Gabriele Haefs

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Wales lebt nicht von Wasser allein

Die Waliser & Waliserinnen lieben Gin
19. August 2019

Der Mensch lebt bekanntlich nicht vom Wasser allein, „so ein Gin, der geht noch rin“ (Robert Gernhardt), und darauf müssen Sie sich gefasst machen, wenn Sie nach Wales reisen. Schon zum Frühstück wird Gin gereicht – im Marmeladenglas.

Der Mensch lebt bekanntlich nicht vom Wasser allein, „so ein Gin, der geht noch rin“ (Robert Gernhardt), und darauf müssen Sie sich gefasst machen, wenn Sie nach Wales reisen. Der Grund ist nicht ganz klar, aber das ehemals mit Herzoginnen und Offizieren in den Kolonien assoziierte Getränk ist plötzlich das heißeste vom Heißen – in Wales, wohlgemerkt.

Wo anderswo jedes Dorf plötzlich sein eigenes Craft Beer braut, schießen in Wales die kleinen Destillen wie Pilze aus dem Boden. Alle walisischen Bekannten fühlen sich verpflichtet, die Gäste in die nächstgelegene und am nächsten Tag in die übernächstgelegene zu führen, und auf diese Weise vergehen die Tage in einem angenehmen Nebel. Es wird eigentlich auch nicht erwartet, dass man bewundernd vor den Apparaturen steht, sich hinzusetzen und die Ware zu kosten, das ist der Sinn der Sache. Die neuen Ginsorten haben schöne Namen, Anti-A-Gin z.B., diesem Gin werden Kräuter beigemischt (Kamille, Brennnessel, Koriander, Engelwurz und Zaubernuss!), die das frühe Altern verhindern sollen, aber das stimmt nicht, ein Blick in den Spiegel nach ausgiebigem Testen beweist das.

Gin zum Frühstück 

Es gibt Gin-Marmalade (Marmalade im englischen Sinn, also bittere Apfelsinenmarmelade), die wirklich schmeckt wie Gin mit einem Schuss O-Saft, man hat das Gefühl, schon zum Frühstück Gin zu trinken, ohne dass es irgendwer merkt. In der Nähe von Hay on Wye wird der Gin mit angeblich besonders feinem Mineralwasser hergestellt, das aus dem Naturschutzgebiet Brecon Mountains. Und sogar Öko-Gin gibt es, behauptet jedenfalls die Herstellerfirma, die mit Whiskey angefangen hat – Whiskey assoziiert man ja eher nicht mit Wales, aber es gibt einige wenige walisische Whiskeysorten.

Damit man nicht merkt, vermutlich, dass man walisischen Whiskey vor sich hat, nennt sich die Destille „Dá Mhíle“, was Irisch ist und 2000 bedeutet. Die machen also nun Öko-Gin, der zweifellos auch sehr gesund ist. Und nicht nur die Destillen schießen wie Pilze aus dem Boden – auch die Ginfestivals, seit einigen Jahren gibt es ein Gin-Festival in Cardiff und eins in Swansea, aber nun ziehen die ländlichen Regionen nach, und im Mai 2019 gibt es erstmals das Mid-Wales Gin Festival. Wenn Sie aber nach so viel Gin Abwechslung wünschen, dann empfehlen wir das Gin and Vodka-Festival in Cardiff!

Gin and Tonic wird in Wales so gemischt: Eine Lage Gin ins Glas, eine Lage Tonic, eine Lage Gin, eine Lage Tonic, eine Lage Gin – immer so weiter, je nach Größe des Glases, die oberste Schicht muss Gin sein. Dadurch kann der Gin seine Wirkung richtig entfalten, und der lästige Tonicgeschmack nimmt nicht überhand. Man kommt sich allerdings ganz schön blöd vor, wenn man nach dem dritten G & T höflich einen weiteren ablehnt, weil es ja erst 17 Uhr ist und man noch einige Stunden durchhalten muss – und wenn die 87jährige Gastgeberin  sich den vierten mischt und verachtungsvoll sagt: „Ihr Continentals könnt aber wirklich nichts vertragen!“

 

Gabriele Haefs:

111 Gründe, Wales zu lieben. Eine Liebeserklärung an das schönste Land der Welt.

Schwarzkopf & Schwarzkopf, 300 Seiten, Paperback, 14,99 Euro.

 

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Liebeserklärung an Wales