Jens Mecklenburg

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Interview mit Boris Rogosch über OmaLiebe

8. August 2026
© Sebastian Fuchs

Wie bist Du auf die Idee gekommen, OmaLiebe zu gründen?

Die Idee entstand aus meiner langjährigen Arbeit als Genussexperte und Podcaster. Seit Jahren beschäftige ich mich mit Esskultur und den Geschichten hinter unseren Lebensmitteln. Dabei wurde mir klar, dass das größte kulinarische Wissen oft nicht in Kochbüchern steckt, sondern bei unseren Omas. Viele ihrer Familienrezepte werden nie aufgeschrieben und drohen verloren zu gehen.

Eigentlich wollte ich diese Menschen im ganzen Land besuchen, ihre Geschichten hören und ihre traditionellen Rezepte sammeln. Dazu ist es nie gekommen. Stattdessen entstand die Idee: Warum holen wir die Omas nicht an einen Ort?

Ein wichtiger Impuls war außerdem die Enoteca Maria in New York. Gemeinsam mit meiner Freundin Monika Fuchs, Deutschlands ältester YouTube-Köchin, und Simone Lücking, Inhaberin des Café Lorenz, in dem wir die ersten OmaLiebe Lunch Clubs veranstaltet haben, haben wir diese Idee entwickelt. So entstand der OmaLiebe Lunch Club – und daraus sind inzwischen ein Kochbuch und ein gemeinnütziger Verein geworden.

Was steckt hinter der Idee?

Im Mittelpunkt stehen die Menschen und ihre Geschichten. Unsere Omas haben über Jahrzehnte ihre Familien versorgt, Gerichte gekocht und einen Erfahrungsschatz aufgebaut, der viel zu wertvoll ist, um verloren zu gehen.

Mit OmaLiebe möchten wir traditionelle Rezepte bewahren, Gemeinschaft schaffen und älteren Menschen die Wertschätzung geben, die sie verdienen. Denn gemeinsames Kochen und Essen bringt Menschen zusammen und verbindet Generationen.

© Sebastian Fuchs

Wie bist Du an die Omas gekommen?

Die ersten Omas haben wir über unser persönliches Netzwerk gefunden. Danach entwickelte sich alles fast von selbst. Omas empfahlen andere Omas, Mütter von Freunden kamen dazu und immer mehr Frauen meldeten sich, weil sie von OmaLiebe gehört hatten.

Heute ist daraus eine wunderbare Gemeinschaft entstanden. Jede Oma bringt ihre eigenen Familienrezepte, ihre Persönlichkeit und ihre Lebensgeschichte mit – genau das macht OmaLiebe so besonders.

Wo bleiben die Opas? Warum machen keine mit?

Die Frage hören wir tatsächlich oft. Natürlich sind Opas herzlich willkommen.

Der Name OmaLiebe entstand, weil die ursprüngliche Idee den Frauen gewidmet war, die in vielen Familien das kulinarische Wissen bewahrt und über Generationen weitergegeben haben. Deshalb stehen die Omas bis heute im Mittelpunkt.

Inzwischen machen aber auch schon einige Opas bei OmaLiebe mit – darüber freuen wir uns sehr. Und ehrlich gesagt: Es dürften gern noch mehr werden.

Was zeichnet den Lunch Club aus, was ist das Besondere?

Der OmaLiebe Lunch Club ist bewusst unkompliziert. Unsere Omas kochen ein oder zwei klassische Lieblingsgerichte, die traditionell in Terrinen serviert werden – ehrlich, hausgemacht und zu einem Preis, den sich möglichst jeder leisten kann. Und wer noch Hunger hat, bekommt auf Wunsch gern einen Nachschlag.

Das Schönste passiert aber oft nach dem Essen: Viele Omas setzen sich einfach mit an den Tisch, erzählen Geschichten und klönen mit den Gästen. Genau diese persönlichen Begegnungen machen den Lunch Club so besonders.

© Omaliebe

Jetzt ist gerade ein Buch über die OmaLiebe von dir erschienen. Was ist die Idee hinter dem Buch?

Das Buch ist die konsequente Fortsetzung unserer Idee. Wir wollten die Rezepte unserer Omas dauerhaft bewahren und gleichzeitig die Menschen dahinter sichtbar machen.

Entstanden ist deshalb kein klassisches Kochbuch, sondern ein Buch mit 50 Lieblingsrezepten, persönlichen Geschichten, Erinnerungen und vielen authentischen Fotos und jede Menge Küchentipps. Im Mittelpunkt stehen unsere Omas – sie haben dieses Buch mit ihren Rezepten und ihrer Lebensfreude erst möglich gemacht.

Was sind deine Lieblingsrezepte aus dem Buch, welche verbindest Du mit deiner Kindheit?

Das ist ganz schwer zu sagen. Wenn ich mich auf drei Gerichte beschränken müsste, wären es ganz klar Rinderrouladen, Königsberger Klopse und Senfeier.

Das sind Gerichte, die mich sofort an meine Kindheit erinnern. Sie zeigen aber auch, dass die einfachsten Rezepte oft die größten Emotionen auslösen.

Wo und wie kann man die Omas der OmaLiebe erleben?

Unsere Omas kochen regelmäßig für Gäste an ganz unterschiedlichen Orten – zum Beispiel im Manzel’s in Hamburg-Eppendorf, auf Gut Wulksfelde, in der Kleinen Rast an der Elbe, demnächst im Life Campus in Hamburg-Bramfeld oder im Mühlencafé der Braaker Mühle.

Außerdem engagieren wir uns bei Veranstaltungen und sozialen Projekten. Ein wichtiger Teil von OmaLiebe ist inzwischen auch das regelmäßige Kochen für obdachlose Menschen. Und mit unserem Kochbuch kann sich jeder ein Stück OmaLiebe nach Hause holen.

Gibt es in Sachen OmaLiebe weitere Pläne für die Zukunft?

Ja, viele. Als gemeinnütziger Verein möchten wir unser Engagement weiter ausbauen – vor allem das regelmäßige Kochen für obdachlose und bedürftige Menschen. Dafür brauchen wir natürlich Unterstützung, sei es durch Lebensmittel, Fahrzeuge, Produktionsmöglichkeiten oder Partner, die unsere Idee mittragen.

Ein großer persönlicher Wunsch ist außerdem, gemeinsam mit unseren Omas die Kolleginnen und Kollegen der Vollpension in Wien und der Enoteca Maria in New York zu besuchen. Mit ihnen gemeinsam zu kochen und zu backen, wäre ein wunderbares Zeichen dafür, dass gute Ideen und gelebte Gemeinschaft keine Grenzen kennen.

© Boris Rogosch

Herzlichen Dank für das Gespräch und liebe Grüße an die Omas!

Sehr gern. Mein größter Dank selbst gilt unseren Omas. Sie schenken uns ihre Zeit, ihre Rezepte, ihre Geschichten und ihre Herzlichkeit. Ohne sie gäbe es OmaLiebe nicht.

Bedanken möchte ich mich aber auch bei Monika Fuchs und Simone Lücking. Beide haben von Anfang an an die Idee geglaubt und entscheidend dazu beigetragen, dass aus einer Vision eine lebendige Gemeinschaft geworden ist.

Über Boris Rogosch

Boris Rogosch ist Genussexperte, Podcaster, Moderator, Autor und Genussreisender. Mit seinem Podcast Foodtalker gehört er zu den bekanntesten Stimmen der deutschsprachigen Genuss- und Gastronomieszene. Darüber hinaus produziert und moderiert er weitere Podcastformate wie Vinyl & Wein, Der Hamburger – Kulinarik und den Algen-Talk.

Als Moderator kuratiert und begleitet Boris Rogosch kulinarische Veranstaltungen, Festivals und Genussreisen. Im Mittelpunkt seiner Arbeit stehen Menschen, ihre Geschichten und die kulinarische Vielfalt.

Über OmaLiebe

OmaLiebe ist ein gemeinnütziger Verein, der traditionelle Familienrezepte bewahrt, Gemeinschaft schafft und älteren Menschen eine Bühne gibt. Herzstück ist der OmaLiebe Lunch Club, in dem Omas – und mittlerweile auch die ersten Opas – ihre Lieblingsgerichte kochen, Geschichten erzählen und Menschen an einem Tisch zusammenbringen.

Ein weiterer Schwerpunkt ist das regelmäßige Kochen für obdachlose und bedürftige Menschen. So verbindet OmaLiebe kulinarisches Erbe mit sozialem Engagement.

Kontakt
OmaLiebe e. V.
E-Mail: info@omaliebe.org
Web: www.omaliebe.org

Das Buch

OmaLiebe – Das Original OmaLiebe Lunch Club Kochbuch

50 Lieblingsrezepte unserer Omas, ergänzt durch persönliche Geschichten, Erinnerungen und authentische Fotografien.

Autor: Boris Rogosch
Rezeptfotografie: Frauke Antholz
Porträts & Moodfotografie: Sebastian Fuchs
Verlag: Hölker Verlag
Umfang: 144 Seiten
Preis: 26,00 €
ISBN: 978-3-7567-1080-5

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