Mehr Vogelzähler, weniger Vögel

Immer weniger Wintervögel sind in Gärten und Parks zu sehen – das zeigt das Endergebnis der neunten „Stunde der Wintervögel“. Mit der Teilnehmerzahl bei Deutschlands größter wissenschaftlicher Mitmach-Aktion geht es dagegen weiter nach oben: Fast 138.000 Teilnehmer haben ihre Vogelsichtungen dem NABU und seinem bayerischen Partner Landesbund für Vogelschutz (LBV) gemeldet. „Das ist bundesweit ein neuer Rekord und zeigt, wie groß das Interesse an der heimischen Natur ist. Darüber freuen wir uns sehr“, so der Vogelschutzexperte des NABU Schleswig-Holstein, Ingo Ludwichowski. In Schleswig-Holstein zählten 6.354 TeilnehmerInnen in 4.469 Gärten. „Gut für unsere Vögel wäre es auch, wenn immer mehr Menschen ihre Gärten als Mini-Naturschutzgebiete sehen und sie vogelfreundlich gestalten.“ 

Trend: milde Winter, weniger Meisen

Weniger erfreulich ist das Ergebnis der Vogelzählung. Die Gesamtzahl der pro Garten gemeldeten Vögel liegt bundesweit mit nur 37,1 unter dem langjährigen Mittel. „Sie ist die zweitniedrigste Zahl nach dem Rekordminus von 34,4 im Jahr 2017. 2011 wurden noch fast 46 Vögel pro Garten gemeldet“, so Ludwichowski. Schleswig-Holstein ist im Jahr 2018 mit 38,8 gemeldeten Vögeln zwar noch deutlich vogelreicher als der Bundesdurchschnitt, aber im Jahr davor waren es noch 39,1 Vögel. Zu Beginn der Aktion wurden noch im Mittel aller Gärten 43,3 Vögel in Schleswig-Holstein gezählt. „Der Grund für diesen deutlich negativen Trend liegt vor allem in den milden Wintern der vergangenen Jahre, die auf einige harte Winter in den Anfangsjahren der Zählaktion folgten. Damit kommen weniger Vögel in die Gärten, weil sie in schneefreien Wäldern noch genug zu fressen finden. Ob auch ein tatsächlicher Rückgang an Vögeln die Ursache sein könnte, muss in Zukunft aufmerksam verfolgt werden.“ Zudem sind offenbar weniger Vögel aus dem Norden und Osten Europas nach Deutschland gekommen, da der Winter in ganz Europa eher mild war. „Aus diesen Gründen wurden besonders von den klassischen Futterhausbesuchern wie Kohlmeisen, Blaumeisen, Sumpf- und Tannenmeisen deutlich weniger Exemplare gezählt“, so NABU-Vogelschutzexperte. „Der Trend geht eindeutig zu milderen Wintern mit weniger Meisen in den Gärten.“ Auch die Zahlen anderer Waldvögel wie Kleiber, Eichelhäher, Buntspecht und Gimpel liegen niedriger als im langjährigen Mittel.

Sorgenvogel Amsel

Große Sorgen macht den NABU-Vogelschutzexperten die Amsel. Sie fuhr mit bundesweit nur 2,67 Vögeln pro Garten bei der Stunde der Wintervögel 2019 ihr bisher schlechtestes Ergebnis ein. „Der sehr trockene Juli 2018 war schlecht für das Überleben der Jungvögel, da die Amseln kaum Regenwürmer finden konnten“, so Ludwichowski. „Doch der Hauptgrund dürfte die im Sommer 2018 grassierende Usutu-Epidemie sein.“ Das zeigt sich besonders an den Meldungen aus Hamburg, wo im Sommer bundesweit auch die meisten toten Amseln gemeldet worden waren. Dort gab es mit nur noch 2,01 Amseln pro Garten einen Verlust von 42 Prozent. Ein extremer Rückgang – noch in keinem Jahr waren zuvor weniger als 3,4 Amseln pro Garten gesehen worden. Auch in Schleswig-Holstein sank die Zahl der Meldungen von 4,14 auf 3,73 Amseln je Garten, liegt aber noch über dem Bundestrend.

Bei den Top fünf der Wintervögel liegt auch 2019 bundes- und landesweit der Haussperling an erster Stelle, danach folgen bundesweit Kohlmeise, Feldsperling, Blaumeise und Amsel. In Schleswig-Holstein erobert der Feldsperling Platz zwei, gefolgt von Kohlmeise, Amsel und Blaumeise.

Wer noch mehr über Deutschlands Vögel erfahren will, kann sich die kostenlose NABU App „Vogelwelt“ unter www.NABU.de/vogelwelt downloaden. Mit der bilderreichen App kann man alle Vogelarten, die in Deutschland nachgewiesen worden sind, kennenlernen und bestimmen. Insgesamt enthält die App 308 Arten.

Die nächste Vogelzählung steht vom 10. bis 12. Mai 2019 an. Dann werden bei der „Stunde der Gartenvögel“ die Brutvögel in unseren Gärten und Parks erfasst. Weitere Informationen und Ergebnisse unter: www.NABU-SH.de