Sabrina Reuter (Unternehmensberaterin) und Michael Engelbrecht (Historiker, † 4. März 2019)

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Licht im Advent

Schwedisches Luciafest
13. Dezember 2019

Erstveröffentlicht am 13.12.2018

Je näher man dem Nordpol kommt, desto dunkler ist der Winter. Die Nächte sind lang und kalt. In diese Finsternis bringt der 13. Dezember in Schweden das Licht. Überall tauchen weiß gekleidete Mädchen auf, die einen Lichterkranz auf dem Kopf tragen, sie werden von einer ganzen Schar weiß gekleideter Kinder begleitet und verkünden ein nahendes Ende der Dunkelheit. Die Lichterköniginnen verkörpern die italienische Heilige Lucia, die am frühen Morgen des 13. Dezember in Schulen, Kindergärten, Firmen und in der Nachbarschaft auftaucht, um Licht ins Dunkel zu bringen.

Lucia-Gesänge in einer schwedischen Kirche. © Claudia Gründer, Wikipedia

Der Protestantismus in Schweden ist ein ganz besonderer, denn als Gustav Wasa (1496 – 1560) den evangelischen Glauben in Schweden einführen ließ, wurden einige bewährte Stilmittel aus der katholischen Zeit beibehalten, so zum Beispiel die Heiligenverehrung. Deshalb gibt es in Schweden bis heute einen eigenen Heiligenkalender und Namenstage. Die heilige Lucia von Syrakus hatte Jungfräulichkeit gelobt und war von ihrem Bräutigam als Christin denunziert worden und wurde um 300 deswegen ermordet. Ihr Feiertag fällt traditionell auf den 13 Dezember.


Gustav Wasa ist in Schweden für vieles verantwortlich. Er ist nicht nur Namensgeber für Knäckebrot und hat die Reformation im Land eingeführt, er legte auch den Grundstein für die schwedische Großmachtstellung in Europa. Die nächsten zwei Jahrhunderte mischten sich die Schweden überall ein und führten dauernd Kriege. Deshalb hatten sie auch keine Zeit, sich 1582 der internationalen Kalenderreform von Papst Gregor XIII. anzuschließen. Schweden benutzte weiterhin den julianischen Kalender und solange der Machtbereich groß genug war, war diese Datumsverschiebung nicht wichtig und wurde durch zusätzliche Schalttage ausgeglichen, so gab es 1712 sogar einen 30. Februar und das Fest zur Wintersonnenwende fiel schließlich auf den 13. Dezember.


Erst als man nach dem Ende der Großmachtzeit sich dem Rest Europas aus ökonomischen Gründen wieder mehr anpassen musste, wurde 1753 der Kalender radikal reformiert und auf den 17. Februar folgte der 1. März. Diese elf gestrichenen Tage sorgten dafür, dass die Wintersonnenwende jetzt zwar kurz vor Weihnachten lag, die Schweden sie aber ja schon am 13. Dezember feierten. Hier liegt wohl der Ursprung für das schwedische Luciafest. Der christliche Hintergrund der Heiligen, die strahlend eine frohe Botschaft überbringt, wird dabei mit alten heidnischen Lichterriten zur Überwindung der langen Nächte gemischt. Dies sagt auch das Lucialied:

„Die Nacht schleicht um Hof und Stube,
auf der von der Sonne verlassenen Erde
wachsen die Schatten,
da kommt in unser dunkles Haus
mit brennenden Lichtern
Santa Lucia.

Die Nacht ist groß und still,
doch nun schwingt ein Sausen
von Flügeln durch die Räume,
auf unserer Schwelle steht
weißgekleidet mit Lichtern in den Haaren
Santa Lucia.“

Lucialied


Wenn auch Weihnachten inzwischen ein wichtiges Familienfest ist, hat Lucia in der schwedischen Gesellschaft immer noch einen verbindenden Charakter. Durch die umherziehenden Luciazüge mit Gefolge werden Siedlungen, Nachbarschaften und Arbeitskollegien zum gemeinsamen Feiern animiert. Spezielles Gebäck und Punsch heben die Stimmung. Bei studentischen oder erwachsenen Luciazügen kommt oft noch die frivole Komponente der Togaparty hinzu, einer Tradition aus dem amerikanischen Studentenmilieu der Sechziger Jahre.


Das Gebäck des Tages sind die Lussekatter (Luciakatzen), dabei handelt es sich um eine Süßigkeit, die in verschiedenen Formen eingerollt und mit Rosinen und Mandeln verziert wird. Einem Kilo süßen Hefeteig wird ein halbes Gramm Safran beigegeben, das dem Gebäck seine goldgelbe Farbe verleiht. Eine beliebte Form ist ein aus gerollten Teigwürsten gelegtes S, sozusagen zwei entgegengesetzte Schnecken, deren Mittelpunkte mit Rosinen belegt werden. Einer der wichtigsten Bestandteile des Luciafestes ist das Getränk Glögg. Dabei werden einem Liter erhitzten Rotwein zwei Esslöffel Rosinen, ein Stück Ingwer, etwas getrocknete Pomeranzenschale, eine Zimtstange, ein Teelöffel Nelken und ein Teelöffel Kardamom, manchmal Mandeln beigemischt.

Heutzutage wird oft alkoholfreier Glögg oder warmer gewürzter Johannisbeersaft getrunken. In einigen Gegenden und bestimmten Kreisen ist die Mischung jedoch etwas spezieller und pro Liter Rotwein wird bis zu einem Liter Wodka hinzugegeben und unter Umständen mit Zucker zusätzlich gesüßt. Das Gute an Glögg ist, dass er in den üblichen Mischungen sowohl gluten- als auch laktosefrei ist und meist sogar vegan.

Die Lussekatter (Luciakatzen) sind das Gebäck des Tages beim Luciafest. Hierbei handelt es sich um eine Süßigkeit, die in verschiedenen Formen mit Rosinen und Mandeln verziert ist. © Jonas Bergsten, Wikipedia