Jens Mecklenburg

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Kleinod an der Kieler Förde

Ankerplatz: Das kleine Strandhaus
28. Juni 2019

Das kleine Strandhaus in Heikendorf ist ein entzückendes Kleinod mit guter Küche. Nur durch eine Verwechselung lernte ich das Lokal von Jeannette Prey kennen. Ich habe es nicht bereut. Manchmal sieht auch ein Förster den Wald vor lauter Bäumen nicht.

Es galt eine Dame und ihren Herrn Vater zum Sonntagslunch an die Kieler Förde auszuführen. Ich übernahm auf Geheiß der Dame die Reservierung. Wie sich rausstellten sollte, nicht im Lokal ihrer Wahl. Die Verständigung zwischen Mann und Frau ist gelegentlich so abenteuerlich, wie die Herstellung eines Soufflés.

© Das kleine Strandhaus

Entspannte Bistroküche

Als Kleinigkeiten oder Vorspeise locken frittierte Hackbällchen auf brasilianische Art mit tomatisierten Bohnen, Koriander und Limette; Cremiger Ziegenkäse mit Lavendel-Honig-Crumble auf Grapefruit und Salat und ein fein gebeiztes Makrelenfilet auf Mango-Avocado-Salat mit Cashewkernen und Kräutermarinade. Alles unter 10 Euro. Auch an der Kieler Förde hat sich die Tapas-Kultur etabliert, wogegen nichts einzuwenden ist, wenn es wie hier prima schmeckt. Wie der mediterran servierte Wolfsbarsch, die Dorade mit Fenchel-Orangensalat und das auf den gewünschten Punkt gegarte Steak von der Holsteiner Färse. Alles keine große Kochkunst aber handwerklich sauber und gut gekocht und sehr freundlich serviert. Das Dorschfilet von Fischer Kruse mit Pfannengemüse muss auf einen weiteren Besuch warten, wie das Erbsensüppchen mit Minze. Am Schokoladen-Mandelparfait – mit einem guten Schuss Eierlikör – kommen wir auf Wunsch der Dame aber nicht vorbei. Sie meint: ist eine Sünde wert. Dem kann ich mich nicht ganz anschließen, die Desserts fallen etwas ab. Aber wer ist schon perfekt, wir sind nicht im Sternelokal.

Für das insgesamt gute und erfreuliche Handwerk aus der Küche ist Benjamin Kemnitz, der Partner von Jeannette Prey, verantwortlich. Der gute Mann hat schon im Kieler Kaufmann den Kochlöffel geschwungen. Beide harmonieren nicht nur privat, sondern auch im Strandhaus. Ihr sympathisches Speisekarten-Motto: weniger ist mehr. Die Karte wechselt alle vier Wochen und es gibt Tagesangebote.

© Das kleine Strandhaus

Zur Philosophie gehören auch die kleine, gut durchdachte Weinkarte (vom einfachen Tropfen bis gehobene Mittelklasse), der freundlich-familiärer Service und die entspannte aber durchaus stilvolle Einrichtung. Bei Sonne lockt vor der Tür eine Terrasse. Man schaut entspannt dem munteren Treiben auf der Kieler Förde zu. Der Clou ist der separat gelegene kleine romantische Pavillon für maximal acht Personen. Intimer und schöner kann man kaum Essen. Das kleine Strandhaus ist ein guter Ort, um die Zeit ein wenig still stehen zu lassen und zu genießen. Der traumhafte Ausblick auf die Förde ist im Preis mit inbegriffen. Ach ja: Die Dame war mir wegen der Reservierung im „falschen Lokal“ nicht lange böse. Das kleine Strandhaus gefiel ihr ausgesprochen gut. Da hatte ich nochmal Glück gehabt.

© Das kleine Strandhaus

Das kleine Strandhaus

Uferweg 1A, Heikendorf
Tel. 0431/249 87,
www.das-kleine-strandhaus.de

Offen:
Täglich 17 – 23 Uhr, Sa, So ab 12 Uhr, Di Ruhetag,
Hauptgerichte um 18 Euro.