Jens Mecklenburg

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Goldene Bälle

Alte Apfelsorte Goldparmäne
11. September 2020

„Und sind die Blumen abgeblüht, so brecht der Äpfel goldne Bälle“, schrieb Theodor Storm. Dass Äpfel das Leben der Menschen seit jeher begleitet haben, erkennt man aus den biblischen Geschichten, vom Paradiesapfel bis zum Raub der Äpfel im Garten der Hesperiden, mit dem Herakles seine Fähigkeiten als Halbgott unter Beweis stellen konnte. Primitive Formen der Gattung Apfel gab es bereits am Ende der Kreidezeit, vor ca. 65 Millionen Jahren in den tropischen und subtropischen Bergregionen Südostasiens. Von dort breiteten sich die Äpfel über die gesamte nördliche Erdhalbkugel aus. Als Vorfahren unserer heutigen Tafeläpfel sind neben weiteren Arten in erster Linie der Kaukasusapfel und der Altaiapfel (Westasien) zu sehen. Die meisten und vor allem die älteren der heute bekannten über 20.000 verschiedenen Apfelsorten sind Zufallssämlinge oder Mutationen, eine gezielte Weiterentwicklung des Malus domestica, der zu den Rosaceae (Rosengewächsen) gehört, erfolgte erst mit Beginn des 19. Jahrhunderts. Im Gegensatz zu früher gelangen heute nur noch wenige Sorten in den Handel. Selten so köstliche Sorten wie die Goldparmäne, die aus Frankreich, genauer der Normandie, um 1510 stammt. 

GoldparmŠäne. © Ingo Wandmacher


Königin der Prinzessinen

Durch Kirke von Brompton wurde sie unter dem Namen „King of the Pippins“ nach England eingeführt. Über England gelangt sie im 19. Jahrhundert auch nach Norddeutschland. Der fein, süß und nussig mundende aromatische Apfel mit angenehmer Säure ist mittelgroß, die Schale glatt-glänzend mit gelblich-grüner Grundfarbe und kräftigen roten Streifen auf der Sonnenseite. Die hohe Wertschätzung dieser Sorte drückt sich auch in der französischen Bezeichnung Reine de Reinettes (Königin der Prinzessinen) aus. Da die Goldparmäne krankheits- und schädlingsanfällig ist und dadurch einen königlichen Pflegeaufwand benötigt, ist sie heute leider sehr rar geworden. Aber Apfelbauern, die auf Vielfallt statt auf Einfalt Wert legen und Pomologen nehmen den besonderen Pflegeaufwand gerne in Kauf, um die alte Sorte auch für nachfolgende Generationen zu bewahren. Unter kulinarischen Gesichtspunkten ist diese Hege und Pflege unbedingt zu begrüßen. Ab September und bis in den Dezember hinein ist sie erntereif. Sie sollte vor dem Verzehr noch einige Wochen gelagert werden, damit sie ihr königliches Aroma voll ausspielen kann.

Der Baum trägt meist überreich und muss kräftig geschnitten werden. Die Äpfel dürfen nicht zu lange am Baum hängen, da sie sonst leicht mehlig werden. Sie halten sich in gut gelüfteten, kühlen Kellern. Eine weitere Besonderheit: die Goldparmäne färbt sich aufgeschnitten sehr rasch. Die Sorte eignet sich für den puren Genuss aber auch zum Dörren und Saftmachen. Noch ein Tipp für Feinschmecker: Probieren Sie doch mal ein Apfel-Minz-Sorbet von der Goldparmäne. Wenn Sie es als Dreierlei noch mit einer Apfel-Blätterteig-Tarte und einem Apfelkompott mit Ingwer und dunkler Schokoglasur servieren, hält man Sie für eine/n Sterneköchin/Sternekoch. Die Königin der Renetten kann aber auch volkstümlich und findet auch als klassischer Bratapfel Beifall.


Zu beziehen auf Wochenmärkten, bei Obstquelle Schuster in Raisdorf und bei Eckart Brandt im Boomgarden in Großenwörden.

www.obstquelle.de

/www.boomgarden.de

 

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