Wolgazander wird in Norddeutschland heimisch

Neuer Raubfisch eingewandert
10. März 2026
Flussbarsch, Wolgazander, Zander © Angler Verband Niedersachsen

Wenn es dämmert, kommt dieser Fisch heraus – und geht auf die Jagd. Vor 15 Jahren tauchte der erste Wolgazander im Mittellandkanal auf. Inzwischen ist der Raubfisch im Norden weitverbreitet.

Eine neue Art breitet sich aus: Vornehmlich im Norden der Republik werden immer mehr Exemplare des eigentlich nicht in Deutschland beheimateten Wolgazanders gefangen.

Der Anglerverband Niedersachsen (AVN) hat in einer Studie jetzt mehr als 1.100 Fänge ausgewertet. So entstehen erstmals umfassende Einblicke in Verbreitung, Biologie und Populationsentwicklung des Raubfischs.

2010 hatten Angler im Mittellandkanal bei Braunschweig die ersten in Deutschland nachgewiesenen Exemplare aus dem Wasser geholt. Sie wunderten sich über den ungewöhnlichen Fang: Anders als der heimische Zander hat der Wolgazander fünf bis sieben dunkle Streifen bis zum Bauchansatz, seine erste Rückenflosse ist höher, und er weist keine Fangzähne auf.

Ursprünglich kommt der nachtaktive Wolgazander aus dem Osten Europas, das Verbreitungsgebiet erstreckt sich vom Ural über das Schwarze Meer bis nach Ungarn und Österreich.

Fänge in sechs Bundesländern

Nach dem ersten Nachweis bei Braunschweig habe der Fisch sein Verbreitungsgebiet in Norddeutschland innerhalb von 15 Jahren enorm vergrößert, erklärt der Raubfisch-Experte vom AVN, Matthias Emmrich. „Uns liegen mittlerweile bestätigte Nachweise des Wolgazanders aus elf Gewässern in sechs Bundesländern vor“, sagt Emmrich. Der AVN listet Niedersachsen, Hamburg, Sachsen-Anhalt, Brandenburg, Bremen und Nordrhein-Westfalen auf. Einige Funde in der Elbe in Niedersachsen liegen nahe der Grenze zu Mecklenburg-Vorpommern.

links Zander, rechts Wolgazander © Matthias Emmrich AVN

Fische nutzen Wasserstraßen

Wasserstraßen für Schiffe wie etwa der Mittellandkanal spielen nach Angaben des Biologen Emmrich bei der Ausbreitung eine wichtige Rolle, weil sie ehemals isolierte Flusssysteme verbinden. Eine Besiedlung des westdeutschen Kanalnetzes und des Rheinsystems hält Emmrich daher für sehr wahrscheinlich. Nach Angaben des Anglerverbands konnten bislang über 1.100 Fangdaten und mehr als 200 Wolgazander untersucht werden, um Rückschlüsse auf die Verbreitung zu ziehen.

In den ersten Lebenswochen ernähren sich Raubfische etwa von Wasserflöhen. Kleinere Grundeln seien anschließend die perfekte Beute. Biologe Emmrich geht nicht davon aus, dass der oft kleinere Wolgazander eine ernste Gefahr für heimische Raubfische darstellt. Schon nach den ersten Funden waren Experten davon ausgegangen, dass der Wolgazander langfristig bleibe, aber keine Gefahr für heimische Raubfische darstelle.

Der Wolgazander erreicht eine Größe von maximal 65 Zentimetern und bleibt laut AVN damit weit hinter der Größe des heimischen Zanders zurück. Dieser kann in Elbe und Weser weit über einen Meter lang werden und mehr als zehn Kilogramm wiegen.