Nordlichter – König Harald verstorben

Norwegen trauert um seinen beliebten König
31. August 2026
König Harald V. von Norwegen – 2013 © Sámediggi Sametinget

Er floh als Kind vor den Nazis, segelte bei Olympia und hielt Norwegen zusammen. Als König versöhnte Harald V. gelebte Sozialdemokratie und Krone. Nun ist der älteste Monarch Europas gestorben.

Bei strömendem Regen haben Tausende Menschen in Oslo Abschied von ihrem geliebten König Harald V. genommen. In der Abenddämmerung wurde der Sarg mit dem am Freitagmorgen gestorbenen Monarchen vom Reichskrankenhaus zum Königsschloss gefahren.

Haakon tritt großes Erbe an

Die Stimmung auf dem Schlossplatz im Herzen Oslos schwankte an diesem Schicksalstag für Norwegen zwischen tiefer Trauer und gespannter Erwartung. Tausende Menschen legten im Laufe des Tages Blumen ab, hielten einen Augenblick inne. «Wir werden dich vermissen», stand auf einem Brief von Erstklässlern.

Und dann fuhr der neue König vor: Haralds Sohn tritt als Haakon VIII. das große Erbe seines Vaters an. In den Mittagsstunden wählte der 53-Jährige den Leitspruch «Alt for Norge», also «Alles für Norwegen» – wie schon sein Vater und Großvater. Seine Ehefrau Mette-Marit (53) war an seiner Seite die neue Königin, seine Mutter Sonja trägt weiter ihren Königinnentitel. 

Die gemeinsame Tochter von Haakon und Mette-Marit, Ingrid Alexandra (22), ist nun Kronprinzessin. Gemeinsam mit der Thronfolgerin begrüßte Haakon am Mittag die Mitglieder der norwegischen Regierung, die sich im Anschluss in ein Kondolenzbuch eintrugen und auch Blumen niederlegten. Der Übergang zwischen der vergangenen Königsära und der neuen erfolgte fließend.

© Jorgen Gomnas – Der königliche Hof

Harald V. schlief friedlich ein

Die Nachricht vom Tod des Königs traf die Norweger um halb neun am Freitagmorgen. Um 6.35 Uhr war der 89-Jährige (21.2.1937 – 28.8.2026) im Reichskrankenhaus friedlich und für immer eingeschlafen, wie das Königshaus mitteilte. Eine Passantin erzählte, sie habe davon im Bus im Radio erfahren. Sie sprach von einem «Schock» und davon, sofort geweint zu haben.

Bereits seit Anfang vergangener Woche hatte Harald im Krankenhaus gelegen. Wegen der Bluterkrankung hämolytische Anämie – einer Form der Blutarmut – war er mit Kortison behandelt worden, was zu einer Flüssigkeitsansammlung im Körper geführt hatte. Anschließend zog er sich zusätzlich eine bakterielle Infektion des Blutkreislaufs zu.

«Du warst nett, cool, fürsorglich und der beste König der Welt»

Auch eine weitere Gruppe von Schülerinnen und Schülern war extra hergefahren, um Anteil zu nehmen. «Du warst nett, cool, fürsorglich und der beste König der Welt», steht in einem Brief der elfjährigen Mina. Nicht nur auf dem Schlossplatz, sondern aus aller Welt erreichten das Königshaus Beileidsbekundungen.

«Eine ganze Nation trauert, und das norwegische Volk ist zugleich zutiefst dankbar für ein langes Leben im Dienste Norwegens», sagte der norwegische Regierungschef Jonas Gahr Støre. «Mehr als drei Jahrzehnte lang demonstrierte Harald V. als Monarch ein unerschütterliches Vertrauen in das norwegische Volk. Er half uns, das Beste in uns selbst und ineinander zu sehen.»

Gesundheitlich war der norwegische König schon lange angeschlagen. Seit 2024 war er etwa dauerhaft auf einen Herzschrittmacher angewiesen. Außerdem kämpfte er immer wieder mit Atemwegserkrankungen und Infektionen. Auch das Gehen fiel ihm seit längerer Zeit schwer.

Den Thron vorzeitig seinem Sohn Haakon zu überlassen, war für Harald trotzdem nicht infrage gekommen. Seine royalen Pflichten absolvierte er bis zuletzt.

© Kimm Saatvedt Der königliche Hof

Mit Worten verbinden

Seine Landsleute schätzten König Harald V. für seine zurückhaltende Art – und dafür, dass er klare Kante zeigen konnte, wenn es darauf ankam. Seine Reden waren oft geprägt von Mitmenschlichkeit und Taktgefühl. So tröstete er die Norweger nach den Terroranschlägen in Oslo und auf der Insel Utøya 2011.

Es war seine Stärke, die Menschen im Land mit seinen Worten zu erreichen und zu verbinden. Als ikonisch gilt etwa eine Rede von 2016, zum 25-jährigen Thronjubiläum. König Harald und Königin Sonja hatten 1.500 Menschen aus allen Ecken des Landes zu einem Fest im Schlosspark eingeladen. „Was macht Norwegen aus?“, fragte der Gastgeber. Die geliebte Natur, sicher. Aber vor allem seien es die Menschen. Menschen aus so unterschiedlichen Regionen wie Nordlandet, Sørlandet und Trøndelag. Norweger seien aber auch eingewandert aus Afghanistan, Pakistan, Polen, Schweden, Somalia und Syrien. „Meine Großeltern kamen vor 110 Jahren aus Dänemark und England“, erinnerte er, bevor er weitere Kategorien der Vielfalt ansprach.

Norweger seien reich, arm und mitten dazwischen. Sie liebten Fußball, Handball, Bergwanderungen, Segeln – oder lägen am liebsten auf dem Sofa. Der König zählte Berufsgruppen, Körpergrößen, Gesundheitszustände, Familienformen auf – und wie selbstverständlich auch sexuelle Orientierungen und Religionen.

Norweger seien Mädchen, die Mädchen lieben, Jungs, die Jungs lieben sowie Jungs und Mädchen, die einander lieben. Norweger glaubten an Gott, Allah, Alles und Nichts, sagte er in dieser Rede auch. „Ihr seid Norwegen. Wir alle sind Norwegen“. Seine größte Hoffnung sei es, dass sie es schafften, aufeinander achtzugeben.

Humor und Sport

Beliebt war der Monarch auch wegen seines trockenen Humors. Er galt als begeisterter Segler – in dieser Sportart nahm er zwischen 1964 und 1972 an gleich drei Olympischen Sommerspielen teil – und auch als Wintersportler.

Den Thron hatte Harald 1991 nach dem Tod seines Vaters Olav V. bestiegen.

Norwegen ist erst seit 1905 wieder eigenständiges Königreich, nach Jahrhunderten unter dänischer und/oder schwedischer Herrschaft. Harald war nach seinem Großvater Haakon VII. und seinem Vater König Olav V. erst der dritte Regent dieser neuen Zeit, und der erste auch in Norwegen geborene.

Seine große Liebe Sonja heiratete er 1968 – obwohl sein Vater lange mit der Beziehung seines Sohnes zu einer Bürgerlichen gehadert hatte. Bei seinen eigenen Kindern war Harald toleranter: Auch sein Sohn Haakon heiratete mit Mette-Marit eine ganz normale Norwegerin.

Die norwegische Monarchie hat Wurzeln, die bis zu König Harald Schönhaar im 9. Jahrhundert zurückreichen. Als Norwegen 1905 seine Unabhängigkeit von Schweden wiedererlangte, stimmten drei Viertel der Wähler in einer nationalen Volksabstimmung für die Wiederherstellung der Monarchie.

König Haralds Familie entstammte dem Haus Schleswig-Holstein-Sonderburg-Glücksburg, einer Nebenlinie des Hauses Oldenburg. 

Heute ist die Rolle des Königs weitgehend symbolisch, da die Macht bei einem gewählten Parlament liegt. Doch die Königsfamilie des Landes genießt nach wie vor hohes Ansehen und spielt eine wichtige Rolle für das Ansehen Norwegens in der Welt.

König Haakon © Ola Vatn Königlicher Hof

Unsichere Zukunft für die norwegische Monarchie

Ohne Harald ist unsicher, wohin die norwegische Monarchie nun steuert. Denn während der König in seinem Land enormen Rückhalt genoss, haben Skandale das Vertrauen in die Familie von Haakon und Mette-Marit zuletzt stark erschüttert. Die bisherige Kronprinzessin Mette-Marit war wegen ihrer engen Freundschaft zu dem Sexualstraftäter Jeffrey Epstein in die Kritik geraten. 

Mette-Marits ältester Sohn Marius Borg Høiby aus einer früheren Beziehung wurde zudem im Juni unter anderem wegen zwei Vergewaltigungen nach norwegischem Recht zu vier Jahren Haft verurteilt. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. Europas ältester amtierender Monarch war seinem Land ein Anker in unruhigen Zeiten.