Jutta Kürtz

Journalistin & Sachbuch-Autorin

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Sonntagssuppe mit Rosinenreis

Mit Rezept von Jochen Strehler
15. Januar 2020

„Rosinenreis. Die Sonntagssuppe mit Rosinenreis. Und die süßen Möhren dazu!“ Karla strahlt. Hier bei uns im Norden würde man sogar sagen: Sie smustert. Sie strahlt so ganz von innen, heiter und ganz bei sich. Als lägen die süßen Rosinen auf der Zunge … 

Es war Karlas Großmutter Hansine im Nordfriesischen, an die sich meine Freundin erinnert. „Wir lebten nach dem letzten Krieg mit drei Generationen auf dem Hof. Wie überall auf dem Lande waren wir Selbstversorger. Im Stall Schwein und Kuh und immer auch Enten, Gänse und Hühner. Es wurde sparsam gekocht. Aber an Festtagen griff sich Oma Hansine ein Huhn. Es war immer gut für eine fast goldene fettäugige Suppe und für ein Frikassee am nächsten Tag. Das beste aber war der Rosinenreis.“

War das ein Kindertraum? Ja. Denn Reis und Rosinen wuchsen ja nicht auf Bäumen und Büschen im Garten. Reis und Rosinen waren teure Kolonialwaren. Es war ja nicht so selbstverständlich wie heute, dass es Waren aus aller Welt für jedermann gab. In der ländlichen Hökerei oder früher noch vom übers Land ziehenden Wander-Höker kauften die Hausfrauen Kostbares aus fernen Landen, Vorrat für festliche Tage. Seltene Gewürze gehörten dazu, Zimt und Kanehl und Vanille, auch Wein und Branntwein und Kaffee, Schokolade und Tee. Und eben Reis. Und Rosinen (oder Sultaninen oder Korinthen). In „Meyers Konservations-Lexikon“ von 1896 lesen wir: „Kolonialwaren sind die aus den Tropen, besonders den europäischen Kolonien, eingeführten Waren, wie Zucker (zum Unterschied vom Rübenzucker, auch Kolonialzucker genannt), Kaffee, Tee, Kakao, Gewürze, Reis, bisweilen auch Rohstoffe der Industrie, wie Baumwolle, Seiden, Kautschuk, Farbhölzer etc.“

In die klare Hühnerbrühe gab Karlas Großmutter ganz fein geschnittenes Gemüse, zuweilen kleine Fleischwürfel vom Huhn – das Restfleisch wurde so verarbeitet – und gerne lockeren Eierstich. Dazu dann den als Kuppel aufgetürmten Reis, aus dem viele Rosinen herausschauten. Drumherum wurden karamellisierte Möhren gelegt, sie waren in lange Streifen geschnitten und in Butter und Zucker durchgeschwenkt. Das war schön anzusehen und sehr lecker. „Und dann schwammen die Rosinen in der Suppe und ich konnte sie Stück für Stück am Gaumen zerdrücken. Das schmecke ich jetzt noch – und es erinnert mich an glückliche, festliche Tage mit der Großmutter. Von ihr bekam ich ab und zu auch Rosinen aus der Dose als Bonbons, als Süßigkeit.“

Hühnersuppe mit Rosinenreis

Ein Rezept von Jochen Strehler

 

Zutaten (6 Personen)

  • Ein ordentliches Huhn aus guter Aufzucht (Es kann gerne ein älteres „Suppenhuhn“ Ihres Lieferanten sein, aber eben nicht, wie so oft, ein „billiges Huhn aus der Tiefkühltruhe“! Gerade bei einer Suppe merkt man den Unterschied zwischen gut und billig.).
  • 1 kleiner Knollensellerie
  • 4 große Karotten
  • 2 Stangen Lauch
  • 3 große Zwiebeln
  • 1/2 Knolle Knoblauch
  • 1 dicker „Ast“ frischen Ingwer
  • 4 Blätter Lorbeer, 3 Nelken, je 1 EL Pfefferkörner, Piment
  • je 1 TL Chili geschrotet & Kardamom
  • 1 EL Raps – oder Öl
  • Meersalz, Muskatnuss, frische Kräuter

 

  • pro Person 60 g Basmati- oder Jasminreis, die doppelte Menge Wasser abmessen (im Verhältnis zum Reis)
  • 100 g Rosinen bzw. Sultaninen
  • 1 EL Butter
  • 1/2 TL Kurkuma
  • Meersalz
  • 5 Kardamom-Kapseln

 

Zubereitung Suppe 

Das Huhn abwaschen und grob zerteilen.

In einen großen Suppentopf geben und mit kaltem Wasser großzügig bedecken. 1 TL Salz hineingeben.

Auf mittlerer Hitze zum Kochen bringen, dabei immer wieder den entstehenden Schaum abschöpfen.

In der Zwischenzeit Sellerie, Karotten & Ingwer schälen, den Porree halbieren und gut spülen.

Ungefähr die Hälfte dieses Gemüses, am besten die dickeren Stücke, somit die einfacher zu schneidende Hälfte, zu ordentlichen kleinen Würfeln schneiden, für die spätere Einlage.

Die andere Hälfte nach ca. einer halben Stunde des Kochens dem Huhn beigeben, jetzt auch Lorbeer, Nelke, Wacholder, Piment, Pfeffer, Kardamom & Chili hinzufügen. Zwiebel und Knoblauch MIT Schale halbiert dazu geben.

Alles zusammen nun ca. 1 Stunde ganz leicht simmern lassen.

Dann das Huhn herausheben und abkühlen lassen, die Brühe durch ein Sieb geben.

Fleisch vom Knochen pulen und würfeln.

Bis hierhin können Sie die Tätigkeiten problemlos einige Stunden vor dem Essen erledigen oder sogar am Vortag. Umso leichter können Sie das Hühnerfett auf das gewünschte Maß abheben. Ein klein wenig sollte jedoch bleiben – für den guten Geschmack.

Sobald Sie essen wollen, die Gemüsewürfel in etwas Öl ohne Farbe anbraten, die entfettete Brühe zugeben und aufkochen. Wenn das Gemüse weich genug ist, Hühnerfleisch zugeben und alles mit Salz und Muskat abschmecken und mit geschnittenen frischen Kräutern nach Wahl vollenden.

 

Zubereitung Rosinenreis

Reis sorgfältig unter fließendem Wasser einige Minuten kräftig abspülen und abtropfen lassen.

Rosinen mit 1/2 Liter kochenden Wasser übergießen, nach 10 Min. abtropfen lassen.

Die Butter erhitzen, bis sie schaumig ist, Kurkuma und Kardamom zugeben und kurz anschwitzen.

Nun den Reis in den Topf geben und mit dem abgemessenen Wasser aufgießen. Einmal kräftig aufkochen, den Topf zudecken, dann die Herdplatte auf kleinstmögliche Stufe schalten. Nach ca. 15 Min. ist der Reis gar. Mit Salz abschmecken, Rosinen unterrühren.