Von Lovis Corinth bis Corinne Wasmuht – Die Kunsthalle zu Kiel zu Gast in der Herbert Gerisch-Stiftung

23. August 2025

Advertorial

Corinne Wasmuht, Transverse NXL, 2011, Dauerleihgabe Stifterkreis Kunsthalle zu Kiel e.V. © Corinne Wasmuht, Foto: Petzel Gallery New York

Vom 13. Juli bis 12. Oktober 2025 zeigt die Herbert Gerisch-Stiftung in Neumünster als Kooperationsprojekt mit der Kunsthalle zu Kiel die Ausstellung „Von Lovis Corinth bis Corinne Wasmuht“. Zu sehen sind rund 55 ausgewählte Werke aus der Sammlung der Kunsthalle – ein bedeutendes Konvolut von Dauerleihgaben des Stifterkreises, das erstmals seit der sanierungsbedingten Schließung der Kunsthalle in diesem Umfang öffentlich zugänglich gemacht wird. Seit dem 25. September 2023 ist die Kunsthalle zu Kiel wegen umfangreicher Sanierungsarbeiten geschlossen. Eine dauerhafte Präsentation der Sammlung in vergleichbarer Größenordnung wird erst in einigen Jahren wieder möglich sein. In der Übergangszeit sind lediglich einzelne Leihgaben oder Werkgruppen national und international zu sehen; ein Großteil der Sammlung ist jedoch eingelagert und damit nicht öffentlich zugänglich. Umso bedeutsamer ist die aktuelle Kooperation der Gerisch-Stiftung mit der Kunsthalle zu Kiel, die zum Ziel hat, dieses bedeutende Sammlungskonvolut zu präsentieren und so einem breiten Publikum Zugang zu einem wichtigen Bestandteil der Museumslandschaft Schleswig-Holsteins zu ermöglichen.

Der Stifterkreis

Der Stifterkreis der Kunsthalle, gegründet 1978, hat in den vergangenen Jahrzehnten maßgeblich zur Sammlungserweiterung beigetragen. Der Fokus der Ankäufe liegt auf zeitgenössischer Kunst, doch umfasst das Spektrum auch Werke des deutschen Impressionismus – etwa von Lovis Corinth oder Gotthardt Kuehl – über Positionen des Informel (Asger Jorn, Karel Appel) und der Nachkriegskunst (Gerhard Richter, Nam June Paik, Neo Rauch) bis hin zu aktuellen Künstlerinnen wie Miriam Cahn, Alicja Kwade oder Corinne Wasmuht. Der Stifterkreis steht für ein bemerkenswertes bürgerschaftliches Engagement und hat die Sammlung der Kunsthalle nachhaltig geprägt und qualitativ bereichert.

Die langjährige institutionelle Verbindung zwischen dem Stifterkreis und der Gerisch-Stiftung – insbesondere durch Brigitte Gerisch, Vorständin der Stiftung und zugleich Mitglied im Vorstand des Stifterkreises – verleiht der Ausstellung eine persönliche Note. Die Ausstellung zeigt einen Querschnitt durch die Erwerbungstätigkeit des Stifterkreises – von älteren Gemälden über Werke der Moderne nach dem 2. Weltkrieg bis hin zu aktuellen Positionen.

Lovis Corinth, Frau Else Kaumann auf der Gartenbank, 1911, Dauerleihgabe Stifterkreis Kunsthalle © Kunsthalle zu Kiel, Foto: Foto-Renard, Kiel

Spannungsreicher Parcour

Die Werke sind entlang eines spannungsreichen Parcours im Gebäudeensemble der Gerisch-Stiftung zu sehen – bestehend aus der Villa Wachholtz, der Remise und der Gerisch-Galerie. Die ehemalige Wohnarchitektur schafft dabei einen intimen Rahmen, der in reizvollem Kontrast zur Wirkung der Werke steht. Inhaltlich ist die Ausstellung thematisch gegliedert: In der Villa Wachholtz treffen im Themenraum Menschenbilder Porträts verschiedener Epochen aufeinander – etwa Lovis Corinths Frau auf Gartenbank (1911) und Georg Baselitz’ Schwarzer Akt (1973). Weitere Räume widmen sich Dynamik und Gestik, Kontemplation und Meditation. Eine Auswahl an Arbeiten auf Papier, darunter von Maria Lassnig und Arnulf Rainer, wird in einem abgedunkelten Raum präsentiert. Die Remise gibt über eine wandfüllende Chronologie Einblicke in die Geschichte des Stifterkreises und kontextualisiert bedeutende Erwerbungen, die nicht vor Ort gezeigt werden können – darunter Gerhard Richters monumentales Billard (2001).

Nam June Paik (Seoul 1932 – 2006 Miami) Faraday 1992, Videoskulptur
© Kunsthalle zu Kiel, Foto: Foto-Renard, Kiel

Den Abschluss bildet die Gerisch-Galerie mit jüngeren Erwerbungen von Künstlerinnen wie Miriam Cahn, Annette Kelm oder Ulrike Ottinger, die sich mit Themen wie Flucht, Krieg und totalitären Regimen auseinandersetzen und damit bedrückend aktuell sind. Die Ausstellung ist ein eindrucksvolles Beispiel dafür, wie durch Kooperation und bürgerschaftliches Engagement kulturelles Erbe sichtbar bleibt – auch in Zeiten des Umbaus.

Die Ausstellung läuft bis zum 12. Oktober 2025.

Sonntagsführungen

Jeden Sonntag werden um 14 Uhr Führungen zur Ausstellung angeboten. Inkl. Eintritt € 10,- pro Person.

Auch sehenswert: Prillwitzer Idole

Daniel Spoerris Suche nach den „Gottsdienstlichen Altertümern der Obothriten“ war eine Abenteuerreise, die er selber ausführlich beschrieben hat. Anhand alter Stiche hatte er sich in den Kopf gesetzt, nach den Vorlagen für diese Abbildungen zu forschen, die seine Neugier weckten, weil sie so skurril waren. Und er suchte so lange bis er sie fand.

Es stellte sich heraus, dass eine reiche Fälschergeschichte damit verbunden war.

Eine Goldschmiedefamilie hatte Mitte des 18. Jahrhundert hergestellt, was Forscherherzen und der Adel begehrten: Belege für kultische Handlungen eines urslawischen Stammes. Die Artefakte waren absichtlich etwas roh hergestellt worden, um sie authentisch erscheinen zu lassen. Dabei störte es kaum einen, dass die Figuren aus Bronze waren, einem Material, das die Obotriten gar nicht verwendeten.

Die „Fälschungen“ – Daniel Spoerri nennt sie „Zuschreibungen“ – bezeichnet man heute, nach ihrem Entstehungsort, als „Prillwitzer Idole“.

Daniel Spoerri (1930-2024) war Tänzer, Dichter, Regisseur und Objektkünstler, Gründungsmitglied der Nouveaux Réalistes und Begründer der Eat Art.

Die Ausstellung läuft noch bis zum 12. Oktober 2025.

Herbert Gerisch-Stiftung

Brachenfelder Straße 69
24536 Neumünster
Telefon 04321 555 120
https://www.gerisch-stiftung.de
Öffnungszeiten Mi – So 12 – 18 Uhr

Daniel Spoerri Marstaucher © Herbert Gerisch-Stiftung