Jens Mecklenburg

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Vogelgrippe ist kein Naturereignis

BUND macht die Geflügelindustrie verantwortlich
12. November 2025

Die aktuelle Ausbreitungswelle der Vogelgrippe trifft Wildvögel in Deutschland in einem bislang nie gesehenen Ausmaß. Besonders betroffen sind Kraniche in wichtigen Rastgebieten wie dem Linumer Teichland in Brandenburg, wo in diesem Jahr bereits mehrere tausend Tiere tot aufgefunden wurden. Der BUND Hamburgweist auf die Ursachen hin, die nicht in der Natur liegt, sondern in der industriellen Geflügelhaltung. 

© Georg Wietschorke

„Vogelgrippe ist kein Naturereignis. Sie entsteht in der Massentierhaltung und breitet sich von dort aus. Wer Geflügel aus industrieller Produktion kauft, unterstützt ein System, das Natur, Tiere und am Ende auch uns Menschen gefährdet. Wir haben die Möglichkeit, es besser zu machen. Jeder Einkauf zählt,“ sagt Dr. Gisela Bertram, zweite Vorsitzende BUND Hamburg. 

Massentierhaltung erzeugt gefährliche Virusvarianten 

Wissenschaftliche Untersuchungen zeigen seit Jahren, so der BUND, dass hochpathogene Vogelgrippevarianten vor allem in großen Geflügelbeständen entstehen, wo hohe Tierdichten und genetische Gleichförmigkeit ein ideales Umfeld für Virenmutationen schaffen. Wildvögel tragen meist ursprüngliche, mild verlaufende Varianten, während gefährlichere Formen in der Geflügelindustrie entstehen und von dort verbreitet werden. 

Infektionen verbreiten sich über Stallluft, Transporte und Stallmist 

Die Übertragung erfolgt nicht nur über direkten Kontakt, sondern auch über Abluft, Fußwege von Personal und vor allem über Stallmist, der häufig unbehandelt auf landwirtschaftliche Flächen ausgebracht wird. Wenn dort Wildvögel Nahrung aufnehmen, kommt es zur Infektion mit zuvor in Geflügelbeständen entstandenen Virus-Varianten. Das bedeutet: Wildtiere sind nicht Verursacher der derzeitigen Ausbrüche, sondern Opfer der Intensivtierhaltung.  

© Tourismusverband MV

Ausbrüche in Geflügelbetrieben nehmen zu 

Die offiziellen Tierseuchenberichte des Friedrich Löffler Instituts (FLI) zeigen laut BUND seit mehreren Jahren einen deutlichen Anstieg der Ausbrüche in deutschen Geflügelhaltungen, lange bevor einzelne Wildvögel betroffen waren. In Folge wurden in Deutschland in diesem Herbst schon mehr als 500.000 Hühner, Enten, Gänse und Puten in Geflügelhaltungen getötet. 

Aufruf an Verbraucherinnen und Verbraucher: Bewusst einkaufen 

Gerade in der Weihnachtszeit steigt die Nachfrage nach Geflügel stark. Der BUND ruft daher alle Menschen dazu auf, kein Geflügel aus Massentierhaltung zu kaufen und stattdessen auf biozertifizierte, regionale und kleinbäuerliche Betriebe zu setzen.  

„Wir bitten alle Menschen Verantwortung zu übernehmen. Entscheiden Sie sich für Geflügel aus Biohaltung mit kleinen Tierbeständen und unterstützen Sie regionale Höfe, die das Tierwohl im Blick haben. Feiern Sie Weihnachten ohne Billigputen und Hähnchen aus Massentierhaltung. Und fragen Sie in Restaurants ganz bewusst nach, woher das Fleisch kommt. Jede Entscheidung zählt, jede Mahlzeit verändert etwas, wir alle können Teil der Lösung sein.“ Zeigt sich Gisela Bertram überzeugt. 

© TMV Growe Lodzig

BUND fordert von der Politik: 

  1. Reduktion der Tierzahlen in Geflügelhaltungen bundesweit. Hohe Bestandsdichten sind ein zentrales Risiko für die Entstehung und Verschärfung von Vogelgrippe. 
  2. Verpflichtende hygienische Behandlung von Stallmist, bevor er auf Felder ausgebracht wird. 
  3. Keine weitere Genehmigung von Großanlagen im Geflügelbereich. 
  4. Förderung kleinerer, artgerechter Haltungen und regionaler Vermarktung. 

Quellen:

  • Lee, D-H., Criado, M.F., Swayne, D.E. (2021): Avian influenza: Evolution of highly pathogenic viruses. Current Topics in Microbiology and Immunology. 
  • Bell et al. (2022). Environmental pathways of avian influenza virus transmission. Transboundary and Emerging Diseases. 
  • Friedrich Löffler Institut (FLI). Aktuelle Lageberichte zu HPAI in Deutschland. https://www.fli.de 

NABU Brandenburg. Kranichsterben im Linumer Teichland. https://brandenburg.nabu.de